Zuversicht bei Anerkennung der Synodalkonferenz

Die deutschen Bischöfe und der Vatikan sind am Zug

Veröffentlicht am 02.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Der Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland soll in einer Synodalkonferenz weitergehen. Doch bevor das neue Gremium starten kann, braucht es Zustimmung aus Rom – und ein klares Votum der deutschen Bischöfe.

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Mit dem Abschluss des großangelegten Reformdialogs der katholischen Kirche in Deutschland bleibt nach einer eher gemischten Bilanz bei der sechsten und abschließenden Synodalversammlung die Hoffnung auf das bundesweite Kirchengremium, das mit seiner Arbeit im November beginnen soll. Voraussetzung ist, dass die Satzung der Synodalkonferenz eine Mehrheit bei den deutschen Bischöfen auf ihrer Vollversammlung Ende Februar in Würzburg bekommt. Sollte es dazu kommen, steht eigentlich nur noch ein Punkt aus – die Bestätigung aus dem Vatikan.

Wie katholisch.de aus Vatikan-Kreisen erfahren konnte, hatte man dort die abschließende Synodalkonferenz in Stuttgart sehr genau auf dem Schirm. Den synodalen Endspurt nahm man als wichtige Woche für die Kirche in Deutschland wahr. Zugleich verfolgte man mit Spannung, wie der Reformprozess nach sechs Jahren abgeschlossen wurde und welche Perspektiven sich für die geplante Synodalkonferenz eröffnen.  Was die Rückschau angeht, so zog ein Teil der Synodalen ein durchaus positives Fazit, jedoch mit Mängeln. Andere hingegen machten ihr Missfallen mehrfach kund. Etwa bei der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Wegs in den Bistümern, was für emotionale Wortmeldungen und scharfe Statements sorgte. Deshalb forderte man in einer späteren Abstimmung vom künftigen bundesweiten Kirchengremium, dass es regelmäßig die Umsetzung in den Bistümern kontrollieren soll. Umschrieben wurde dies mit dem Begriff "Monitoring", der weniger nach Kontrolle als nach Begleitung klingt.

"Das will ich nicht"

Einigen Oberhirten passte die Idee der Kontrolle ganz und gar nicht, etwa dem Münchener Erzbischof und Mitgründer des Synodalen Wegs, Kardinal Reinhard Marx. Die Synodalkonferenz solle keine Oberinstanz sein, die die Bischöfe überwache und in die Bistümer hineinregiere. "Das will ich nicht", sagte Marx harsch ins Plenum – und machte damit eine rote Linie deutlich. Dieser Ansicht schloss sich auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf an, der ebenfalls scharf kritisierte, dass gerade so etwas für Unbehagen in Rom sorgt und womöglich eine Bestätigung ins Wanken bringen könnte. Trotzdem wurde der Beschluss mit einer sehr dünnen Zweidrittelmehrheit der Bischöfe angenommen. Von 32 Oberhirten votierten 10 dagegen.

Irme Stetter-Karp und Georg Bätzing
Bild: ©KNA/Bert Bostelmann

Ob man von einem mangelnden Respekt gegenüber deutschen Katholikinnen und Katholiken sprechen konnte, war die Frage, die im Raum stand.

Doch die Frage nach Entscheidungskompetenz begleitete den Reformdialog von Anfang an. Schließlich agierte der Synodale Weg von Beginn an auf gesamtdeutscher Ebene. So soll auch das künftige Gremium angelegt werden – national, bundesweit. Allerdings sorgte eine solche Idee in Rom für Kopfschmerzen, da sie die Souveränität der Bischöfe einschränken könnte. Der Vatikan hält es nämlich für unvereinbar, dass Geistliche und Laien gemeinsam verbindliche Entscheidungen treffen. Die Gefahr wird darin gesehen, dass die Synodalkonferenz bundesweit agiert und somit die Entscheidungsgewalt der einzelnen Diözesanbischöfe vehement einschränken könnte. Bei den Gesprächsrunden zwischen einer Delegation der deutschen Bischöfe und der Römischen Kurie wurde immer wieder über dieses Thema diskutiert. Der Vatikan ließ das deutsche Reformprojekt dennoch weitermachen und stoppte es nicht mitten im Prozess, da die Beschlüsse keine verbindliche Wirkung haben. Sprich: Die Verantwortlichen an der Spitze der Bistümer müssen keinen Beschluss umsetzen, da es sich um ein kirchenrechtliches "Nullum" handelt.

Der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, beruhigte letztlich die Gemüter und zeigte sich zuversichtlich, was eine Zustimmung aus Rom angeht. Entgegen allen schrillen Vorwürfen, er würde auf ein Schisma zuarbeiten, machte der Limburger Bischof mehrmals deutlich, die Arbeit in der Synodalkonferenz werde man ohne Bestätigung aus Rom gar nicht erst beginnen. Ähnlich sieht das der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der für die Deutsche Bischofskonferenz an den Gesprächsrunden mit der Römischen Kurie teilnahm. Er rechnet mit einem "Ja" Roms zu den Plänen einer Synodalkonferenz.

