Standpunkt

Warum AfD-Politiker nicht in Talkshows gehören

Veröffentlicht am 12.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Berlin ‐ Talkshow-Einladungen an AfD-Politiker tragen zur Normalisierung der mindestens in Teilen rechtsextremen Partei bei. Das ist fatal, so Steffen Zimmermann. ARD und ZDF sollten ihre Einladungspraxis endlich überdenken.

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Dass AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla am vergangenen Sonntag erneut in einer Talkshow des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – diesmal bei "Caren Miosga" in der ARD – Platz nehmen durfte, ist mehr als eine redaktionelle Einzelentscheidung. Es ist ein Symptom. Denn jede Talkshow-Einladung an AfD-Politiker trägt dazu bei, eine Partei als normalen Teil des demokratischen Meinungsspektrums zu präsentieren, die in wesentlichen Teilen genau dieses Spektrum verlässt.

Natürlich gilt Meinungsfreiheit auch für Populisten. Doch Talkshows sind keine neutralen Marktplätze, sondern stark inszenierte Bühnen. Wer dort sitzt, erhält Aufmerksamkeit, Deutungsmacht und den Anschein politischer Legitimität. Für eine mindestens in Teilen rechtsextreme Partei, deren führende Vertreter regelmäßig Menschen abwerten, Ängste schüren und Grundrechte relativieren, ist das ein strategischer Gewinn. Und genau hier liegt das Problem.

Aus christlicher Sicht kann es keine Neutralität gegenüber Menschenfeindlichkeit geben. Das christliche Menschenbild stellt die Würde jedes Einzelnen ins Zentrum – unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensweise. Wo diese Würde infrage gestellt wird, kann man nicht so tun, als handele es sich um eine weitere legitime Position im Meinungsspektrum. Wer Hass und Ausgrenzung rhetorisch verpackt, darf nicht allein deshalb eingeladen werden, weil er gewählt wurde oder gute Umfragewerte aufweist.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk trägt eine besondere Verantwortung. Sein Auftrag ist nicht bloß Abbildung politischer Kräfteverhältnisse, sondern Orientierung im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Dazu gehört auch die klare Grenzziehung gegenüber Ideologien, die diese Ordnung aushöhlen. Kritische Berichterstattung über die AfD ist notwendig – mit Talkshow-Sesseln und ritualisierten Schlagabtauschen, die vor allem Aufmerksamkeit für die Partei erzeugen, wird diese Aufgabe in aller Regel nicht erfüllt.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte sich bei der Einladungspolitik für seine Talkshows endlich konsequenter die Frage stellen, wem mediale Präsenz nützt – und wem sie schadet. Denn nicht alles, was Aufmerksamkeit und Quote bringt, dient dem Gemeinwohl und der Demokratie.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.