Standpunkt

Für einen entwaffnenden Frieden stärker zusammenstehen

Veröffentlicht am 28.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Joachim Frank – Lesedauer: 

Bonn ‐ Der Frieden hat in der Weltpolitik einen schweren Stand. Trotzdem lohnt es sich, für ihn einzustehen, kommentiert Joachim Frank. Denn sonst könnten die Folgen verheerend sein. Dabei weiß er den Papst hinter sich.

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Die Welt wird immer verrückter. Das geht so weit, dass der Irrsinn des Manns im Weißen Haus und der Wahnwitz des Manns im Kreml inzwischen als das einzig Vernünftige erscheinen. "Wir leben in einer Welt, in der wahren Welt, die von Stärke regiert wird, die von Kraft regiert wird, die von Macht regiert wird." Das ist das Rational Trumpscher Politik, formuliert von dem Rechtsaußen Stephen Miller aus dem Stab des US-Präsidenten.

In dieser Logik kann es zur Durchsetzung eigener Ziele und Interessen nichts anderes geben als nackte Gewalt. Und das erleben wir tagtäglich – auf den Schlachtfeldern in der Ukraine, bei den Mullahs im Iran oder den sudanesischen Warlords, aber auch beim Vorgehen der sogenannten Einwanderungsbehörde ICE in den USA samt Trumps unablässigen Drohreden. Der Präsident des Landes, das seit mehr als 250 Jahren die Gewaltenteilung kennt und seit 1949 Standort für die Vereinten Nationen ist, setzt nur noch auf das Recht des Stärkeren. "Meine eigene Moral, ein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann, und das ist sehr gut", so hat Trump es der "New York Times" gesagt.

Muss es da wundern, dass alle, die – scheinbar wider alle Vernunft – auf die Stärke des Rechts setzen oder die Logik der Gewalt nicht zum Allheilmittel für kriegerische Konflikte erklären, vollends unter die Räder kommen?

Der frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hat jüngst in Köln erklärt, er hätte sich bei seinem viel geschmähten Werben für diplomatische Anstrengungen zur Beendigung von Putins Krieg gegen die Ukraine mehr Rückhalt von den Kirchen gewünscht. Natürlich, es gibt keinen Anspruch auf Support für Positionen, die realpolitisch vollkommen unrealistisch erscheinen. Aber, so sagt es der Präsident der deutschen Sektion von "Pax Christi", der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf: "Wir müssen bei allen realpolitischen Debatten aufpassen, dass Menschen mit pazifistischen Positionen am Ende nicht als die Deppen dastehen."

Dieser Punkt ist längst erreicht, wenn nicht überschritten. Aufpassen reicht nicht mehr. Es braucht das Zusammenstehen für einen "unbewaffneten, entwaffnenden Frieden" (Papst Leo XIV.) und gegen die wahren Deppen – damit sie mit ihrer "Rationalität" nicht vollends die Vernunft zum Schweigen bringen, das Recht begraben, die Menschlichkeit töten und die Welt in den Abgrund stürzen.

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist "DuMont"-Chefkorrespondent und Mitglied der Chefredaktion des "Kölner Stadt-Anzeiger". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands (GKP).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.