Dialog mit Rom ist zielorientiert

Unterdessen ließen sich auf der abschließenden Synodalversammlung gegensätzliche Ansichten beobachten. Synodale beklagten ein Ausbleiben von Reaktionen Roms auf Schreiben aus Deutschland, was Bätzing versuchte zu entschärfen und was ihm durchaus gelang. Ob man von einem mangelnden Respekt gegenüber deutschen Katholikinnen und Katholiken sprechen konnte, war die Frage, die im Raum stand. Laien betonten, Christen würden so nicht miteinander umgehen. Bätzing hingegen deutete den Gesprächsprozess mit Vertretern der Römischen Kurie als Antwort und als Ernstnehmen der Anliegen aus Deutschland. Er bleibt konstruktiv und hoffnungsvoll, erklärte er, denn der Dialogprozess sei bereits eine Antwort auf die Schreiben.

Dass das nicht alle so sehen, ist verständlich, denn schließlich wurden nur die Bischöfe zu Gesprächen eingeladen – nicht das Präsidium des Synodalen Wegs als solches. Auch nicht ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp. Einen fehlenden Dialog untereinander verneinte sie im Gespräch mit katholisch.de und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Problem scheint darin zu liegen, dass die Römische Kurie wegen des hierarchischen Aufbaus der Kirche schlicht nicht mit den Laien und damit dem Laiengremium in Verhandlungen treten will, sondern erst die Bischöfe vorsprechen ließ. Stetter-Karp nennt dies eine Deutung, kann aber rein machtpolitisch durchaus nachvollziehen, dass es aufseiten der Kurie Bedenken dazu gibt, ein Gremium wie das ZdK als Gesprächspartner anzuerkennen. Sie habe aber den Eindruck, dass Papst Leo XIV. dies auf dem Schirm hat.

Papst Leo XIV. bei einem Gespräch mit Journalisten im Flugzeug
Bild: ©KNA/Lola Gomez/CNS photo

Papst Leo äußerte sich zwar zurückhaltend mit einem "Wir werden sehen!" hinsichtlich der Synodalkonferenz, doch auf dem Rückflug von Beirut nach Rom betonte er, dass es in der Kirche Raum für Inkulturation gebe und Synodalität an verschiedenen Orten unterschiedlich gelebt wird.

Das bestätigen auch die bereits im Vorfeld genannten Gesprächspartner aus dem Vatikan. Schließlich kam es mit Leo bislang zu keiner grundlegenden Kursänderung oder gar einer harschen Kritik, wie es sie noch unter Franziskus (2013-2025) gab. Papst Leo äußerte sich zwar zurückhaltend mit einem "Wir werden sehen!"  hinsichtlich der Synodalkonferenz, doch auf dem Rückflug von Beirut nach Rom betonte er, dass es in der Kirche Raum für Inkulturation gebe und Synodalität an verschiedenen Orten unterschiedlich gelebt wird. Das müssten nicht gleich Brüche oder Risse sein, auch wenn es zwischen Weltsynode und Synodalem Weg Unterschiede gebe.

Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden wird

Der noch amtierende DBK-Vorsitzende und Papst Leo sprachen immer wieder – jeder für sich – von der Hoffnung, dass sich alles zum Guten wenden wird. Bei Bätzing ist es das "Go" hinsichtlich der Synodalkonferenz, bei Leo die Anpassungen auf beiden Seiten in Deutschland, damit alle gut miteinander arbeiten können. Zu diesem Zeitpunkt sind erstmal die deutschen Bischöfe bei ihrer Vollversammlung Ende Februar in Würzburg dran. Mit Bätzings Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Vorsitzender heißt es nicht nur Beraten über die Satzung des Nachfolgegremiums des Synodalen Wegs, sondern auch eine Staffelübergabe an eine neue Nummer eins innerhalb der DBK.

Ähnlich startete der Synodale Weg: mit einer Übergabe vom damaligen Vorsitzenden und Mitgründer Kardinal Marx, der 2020 die Staffel an seinen Nachfolger, Bischof Bätzing, übergab. Nun endet der Synodale Weg ebenfalls mit einer Staffelübergabe – und mündet erneut in eine Phase der Unsicherheit. Ob die neue Führung der DBK die offenen Fragen mit Rom, den Laien und den illoyalen Bischöfen klären kann, wird sich bald zeigen. Sicher ist nur: Der Reformdialog ist beendet, die Auseinandersetzung um seine Folgen nicht.

Von Mario Trifunovic