Katholische Reformgruppen ziehen gemischte Bilanz zu Synodalem Weg
Vor der Abschlusssitzung des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland haben Reformbefürworter weiteres Engagement für Geschlechtergerechtigkeit und mehr Mitbestimmung gefordert. "Wichtig wird jetzt sein, auch Wunden zu heilen, die in den vergangenen sechs Jahren entstanden sind", konstatierte Christian Weisner vom Bundesteam der Reformbewegung "Wir sind Kirche" am Dienstag vor Journalisten. Elementar sei, dass der Reformweg weitergegangen werde. Allerdings sei durch vatikanisches Eingreifen auch deutlich geworden, das "verbindliche Synodalität innerhalb des bestehenden hierarchischen Kirchenrechts kaum möglich sei". Von Donnerstag bis Samstag zieht in Stuttgart die sechste und letzte Synodalversammlung von Bischöfen und Laien Bilanz.
Die Vize-Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Ulrike Göken-Huismann, mahnte eine Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Wegs in den Bistümern an, etwa eine Predigterlaubnis für Nicht-Priester. Rechtlich sind die Beschlüsse des Reformprojekts nicht bindend für die Bischöfe. Göken-Huismann beklagte, bei vielen Reformanliegen habe es "wieder nur Trippelschritte in Millimetern" gegeben. "Es ist fünf nach zwölf in Sachen Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche." Sie bekräftigte die Forderung, dass sich die Verantwortlichen weiter für eine Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche einsetzen sollen.
Bedauern über Bätzings Vorsitz-Ende
Die Reformgruppen, darunter auch der Jugenddachverband BDKJ und die Reforminitiative "Maria 2.0", äußerten Bedauern darüber, dass Bischof Georg Bätzing Ende Februar nicht mehr bei der Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) kandidiert. Bätzing habe sich sehr für den Synodalen Weg und seine Anliegen eingesetzt. "Wir hoffen sehr, dass der Nachfolger ein Mann wird, der sich für die Fortführung der Reformanliegen ebenso engagiert einsetzt", sagte Göken-Huismann.
Zuversichtlich äußerten sich die Reformgruppen, dass die geplante nationale Synodalkonferenz, in der Bischöfe und Laienvertreter ihre Beratungen verstetigen wollen, im November an den Start gehen könne und die Satzung auch grünes Licht von der Bischofskonferenz sowie aus dem Vatikan bekommen werde. Dieser habe schon im Vorfeld dafür gesorgt, dass eine tatsächliche Mitbestimmung von Laien weitgehend eingeschränkt werde. "Aber wir haben dennoch Hoffnung – die Mauer ist ja auch an einem Tag gefallen und keiner hat damit gerechnet", sagte Katharina Hubrich von "Maria 2.0".
Im Fokus der Abschlusssitzung des Synodalen Wegs steht eine Evaluation des teils umstrittenen Vorhabens, das seinerzeit unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals ins Leben gerufen wurde. Zentrale Themen waren Macht, Rolle der Frauen, Sexualmoral und priesterliche Lebensform. Insgesamt verabschiedete das rund 230 Mitglieder umfassende Gremium 15 Papiere. Zu den greifbarsten Ergebnissen zählten die Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts sowie die Möglichkeit zur Segnung von homosexuellen Paaren. (KNA)
