Kein Rückschritt hinter Beteiligung von Laien

Hoff: Synodale Kirchenkultur muss Format von Konzilien verändern

Veröffentlicht am 19.02.2026 um 09:53 Uhr – Lesedauer: 

Salzburg ‐ Braucht es ein Drittes Vatikanum? Wenn ein neues Konzil kommt, dann muss es jedenfalls anders sein als die bisherigen Bischofsversammlungen, sagt der Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff.

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Ein mögliches neues Konzil kann nach Ansicht des Theologen Gregor Maria Hoff nicht hinter die Beteiligungskultur des von Papst Franziskus initiierten synodalen Prozesses zurückgehen. Eine synodale Kirchenkultur müsse auch das Format von Konzilien verändern, schreibt der Salzburger Professor für Fundamentaltheologie am Donnerstag in einem Beitrag für die "Herder-Korrespondenz". "Gefragt ist im 21. Jahrhundert gerade angesichts der Herausforderungen, die gesellschaftlich und politisch, technologisch wie religionskulturell weit über das Ensemble des Zweiten Vatikanischen Konzils hinausführen, eine repräsentativere Form der Konzilsbeteiligung des ganzen Volkes Gottes", so Hoff weiter.

Im Raum stehe eine grundsätzliche Verfassungsfrage für die Kirche: "Das ekklesiologische Problem einer wirksamen Gewaltenteilung von Papst, Bischöfen und dem ganzen Volk Gottes hat auch das Zweite Vatikanische Konzil nicht gelöst." Die Frage, ob es überhaupt ein "Drittes Vatikanisches Konzil" brauche, lasse sich nicht ohne die Antwort auf eine vorgelagerte Frage klären: "Wieviel gemeinsame Beratungs- und Entscheidungskultur braucht die katholische Kirche?" Sollte ein neues Konzil anstehen, müsse es heute anders als noch in den 1960er Jahren beim bisher letzten Konzil organisiert werden: "Derzeit gibt es weltweit etwa 5500 Bischöfe. Ein Konzil verlangt heute eine andere Arena als den Petersdom." Möglicherweise könne ein synodales Kirchenmodell daher dazu führen, dass es Konzilien in ihrer hergebrachten Form gar nicht mehr braucht.

Umgang mit Missbrauch als zentrale inhaltliche Frage

Inhaltlich sieht Hoff vor allem den Umgang der Kirche mit Missbrauch als Thema, das einer weltkirchlichen Klärung bedarf: "Was bedeutet der sexuelle, geistliche und pastorale (Macht-)Missbrauch im Raum der katholischen Kirche für ebendiese?" Da der Missbrauchskomplex der katholischen Kirche ein globales Phänomen darstelle und er die Glaubwürdigkeit der verantwortlichen Akteure und der Kirche selbst beschädige, stehe sie vor einer Reformnotwendigkeit ersten Ranges. Die Frage, ob es systemische Gründe für Missbrauch gebe, sei eine "kirchliche Streitfrage mit ekklesiologischer Tiefenwirkung".

Dies gelte insbesondere, weil damit hochgradig kontroverse Sachfragen verbunden seien. "Entlang der Frage nach der Frauenordination und den Auseinandersetzungen um Segnungen von homosexuellen Partnerschaften zeigt sich, welch tiefe Risse durch die katholischen Glaubenswelten gehen", betonte Hoff. Dadurch stehe die Einheit nicht nur durch formelle Schismen in Gefahr: "Vielmehr droht sie sich durch Kirchenaustritte auf der einen Seite und durch scharfe kircheninterne Gegensätze auf der anderen Seite aufzulösen." (fxn)