Was in Stuttgart auf der Tagesordnung steht

Synodaler Weg: Das letzte Treffen und die offene Bilanz

Veröffentlicht am 29.01.2026 um 00:01 Uhr – Von Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Sechs Jahre Synodaler Weg: Errungenschaften und Kontroversen, Bischöfe, die nicht mitgehen, und ein Dialog mit dem Vatikan. Nun kommt es in Stuttgart zum großen Finale mit der letzten Synodalversammlung – und einer Bilanz.

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In Frankfurt startete vor gut sechs Jahren der Synodale Weg. Die Kirche schien sich zu bewegen, wenn auch erst nach einer jahrelangen Krise – stark erschüttert durch den Missbrauchsskandal. Die Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begannen einen gemeinsamen Weg, der einen Reformdialog ermöglichen sollte. Was daraus wurde: insgesamt fünf Vollversammlungen, intensive Diskussionen und ein Ringen zu verschiedenen Themen – Macht, Sexualmoral, die priesterliche Lebensform und die Rolle der Frauen. Und manche Ergebnisse, deren Bewertungen je nach Sichtweise auseinandergehen.  

Nun kommt es in Stuttgart zum Finale: Die 230 Mitglieder der Synodalversammlung kommen ein allerletztes Mal zusammen. Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Evaluation des bisherigen Prozessgeschehens sowie das Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges. Man möchte Bilanz ziehen: Was haben die insgesamt 15 verabschiedeten Papiere gebracht? Haben sie den gewünschten Erfolg erzielt? Wie aber sieht die konkrete Umsetzung der Beschlüsse aus – und wo steht man innerhalb der Weltkirche? 

Keine "deutschen" Themen 

Gleich zur Eröffnung sollen die Präsidentin und der Präsident des Synodalen Weges berichten, also die ZdK-Vorsitzende und der DBK-Vorsitzende. Das Spannende dabei: Bischof Georg Bätzing ist nicht mehr lange DBK-Vorsitzender. Bei seiner Ankündigung in der vergangenen Woche, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren, betonte der Limburger Oberhirte jedenfalls in aller Kürze, er wünsche seinen Mitbrüdern "weiterhin den Mut zum offenen Wort, zu konstruktivem Ringen". Den wird der künftige Vorsitzende der Bischofskonferenz sicherlich brauchen. Wie aber Bätzings Bilanz zum Synodalen Weg ausfallen wird? 

Bätzing hatte das Ruder im Jahr 2020 vom damaligen Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx übernommen – eine keinesfalls einfache Aufgabe in einer sorgenreichen Zeit. Die anfängliche Aufbruchstimmung beim Synodalen weg wurde bald von der Corona-Pandemie gedämpft, später kamen Vorwürfe hinzu, mit dem Prozess ein Schisma herbeizuführen. Kritiker hatten dem Synodalen Weg, primär auch Bätzing selbst, vorgeworfen, auf eine Abspaltung von Rom hinzuwirken. Doch die Themen, über die diskutiert wurde, waren keineswegs ausschließlich "deutsche" Themen. Auch in anderen Ländern befasste man sich, wenn auch mit anderer Gewichtung, mit einer Vielzahl der Fragen, die vom deutschen Reformprojekt prominent angesprochen wurden. 2021 startete Papst Franziskus schließlich einen Weg der Synodalität mit der Weltsynode auf weltkirchlicher Ebene. 

Bischof Georg Bätzing und Irme Stetter-Karp sprechen beim Presse-Statement zum Synodalen Ausschuss
Bild: ©KNA/Bert Bostelmann

Zur Eröffnung berichten ZdK-Vorsitzende Stepper-Karp und DBK-Vorsitzender Bischof Georg Bätzing. Wie die Bilanz zum Synodalen Weg ausfallen wird?

Trotz inhaltlicher Ähnlichkeiten kamen aus Rom immer wieder Bedenken zur Sprache. Auch intern gab es beim Synodalen Weg kritische Momente, etwa bei der vierten Synodalversammlung im September 2022, als nach intensiver Debatte über die kirchliche Sexuallehre ein entsprechender Grundtext an der Sperrminorität der Bischöfe scheiterte. Beschlossen wurden jedoch fünf Grundsatzdokumente. Drei davon befassten sich mit zentralen Fragen: Macht, priesterliches Leben und die Rolle der Frauen. Viele Themen – etwa die Öffnung des Zölibats für Geistliche, die lehramtliche Neubewertung von Homosexualität und der Zugang von Frauen zu sakramentalen Ämtern – konnten und können nach wie vor nicht vor Ort entschieden werden. Diese Anliegen wurden an den Vatikan adressiert. 

Bundesweites Gremium zu kontrovers 

Mehrere Handlungstexte wurden zudem verabschiedet, die jeder Diözesanbischof vor Ort in seinem Bistum auch "ohne Rom" umsetzen konnte – auch wenn diese rechtlich nicht bindend sind. Dazu gehörte etwa ein Text zu einem strengeren Umgang mit Missbrauchstätern sowie die inzwischen abgeschlossene Reform des kirchlichen Arbeitsrechts. Auch trans- und intergeschlechtliche Personen sollten im Taufregister ihren Eintrag ändern lassen oder Eltern für ihr Kind als Geschlechtsangabe "divers" eintragen können. Die Zustimmung diesbezüglich lag etwa 2023 bei allen Synodalen bei rund 95 Prozent. Bei den Bischöfen stimmten 84 Prozent dem Text zu, bei den nicht-männlichen Teilnehmerinnen der Synodalversammlung kam der Text auf 100 Prozent Zustimmung. 

