Bischof Gerber hält deutschen Synodalen Weg für beispielhaft
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hält den Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland für beispielhaft. Der Synodale Weg besitze eine Strahlkraft auch über die Kirche hinaus, betonte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Donnerstag in Stuttgart. Den Anstoß zum Dialog habe der Skandal um sexuellen Missbrauch in der Kirche gegeben, so Gerber. Es sei wichtig, sich der eigenen Geschichte kritisch zu stellen. In vielen Ländern stehe genau dieser Ansatz unter wachsendem Druck und wirke sich negativ auf die jeweiligen Gesellschaften aus. Ausdrücklich erwähnte Gerber in diesem Zusammenhang Russland und die USA.
Dass die katholische Kirche im Verlauf des Synodalen Weges einen Fokus auf die systemischen Ursachen sexualisierter Gewalt gelegt habe, sei auch eine Folge der deutschen Geschichte, führte Gerber weiter aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg und den Gräueltaten der Nationalsozialisten habe sich gezeigt, dass es nicht ausreiche, die Schuldfrage vor Gerichten zu stellen. Man habe auch die systemischen Ursachen hinterfragt. Das liege seither in der DNA der deutschen Gesellschaft.
Schließlich gelte es, einem Trend zur Empathielosigkeit zu begegnen, wie ihn verschiedene Politiker oder der Unternehmer Elon Musk befeuerten. Er selbst, so der Fuldaer Bischof, habe den Synodalen Weg als "Schule der Empathie" erlebt, in der es beispielsweise zu einem ehrlichen Austausch mit Angehörigen sexueller Minderheiten gekommen sei. – Gerber äußerte sich auf einer Pressekonferenz unmittelbar vor dem Auftakt der sechsten und letzten Vollversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart. Das Treffen dauert bis Samstag. (KNA)
