Zwischen Lob an Rom und offenen Konflikten

Unmittelbar vor Beginn der sechsten und letzten Synodalversammlung sprachen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und die Vorsitzende des deutschen Laienkatholizismus, Irme Stetter-Karp, vor Journalisten von einem gelungenen "Kulturwandel" und einem guten Miteinander von Bischöfen und Laien während des mehrjährigen Reformdialogs der katholischen Kirche in Deutschland. Dieser Wandel habe Türen geöffnet – etwa im Blick auf queere Menschen, die heute anders wahrgenommen würden als noch vor einigen Jahren.
Entsprechend hat man das Lob für den Vatikan betont sowie die konstruktiven Gespräche mit Vertretern der Römischen Kurie hervorgehoben. Durch beharrlichen Dialog auf beiden Seiten seien anfängliche Irritationen in Vertrauen umgewandelt worden, erklärte Bätzing. Man hoffe daher, für die geplante Synodalkonferenz die bislang noch ausstehende Zustimmung aus Rom zu erhalten. Die Anmerkungen des Vatikans seien eingearbeitet worden, weshalb dort auch ein Wille erkennbar sei, "diesen Weg mitzutragen". Dankbar zeigte man sich auch für vatikanische Schärfungen, die zu diesem Stand beigetragen hätten. Ob dies jedoch für ein endgültiges grünes Licht reicht, bleibt vorerst offen. Papst Leo XIV. antwortete auf die entsprechende Nachfrage lediglich: "Wir werden sehen."
Das Satzungsdokument wolle man nach der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Februar in Würzburg nach Rom schicken. Selbstkritisch räumte Bätzing jedoch ein, dass es nicht gelungen sei, Betroffene sexualisierter Gewalt in dem gewünschten Maße in den Reformprozess einzubeziehen. An der bis Samstag andauernden Synodalversammlung nehmen 177 Stimmberechtigte sowie 15 Berater teil. Mehrere Bischöfe sagten ihre Teilnahme aus unterschiedlichen Gründen ab, darunter der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und alle seine Weihbischöfe. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nimmt zeitgleich an einer Sitzung des vatikanischen Glaubensdikasteriums in Rom teil. Krankheitsbedingt fehlt zudem der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier, ebenso der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr – Gründe hierfür wurden nicht genannt. Jenen Bischöfen, die dem Synodalen Weg wiederholt kritisch gegenüberstanden und den Reformdialog teilweise boykottierten, warf Bätzing eine "Selbstisolation" vor. Er hoffe dennoch, dass die deutschen Bischöfe wieder zusammenfinden.
Reformgruppen im Regen
Unterdessen standen rund fünfzig Vertreterinnen und Vertreter von Reformgruppen und Verbänden draußen im Regen – mit bekannten Forderungen wie der Abschaffung des Pflichtzölibats und der Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche. Gegenüber katholisch.de betonte ein Vertreter, man wolle den Bischöfen einerseits "auf die Füße treten", damit Beschlossenes endlich umgesetzt werde. Andererseits wolle man den Synodalen Mut machen, sich weiterhin für Reformen einzusetzen.
Viertes Treffen von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz mit Mitgliedern der römischen Kurie am 12. November 2025.
Kurze Zeit später gesellten sich Bätzing, Stetter-Karp und der Fuldaer Bischof Michael Gerber zu den Gruppen in den Regen und führten ein kurzes Gespräch, das von Lob für die Arbeit des Synodalen Wegs geprägt war. Zurück im Tagungshaus begann die abschließende Vollversammlung mit einem Wortgottesdienst und der von der römischen Weltsynode inspirierten Gesprächsmethode "Conversatio in Spiritu". Man zeigte sich dankbar für den weltkirchlichen synodalen Prozess, den Papst Franziskus im Jahr 2021 angestoßen hatte. Die Methode sei daher bewusst übernommen worden, um sich mit dem weltkirchlichen Weg zu verbinden. Sie schaffe Verbundenheit und Vertrauen, sagte Bätzing später im Bericht des Präsidiums, der gemeinsam mit Stetter-Karp in Form eines Interviews stattgefunden hatte.
