Bischofsweihen ohne Zustimmung sind eine Provokation

Die traditionalistischen Piusbrüder fordern den Vatikan heraus

Veröffentlicht am 03.02.2026 um 09:08 Uhr – Von Joachim Heinz (KNA) – Lesedauer: 

Suresnes ‐ Eine erzkonservative Splittergruppe mit unklarem Status in der katholischen Kirche will neue Bischöfe weihen. Was nach einem Vorgang für theologische Feinschmecker klingt, hat kirchenpolitisch durchaus Sprengkraft.

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Die Nachricht, die am Montag die Runde machte, könnte sich zu einer ersten Bewährungsprobe für Papst Leo XIV. ausweiten. Am 1. Juli will die traditionalistische Piusbruderschaft neue Bischöfe weihen, wie aus einer französischsprachigen Mitteilung auf dem Portal La Porte Latine hervorgeht. Das wäre ein Affront gegenüber dem seit dem vergangenen Mai amtierenden Kirchenoberhaupt. Schließlich hat sich der neue Papst zum Ziel gesetzt, die verschiedenen Flügel innerhalb der katholischen Kirche zu befrieden.

Seit rund einem halben Jahrhundert liegt die erzkonservative Gemeinschaft mit dem Vatikan im Clinch. Der Konflikt hat seine Wurzeln in den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965). Diese lehnt die Priesterbruderschaft St. Pius X. ab. Ihr Gründer, der 1988 exkommunizierte und somit aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossene französische Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991), vergrößerte die bereits bestehende Distanz zu Rom, als er 1976 gegen ein päpstliches Verbot Priester weihte.

Weihen provozierten bereits 1988

Die dadurch ausgelöste Auseinandersetzung erreichte 1988 mit der Weihe von vier eigenen Bischöfen und der Exkommunikation der Beteiligten ihren Höhepunkt. Papst Benedikt XVI. (2005–2013) hob diese Exkommunikation zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht. Der Status der Gruppe ist seither ungeklärt – auch wenn beide Seiten seither immer wieder Möglichkeiten einer Annäherung ausloteten.

Unter dem seit 2018 amtierenden Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, wurde der Ton zuletzt nach Einschätzung von Beobachtern rauer. Das wiederum dürfte auch damit zusammenhängen, dass der Druck auf die Gemeinschaft zunimmt. Denn von den vier im Jahr 1988 geweihten Bischöfen leben nur noch zwei. In der katholischen Kirche – und auch bei den Piusbrüdern – spielen die Bischöfe eine zentrale Rolle. Die Bischofsweihe ist die höchste Stufe des Weihesakraments – und nur dann gültig, wenn sie von einem Bischof vorgenommen wird, der seinerseits von einem Bischof geweiht wurde.

Davide Pagliarani
Bild: ©FSSPX (Archivbild)

Davide Pagliarani ist Generaloberer der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X.

Den Piusbrüdern bleiben somit zwei Möglichkeiten, um das Fortbestehen ihrer Gemeinschaft zu sichern: eine vollumfängliche Einigung mit Rom, auf die Gefahr hin, einen Teil ihrer Überzeugungen preisgeben zu müssen. Oder ein Vabanquespiel durch die Weihe neuer Bischöfe – mit dem Risiko, dass sie sich nach dem geltenden Kirchenrecht erneut die Exkommunikation zuziehen. Offenbar hat sich die Gemeinschaft bis auf weiteres für die letztere Variante entschieden, nachdem sie in den vergangenen Monaten laut eigener Darstellung daran scheiterte, mit ihrem Anliegen beim Papst vorzusprechen.

Harsche Kritik am Vatikan

In den vergangenen Tagen habe der Generalobere ein Schreiben des Heiligen Stuhls erhalten, "der unseren Forderungen in keiner Weise entspricht", hieß es. Aus Sorge um das Seelenheil der Anhänger und mit Blick auf eine "objektive Lage der schweren Not" hielten Pagliarini und die Verantwortlichen der Gemeinschaft neue Bischofsweihen für unumgänglich.

Wie viele Bischöfe man weihen will und wo diese Weihen stattfinden, ist noch nicht bekannt. Der Generalobere Pagliarini werde in den kommenden Tagen weitere Angaben dazu machen, teilte ein Mitglied der Gemeinschaft vom Hauptsitz der Piusbrüder im schweizerischen Menzingen auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.

Selbst für den Fall, dass die Bruderschaft nur eine Drohkulisse aufbauen will: Für Leo XIV. stellt sich nun die Frage, wie er auf diese Ankündigung reagieren soll. Bisher hatte er versöhnliche Signale in Richtung traditionalistischer Kreise gesandt. Er wolle das Gespräch mit jenen suchen, die sich für den alten Messritus einsetzen, sagte der Papst in einem im September veröffentlichten Interview. "Es ist zu einem Thema geworden, das so polarisiert ist, dass die Menschen oft nicht bereit sind, einander zuzuhören." Das Verhältnis der Piusbrüder zum Vatikan steuert, wie es scheint, unterdessen auf eine neue Eskalationsstufe zu.

Von Joachim Heinz (KNA)