Die Synodalversammlung am Freitag

Unmut, Enttäuschung und Teilerfolge beim Synodalen Weg

Veröffentlicht am 30.01.2026 um 18:30 Uhr – Von Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Frust statt Geduld am zweiten Tag der Synodalversammlung: Synodale drängen auf die Umsetzung der Beschlüsse. Die ausbleibenden Reaktionen aus Rom sorgen für scharfe Kritik. Doch einige Bischöfe schlagen andere Töne an.

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Unmut und Enttäuschung prägten am Freitagvormittag den zweiten Tag der abschließenden Synodalversammlung und mündeten in von Applaus begleitete Statements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mehr politischen Willen bei der Umsetzung der vom Synodalen Weg gefassten Beschlüsse forderte etwa die Ordensfrau Katharina Kluitmann. Unter anhaltendem Applaus richtete sie mahnende Worte an den Vatikan und dessen Apostolischen Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, der ebenfalls vor Ort ist: Die Anliegen müssten an den Papst herangetragen werden. Das Ausbleiben von Reaktionen oder Antworten aus Rom auf Briefe des Synodalen Wegs sei enttäuschend, betonten zudem mehrere Synodale. Kluitmann sagte dazu: "So gehen Christen nicht miteinander um." 

Vorausgegangen war die vorgestellte Auswertung zur Umsetzung der Handlungstexte. Vor allem in der Frage des Zölibats, im Umgang mit Homosexualität sowie bei der stärkeren Beteiligung von Frauen gebe es noch deutlich Luft nach oben. Mehrfach wurde der Appell deutlich, dass die Kirche nicht länger warten könne. Die gefassten Beschlüsse müssten endlich in den Bistümern umgesetzt werden – vor allem jene, denen rechtlich nichts im Wege stehe.  

Sinnbildlich hatte der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes dafür das Bild einer brennenden Hütte bemüht. Einige Synodale merkten dazu an, dass sie an vielen Stellen bereits abgebrannt sei. Beobachtbar war zudem ein Kontrast in der Einschätzung des (neuen) Miteinanders mit Rom: Während die einen unter lautem Applaus scharfe Kritik in Richtung Rom übten, zeichneten mehrere Bischöfe ein anderes Bild. 

(K)eine Reaktion aus Rom 

Zwischen den Zeilen stellte sich die Frage, wie die gegensätzlichen Töne innerhalb der Versammlung zustande kamen. Fehlender Dialog? Noch am Donnerstag hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, würdigend von konstruktiven Gesprächen mit Rom gesprochen. Die Zuspitzungen an einigen Stellen hätten dazu geführt, dass eine Delegation deutscher Bischöfe mehrfach nach Rom gereist sei, um mit Vertretern der Römischen Kurie zu sprechen. Zu ihnen gehörte auf römischer Seite auch der heutige Papst, damals noch Kardinal Robert Prevost, der an der Spitze des Bischofsdikasteriums stand.  

Bätzing sprach in diesem Zusammenhang von einem beharrlichen Dialog auf beiden Seiten, die anfänglichen römischen Irritationen hätten ausgeräumt werden können. Auf den Vorwurf, es habe keine Reaktionen auf Briefe des Synodalen Wegs gegeben, nahm Bätzing schließlich den Vatikan in Schutz. Warum auf die Schreiben nicht geantwortet worden sei, blieb unbeantwortet und offen. Niemand wisse eine Erklärung – nicht einmal der Apostolische Nuntius oder andere Vatikan-Vertreter, so Bätzing.  

Bischof Bätzing beim Synodalen Ausschuss
Bild: ©KNA/Angelika Zinzow

Auf den Vorwurf, es habe keine Reaktionen auf Briefe des Synodalen Wegs gegeben, nahm Bätzing schließlich den Vatikan in Schutz.

Mangelnden Respekt sehe er darin jedoch nicht. Ein politisches Kalkül? Eher nicht. Vielmehr deutete er den Dialog mit den vatikanischen Kurienmitarbeitern als Antwort und als Ernstnehmen der Anliegen aus Deutschland: "Ich bleibe dabei konstruktiv und hoffnungsvoll. Der Dialogprozess ist eine Antwort und er ist zielorientiert."

Neue Offenheit und Vertrauen 

Wie Rom das gesamte Vorhaben der Synodalkonferenz letztlich bewertet, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Falls die deutschen Bischöfe für die Satzung grünes Licht geben, wird das Dokument anschließend zur Approbation nach Rom gesandt. Dennoch zeigten sich einige der deutschen Oberhirten zuversichtlich. So berichtete der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Donnerstagabend, Rom sei jederzeit über das geplante bundesweite Kirchengremium informiert gewesen. Die Rede war von einer neuen Offenheit und einem neuen Vertrauen auf beiden Seiten. Overbeck hatte im Auftrag der DBK die Verhandlungen in Rom geführt. 