Ein weiterer Teilerfolg war schließlich der Handlungstext zu Segensfeiern für homosexuelle Paare und wiederverheiratete Geschiedene. Auch hier zog der Vatikan wenig später nach: Noch vor Weihnachten ermöglichte Papst Franziskus die zuvor strikt untersagten Segnungen – allerdings ohne feierlichen liturgischen Rahmen. Doch nicht alle waren mit dem 2023 veröffentlichten vatikanischen Segensdokument "Fiducia supplicans" zufrieden. Dennoch schien die Kirche sich zu bewegen, wenn auch nur im Millimetertakt. 

Mentalitätswandel unter Franziskus

Reformdebatten und Hoffnungen sind nichts Neues in der Kirche und stellen heute kein grundsätzliches Problem mehr dar. Denn unter Papst Franziskus hat sich ein Mentalitätswandel vollzogen: Theologinnen und Theologen müssen nicht mehr fürchten, sanktioniert zu werden, wenn sie sich beispielsweise für die Weihe von Frauen einsetzen. Für erhebliche Kopfschmerzen und Kontroversen sorgte in Rom jedoch das Vorhaben der Kirche in Deutschland, eine Art bundesweites Leitungsgremium aus Bischöfen und Laien zu schaffen – den sogenannten "Synodalen Rat". Dieser Rat sollte gemeinsam beraten und beschließen können, etwa zu pastoralen Grundsatzentscheidungen oder Zukunftsfragen der Kirche in Deutschland. Heiß diskutiert war dabei die Frage, wie Laien überhaupt an solchen Entscheidungen beteiligt werden und wie verbindlich diese sein sollen. 

Doch es kam ganz anders. Die Vorbehalte aus Rom mündeten nicht in weiteren Stoppschildern oder einem gänzlichen Verbot, sondern in einen intensiven Dialog mit Vertretern der Römischen Kurie. DBK und ZdK reisten dazu mehrfach zu Gesprächen nach Rom und konnten etwa einen Teilerfolg erringen: Es kann weitergehen, aber ohne den Segen des Vatikans kann etwa das für November dieses Jahres geplante bundesweite Laiengremium, das den Synodalen Weg verstetigen soll, seine Arbeit gar nicht erst aufnehmen. Wie es dazu kam: Nach der fünften Synodalversammlung Ende 2023 hatte der Synodale Ausschuss mit 74 Mitgliedern seine Arbeit aufgenommen. Dessen Aufgabe bestand darin, den "Synodalen Rat" vorzubereiten, der inzwischen, nachdem der Vatikan Einspruch gegen den Namen eingelegt hatte, Synodalkonferenz heißt. Die Satzung wurde im vergangenen November verabschiedet. Das ZdK bestätigte sie, die Bischofskonferenz will sich bei ihrer kommenden Vollversammlung im Februar damit befassen.  

Gespräche zwischen DBK und Kurie im Vatikan
Bild: ©Matthias Kopp/Deutsche Bischofskonferenz

Die Vorbehalte aus Rom mündeten nicht in weiteren Stoppschildern oder einem gänzlichen Verbot, sondern in einen intensiven Dialog mit Vertretern der Römischen Kurie.

Gegen die Arbeit im Ausschuss hatten sich jedoch vier Bischöfe gestellt, die sich auf Vorbehalte aus Rom beriefen: der inzwischen emeritierte Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Stefan Oster (Passau), Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln). Kurz vor der letzten Synodalversammlung sagten Woelki und Voderholzer ab – aus unterschiedlichen Gründen. Woelki argumentierte damit, dass für ihn der Synodale Weg abgeschlossen sei und er an den ursprünglich vereinbarten fünf Sitzungen teilgenommen habe. Voderholzer hingegen nimmt in Rom an der Vollversammlung des vatikanischen Glaubensdikasteriums teil, einschließlich einer Papst-Audienz. Fehlen wird auch der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier – krankheitsbedingt. Für ihn sei die letzte Synodalversammlung aber "ein wichtiges Treffen, bei dem es um die Reflexion des Erreichten und Schritte in die Zukunft geht".

Auf der Tagesordnung in Stuttgart steht unterdessen auch die Vorbereitung der Wahl der "weiteren Gläubigen" für die Synodalkonferenz. Neben den 27 Ortsbischöfen und 27 ZdK-Mitgliedern sollen weitere 27 Vertreterinnen und Vertreter dem bundesweiten Gremium angehören. Wie diese Wahl konkret ablaufen wird, bleibt abzuwarten – ebenso wie die Frage, ob manche Bischöfe ihre Haltung zur Synodalkonferenz überdenken und sich künftig an der Arbeit des neuen Gremiums beteiligen werden. Vor allem dann, wenn der Vatikan dem Gremium grünes Licht geben sollte. Das letzte Treffen erscheint damit tatsächlich als ein "großes Finale": Denn mit Blick auf die Wahl eines neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz im Februar könnten manche Karten neu gemischt werden, auch wenn der ganze Prozess selbst wohl nicht zur Disposition steht. 

Von Mario Trifunovic