Traditionalisten kritisieren angekündigte Bischofsweihen der Piusbrüder

Die Ankündigung neuer illegaler Bischofsweihen durch die Piusbruderschaft stößt auch in traditionalistischen Kreisen auf Vorbehalte. Die Föderation Una Voce, ein internationaler Zusammenschluss verschiedener Organisationen von Freunden der vorkonziliaren Liturgie, äußerte sich am Mittwoch in einer Stellungnahme besorgt. Man wünsche sich zwar sehnlich, dass die Piusbruderschaft einen regulären Status in der Kirche erhielte. "Diese Ankündigung ist aber ein Hinweis darauf, dass dieses Ergebnis in weiterer Ferne liegt, als es viele Jahre lang schien", heißt es in der gemeinsam mit der britischen "Latin Mass Society" veröffentlichten Stellungnahme.
Mit der Piusbruderschaft teile man das Ziel, die Liturgie in ihrer Form vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils möglichst weit zugänglich zu machen. Man teile aber nicht umfassend die Bewertung der Gemeinschaft der aktuellen Situation der Kirche. "Insbesondere kennen wir viele Katholiken, die mit allen erforderlichen Genehmigungen der kirchlichen Hierarchie an der traditionellen Messe teilnehmen können, sodass es für sie nicht notwendig ist, diese in einem irregulären Kontext zu suchen", so die Stellungnahme weiter. Zugleich gebe es aber Regionen, in denen der Zugang zur vorkonziliaren Liturgie tatsächlich schwierig sei: "Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem das Argument der Piusbruderschaft von einem 'Ausnahmezustand' auf Sympathie stößt." Una Voce fordert daher Papst Leo XIV. und alle Bischöfe auf, diese pastorale Realität im Blick zu haben.
Kritik aus Chur, Zustimmung von Schismatiker
Deutliche Kritik an der Ankündigung der Piusbruderschaft äußerte der Churer Weihbischof Marian Eleganti. In seinem Blog verurteilte der durch konservative Wortmeldungen bekannte Bischof die Pläne "in aller Schärfe" und ordnete eine derartige Bischofsweihe als "schismatischen Akt" ein: "Das Hauptargument der sog. 'Piusbruderschaft' eines historisch einmaligen, kirchlichen Notstandes und ihr Hinweis auf das prioritäre Heil der Seelen – vor allem jener, die sich der Priesterbruderschaft Pius X. angeschlossen haben – kann einen so schwerwiegenden Schritt in keiner Weise legitimieren." Das Argument der Piusbrüder, dass sie den Papst anerkennen und im Hochgebet kommemorieren und damit in Gemeinschaft mit der Kirche stünden, ließ Eleganti nicht gelten: "Hier zählen nicht Gemeinschaft im Gebet und in Rest-Schnittmengen des gemeinsamen Glaubens und der gemeinsamen Sakramente, sondern die kanonische Einheit mit dem Papst, die nicht gegeben ist, wenn man Bischöfe ohne seinen Willen weiht." Wie die Una-Voce-Föderation fordert Eleganti "eine gerechte Ordnung der Riten in der Kirche, die den altehrwürdigen lateinischen Ritus weder verbietet noch marginalisiert, vielmehr als Inspiration sieht, Einseitigkeiten und Defizite im Novus Ordo auszugleichen".
Zustimmung erhält die Piusbruderschaft unterdessen von einem verurteilten Schismatiker. Auf "X" schrieb Erzbischof Carlo Maria Viganò, dass die Ankündigung zeige, dass ein Dialog mit dem Heiligen Stuhl unmöglich sei. Es zeige sich eine Doppelmoral, indem einerseits Synodalität beschworen werde, die den Weg in eine Spaltung ebne, andererseits aber "einer Priesterbruderschaft von sicherer Orthodoxie" die Erlaubnis zur Weihe neuer Bischöfe verweigert werde: "Wenn sich die Hierarchie zum Komplizen des Niedergangs der Kirche macht, bleibt als einzige Lösung, sich auf den Notstand zu berufen und die apostolische Sukzession zum Wohl der Seelen zu gewährleisten."
Weihen sollen Zukunft der Piusbruderschaft sichern
Am Montag hatte der Generalobere der Piusbruderschaft, Pater Davide Pagliarani, angekündigt, dass die beiden verbliebenen Bischöfe seiner Gemeinschaft, Alfonso de Galarreta und Bernard Fellay, am 1. Juli weitere Bischöfe weihen würden. Damit solle die Zukunft der Organisation gewahrt bleiben. Zuvor seien Dialogversuche mit dem Vatikan gescheitert. Die beiden noch lebenden Bischöfe der Piusbruderschaft wurden 1988 durch den Gründer der Gemeinschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, und einen weiteren Bischof geweiht. Aufgrund der Weihen ohne Erlaubnis des Papstes zogen sich die Weihespender wie die Geweihten die Exkommunikation zu, Lefebvre wurde außerdem als Schismatiker verurteilt.
Eine unerlaubte Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag zieht nach dem Kirchenrecht für den Spender wie den Empfänger der Weihe die Exkommunikation als Tatstrafe nach sich. Sie tritt also mit Begehen der Tat automatisch ein. Gemäß dem anlässlich der illegalen Bischofsweihen Lefebvres durch Papst Johannes Paul II. (1978–2005) veröffentlichten Schreiben "Ecclesia Dei" (1988) "stellt dieser Ungehorsam, der eine wirkliche Ablehnung des Römischen Primats in sich schließt, einen schismatischen Akt dar". Die Aufhebung der Exkommunikation ist in diesem Fall dem Heiligen Stuhl vorbehalten. 2009 wurde im Auftrag Papst Benedikts XVI. die mit der Weihe eingetretene Exkommunikation der Pius-Bischöfe aufgehoben. Trotz der Aufhebung der Exkommunikation wurde die Piusbruderschaft nicht rehabilitiert, ihre Priester und Bischöfe üben weiterhin kein rechtmäßiges Kirchenamt aus und bleiben somit suspendiert, sie spenden Sakramente in der Regel unerlaubt. Unerlaubte Weihen können jedoch sakramental gültig sein, wenn sie in der vorgeschriebenen Form gespendet werden. (fxn)