Während dieses Vertrauen betont wurde, blieben beim Vertrauen vor Ort mehrere Fragezeichen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Etwa in der Frage, warum es verschiedene Auffassungen im Zusammenhang mit Rom gab? Und doch gehörte zu einem der gewichtigsten Gründe die mangelnde Bereitschaft der Verantwortlichen in den Bistümern, die Beschlüsse tatsächlich umzusetzen. Das Monitoring darüber sorgte schließlich für Frustration – insbesondere dessen Anonymisierung und die fehlende Möglichkeit, einzelne Bistümer den jeweiligen Umsetzungsständen zuzuordnen. Das 37-seitige Auswertungsdokument basiert auf Antworten aus 23 der insgesamt 27 Bistümer. 

Währenddessen versammelten sich vor dem Tagungshotel rund 15 Demonstrierende mit ganz anderen Forderungen – und einem anderen "Wording". Kritik am Synodalen Weg gab es in altbekannter Zeitgeist-Rhetorik: "Seelen retten oder dem Zeitgeist huldigen", hieß es auf einem Plakat. Daneben waren eine Marienstatue, Kerzen und Weihrauch zu sehen – begleitet von Vorwürfen der Häresie und des Irrwegs. 

Gemischte Bilanz bei der Aufarbeitung 

Nicht gänzlich zufrieden zeigten sich die Synodalen auch mit Blick auf die Aufklärung sexualisierter Gewalt und die bisherigen Fortschritte. Die Bewertungen gingen auseinander, vielfach wurde betont, das Erreichte gehe noch nicht weit genug. Dabei war der Missbrauchsskandal einer der zentralen Auslöser für das groß angelegte und mehrjährige Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland. 

Stellwand mit dem Logo des Synodalen Wegs und Teilnehmer unscharf im Vordergrund
Bild: ©KNA/Bert Bostelmann

Hinsichtlich der Enttabuisierung von Themen und der Anerkennung diskriminierter Gruppen bewerteten die Synodalen den Reformdialog hingegen als "großen Beitrag".

Von massiven Defiziten sprach in diesem Zusammenhang etwa Johannes Norpoth, Mitglied im Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz. Positiv hob er jedoch hervor, dass heute offen über Macht und Gewaltenteilung gesprochen werde – ebenso über Geschlechtergerechtigkeit und die Sexuallehre der Kirche. "Das ist keine Selbstverständlichkeit", sagte Norpoth. Zudem sei im Bereich der Prävention einiges in Bewegung geraten, etwa durch Sensibilisierungsmaßnahmen und Schulungen. 

Sichtbare Enttäuschung 

Bereits am Donnerstagabend hatte die Evaluation der Katholischen Universität Eichstätt Enttäuschung erkennen lassen, die am Freitag in der Versammlung noch deutlicher wurde. Zum einen beteiligte sich nur etwa die Hälfte der Synodalen an der Befragung, was aufhorchen ließ. Zum anderen hatten diese mehrheitlich den Eindruck, dass der Synodale Weg bislang nur einen geringen Beitrag zur Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt oder zur Wiedergewinnung verlorenen Vertrauens in die Kirche geleistet habe. 

Hinsichtlich der Enttabuisierung von Themen und der Anerkennung diskriminierter Gruppen bewerteten die Synodalen den Reformdialog hingegen als "großen Beitrag". Diese Einschätzung teilte auch eine Ordensfrau aus der Weltkirche im Gespräch mit katholisch.de. Tabuthemen seien angesprochen und intensiv diskutiert worden – etwas, das sie sich auch für die Weltkirche in stärkerem Maße wünsche.  

Vor diesem Hintergrund setzt die Synodalkonferenz künftig auf eine breitere Beiteiligung. An weiteren Diskussionen und Beratungen sollen künftig, was die Synodalkonferenz angeht, neben den 27 Mitgliedern der DBK und des ZdK auch 27 weitere Gläubige beteiligt werden. Vier dieser Plätze sind für die Deutsche Ordensobernkonferenz und den Betroffenenbeirat reserviert. Alle getauften und gefirmten Katholikinnen und Katholiken sollen zur Wahl vorgeschlagen werden können – Voraussetzung ist die Unterstützung von mindestens zwölf Mitgliedern der Synodalversammlung. Damit soll die Synodalkonferenz künftig breiter aufgestellt und die Beteiligung der Gläubigen strukturell gestärkt werden.

Von Mario Trifunovic