Ob mit der Gesprächsmethode auch ein Signal nach Rom gesendet werden sollte, blieb offen. Katrin Brockmüller, eine der Moderatorinnen der "Conversatio in Spiritu", verneinte dies. Gegenüber katholisch.de erklärte sie, die Methode der Weltsynode habe dazu beigetragen, die Synodalen zu ermutigen, frei zu sprechen und einander zuzuhören – auch am Ende des Synodalen Wegs, wenn noch einmal Rückschau gehalten wird.
Fortschritte in der Weltkirche
Im weiteren Verlauf stellte die Synodalversammlung die Frage an das Präsidium, ob es Fortschritte auf weltkirchlicher Ebene gebe. Im Juni 2023 habe man gemeinsam einen Brief an den Papst verfasst, in dem Punkte aus den Beschlüssen benannt wurden, die nicht allein in Deutschland umgesetzt werden könnten, so Bätzing. Viele dieser Themen spielten auch im gesamtkirchlichen Prozess eine Rolle und seien sowohl in den beiden Phasen der Weltsynode als auch in Gesprächen mit der Römischen Kurie erneut aufgegriffen worden.
Keine Bewegung gab es beim vatikanischen Verständnis des Präsidiums des Synodalen Wegs. Dieses sehe sich als Gesprächspartner für den Dialog mit der Römischen Kurie, werde jedoch nicht entsprechend wahrgenommen. Bis heute habe es keine explizite Einladung an das Präsidium gegeben, bedauerte Bätzing.
Es habe durchaus Bewegung gegeben – trotz Enttäuschungen, etwa über die Ergebnisse der jüngsten vatikanischen Studienkommission zum Diakonat der Frau. Die von Papst Franziskus eingesetzte Theologenkommission erklärte im Dezember, Frauen könnten nach derzeitigem Stand nicht zur Diakonenweihe zugelassen werden. Zugleich bleibe die Frage jedoch offen für weitere theologische und pastorale Vertiefungen; eine Entscheidung müsse letztlich auf Ebene des Lehramtes getroffen werden.
"Kommunikationsverweigerung"
Keine Bewegung gab es beim vatikanischen Verständnis des Präsidiums des Synodalen Wegs. Dieses sehe sich als Gesprächspartner für den Dialog mit der Römischen Kurie, werde jedoch nicht entsprechend wahrgenommen. Bis heute habe es keine explizite Einladung an das Präsidium gegeben, bedauerte Bätzing. Stetter-Karp sprach in diesem Zusammenhang sogar von einer "Kommunikationsverweigerung" gegenüber Laien.
Am Abend stellte Katharina Karl von der Katholischen Universität Eichstätt die Ergebnisse der Evaluation des Synodalen Wegs vor. Insgesamt falle die Bewertung positiv aus; die Mehrheit der Befragten sei mit der Arbeit zufrieden. Zugleich sähen die Synodalen nur einen geringen Beitrag des Prozesses zur Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt oder zur Wiedergewinnung von verlorenem Vertrauen in die Kirche. Dennoch habe der Synodale Weg laut Karl wesentlich zur Enttabuisierung von Themen und zur Anerkennung diskriminierter Gruppen beigetragen. Zudem sei die Beteiligung von Laien an Entscheidungsprozessen über Beratungsgremien gestärkt worden. Die Evaluation diene der Einordnung, da es sich um den ersten Prozess dieser Art gehandelt habe. "Es lohnt sich, nicht nur zurückzuschauen", so Karl abschließend.
Für Freitag steht unter anderem das Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Wegs sowie ein Tagesordnungspunkt zur Aufarbeitung und Aufklärung sexualisierter Gewalt an. Wie unterschiedlich die Beschlüsse in den Bistümern umgesetzt wurden, wollte Bätzing am Donnerstag nicht verraten. Gemeinsam wolle man am Freitag in die Monitoring-Studie schauen, um zu sehen, wie stark die Unterschiede bei den einzelnen Fragen gewesen seien.