Am Ende des Synodalen Wegs: Bilanz mit Fragezeichen
"Wir haben gezeigt: Synodalität geht auch katholisch. Das haben wir in Deutschland mit dem Synodalen Weg bewiesen." Unter lang anhaltendem Applaus sprach Thomas Sternberg, früherer Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), diese abschließenden Worte am Ende der sechsten und letzten Synodalversammlung. Auch der Münchener Erzbischof und ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, zeigte sich erleichtert: "Ich bin froh, dass wir das damals angestoßen haben."
Ihre Nachfolger an der Spitze von DBK und ZdK, Bischof Georg Bätzing und Irme Stetter-Karp, dankten allen Beteiligten des rund sechs Jahre dauernden gemeinsamen Weges. Stetter-Karp betonte ebenfalls unter starkem Applaus: "Wir haben bewiesen, dass es bei allen Unsicherheiten ein Wir gibt, das trägt." Ungewissheiten, Enttäuschungen und offene Fragen prägten jedoch den Samstagvormittag – vor allem mit Blick auf die für den Herbst geplante Synodalkonferenz. Über deren Satzung wollen die deutschen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung Ende Februar in Würzburg beraten. Danach wäre der Papst am Zug, der sich bislang zurückhaltend zeigte: "Wir werden sehen", sagte er vor einigen Wochen während eines Fluges von Rom nach Ankara.
Einige Bischöfe äußerten sich dennoch zuversichtlich – trotz anhaltender Kritik aus Rom und bislang ausgebliebener Antworten auf Schreiben aus Deutschland. Besonders der noch amtierende DBK-Vorsitzende Bätzing nahm den Vatikan in Schutz und sprach von einer positiven Entwicklung im Dialog mit der Römischen Kurie. Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck berichtete in den Tagen zuvor, Rom sei jederzeit über das geplante bundesweite Kirchengremium informiert gewesen. Er rechnet mit einem "Ja" diesbezüglich, werde jedoch in den kommenden Wochen mit Vatikan-Vertretern darüber sprechen.
(K)eine Überwachung der Umsetzung
Ein zentraler Streitpunkt war am Vormittag die Debatte um den Umgang mit den Ergebnissen des Monitorings zur Umsetzung der Beschlüsse der Synodalversammlung. Kritisiert wurde insbesondere die Anonymisierung der Auswertung sowie die fehlende Möglichkeit, einzelne Bistümer konkreten Umsetzungsständen zuzuordnen. Grundlage des 37-seitigen Dokuments waren Rückmeldungen aus 23 der 27 deutschen Bistümer. Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes erneuerte die Kritik an der Anonymisierung und widersprach Kardinal Marx, der zuvor scharf betont hatte, er wolle mit der Synodalkonferenz keine Oberinstanz, die Bischöfe überwache oder in die Bistümer hineinregiere: "Das will ich nicht!" Die Debatte gewann deutlich an Schärfe und sorgte für Unbehagen im Plenum. Hermes hielt dagegen: Es gehe nicht um ein Hineinregieren, sondern um Rechenschaftspflicht – für die Marx selbst gestimmt habe.
Er will mit der Synodalkonferenz keine Oberinstanz – der frühere DBK-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx.
Der schließlich verabschiedete Beschluss sieht vor, dass die Diözesanbischöfe die Antworten ihrer (Erz-)Diözesen den synodalen Gremien zur Verfügung stellen und ihre Entwicklungen erläutern. Zudem soll das künftige nationale Kirchengremium regelmäßig die Umsetzung der Beschlüsse in den Bistümern "monitoren". Ein Begriff, der sich leichter mit "Überwachung" fassen lässt. Gerade das wird in Rom kritisch gesehen. Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf äußerte entsprechende Bedenken. Dennoch wurde der Beschluss mit einer sehr dünnen Zweidrittelmehrheit der Bischöfe angenommen – zehn Oberhirten votierten gegen einen solchen Mechanismus.
Ausweg aus der Krise
Nach sechs Jahren Reformprozess, der als Reaktion auf die tiefgreifende Missbrauchskrise initiiert wurde, bleiben zahlreiche Fragen offen – insbesondere zur konkreten Ausgestaltung des geplanten nationalen Gremiums. Schon am Samstagmorgen gab es ein Unbehagen: Neben je 27 Vertretern von DBK und ZdK sollen weitere 27 weitere Gläubige aus dem Kirchenvolk vertreten sein. Fragen nach Quoten für Frauen und junge Menschen erwiesen sich dabei als besonders konfliktträchtig.
Unklarheiten, emotionale Debatten und technische Probleme brachten die Versammlung am Morgen zeitweise an den Rand der Verzweiflung. Die Abstimmungen verzögerten sich erheblich, insbesondere als auch die muttersprachlichen Gemeinden ebenfalls Sitze forderten. Nach einer hitzigen Diskussion wurden schließlich drei – statt fünf – Mandate für Vertreterinnen und Vertreter muttersprachlicher Gemeinden knapp beschlossen. Zudem sollen mindestens 13 Mitglieder Frauen sein und mindestens fünf Mitglieder unter 30 Jahren.
Keine Abspaltung, aber offene Baustellen
Aus dem ursprünglich groß angelegten Reformdialog wurden sechs Vollversammlungen mit intensiven Debatten über "heiße Eisen" wie die kirchliche Sexualmoral, die zölibatäre priesterliche Lebensform und die Rolle von Frauen. Die anfängliche Aufbruchsstimmung wurde durch die Corona-Pandemie gedämpft, später kamen Vorwürfe hinzu, der Synodale Weg steuere auf ein Schisma zu. Kritiker warfen insbesondere Bätzing vor, eine Abspaltung von Rom zu riskieren. Den Prozess begleiteten die Vorwürfe bis zum Ende der abschließenden Synodalversammlung.
Es habe Spannungen, Pannen und Krisen gegeben, Menschen seien verletzt worden – und dennoch stehe am Ende in vieler Hinsicht ein Gelingen.
Diese Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. Der Synodale Weg beendete den Prozess in Stuttgart mit einer gemischten Bilanz, aber dem erklärten Willen, Reformen, Missbrauchsaufarbeitung und eine glaubwürdige Vermittlung christlicher Werte fortzuführen. In einer gemeinsamen Erklärung räumten Bischöfe, Laien und Ordensleute ein: Nicht alles sei dabei "glatt aufgegangen." Es habe Spannungen, Pannen und Krisen gegeben, Menschen seien verletzt worden – und dennoch stehe am Ende in vieler Hinsicht ein Gelingen.
Impulse seien auf allen Ebenen gesetzt worden: in Bistümern, Pfarreien, Verbänden und Gemeinschaften. Der Synodale Weg sei jedoch "alles andere als ein abgeschlossenes Projekt". Mit dem geplanten nationalen Gremium – vorausgesetzt, DBK und Vatikan stimmen zu – solle ein Instrument geschaffen werden, um Partizipation, Transparenz und Rechenschaft zu sichern, Diskriminierung zu bekämpfen und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Gerade beim Thema Rechenschaft zeigte sich jedoch auch am Ende des Reformdialogs: Es bleibt ein Balanceakt auf des Messers Schneide.
