Hochgebet im Gottesdienst: Wer ist eigentlich "Helmut"?

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"Mama, wer ist eigentlich Helmut?" Ich dachte zuerst an einen neuen Trend, den meine Tochter mit dieser Frage mit nach Hause bringt. Früher rief man auf Festivals "Helga!". Zu Karneval suchte eine Band eine "Gisela". Vielleicht hatte ich wieder etwas verpasst. "Welchen Helmut meinst du? "Na den aus der Kirche! Den, den der Pfarrer immer nennt." Ich stand komplett auf dem Schlauch. In meinem Kopf gingen die üblichen Verdächtigen durch: Apostel? Propheten? Ein besonders treuer Messdiener? Nichts passte. Kein Helmut dabei.
"Wann sagt er das denn?" "Wenn alle still sind", antwortete sie. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: das Hochgebet. Dieser Moment, wenn es in der Kirche plötzlich ganz ruhig wird. Wenn der Priester betet – und nicht nur der Papst genannt wird, sondern auch der Ortsbischof. In unserem Fall: Aachens Bischof Helmut Dieser.
Mehr, als nur Danke sagen
Im Hochgebet passiert mehr, als nur Danke zu sagen und sich zu erinnern. Da wird deutlich: Wir sitzen hier nicht als kleine fromme Runde für uns allein. Der Pfarrer nennt unter anderem zwei Namen – den Papst und unseren Bischof. Das klingt zunächst wie eine höfliche Erwähnung. Fast wie ein liturgischer Gruß in Abwesenheit. Aber Liturgie ist kein Smalltalk. Namen stehen hier nicht für Höflichkeit, sondern für Verbindung.
Der Aachener Bischof Helmut Dieser.
Wenn der Bischof genannt wird, heißt das: Wir sitzen hier nicht als religiöse Insel. Unsere kleine Gemeinde ist Teil eines größeren Ganzen. Was hier gefeiert wird, ist dieselbe Eucharistie, die überall auf der Welt gefeiert wird. Meine Tochter kennt Freundebücher. Da trägt man seinen Namen ein, schreibt Hobbys dazu, vielleicht noch die Lieblingsfarbe – und plötzlich gehört man dazu. Man steht drin und bleibt für immer.
Im Hochgebet passiert etwas Ähnliches. Auch dort werden Namen genannt. Nicht, damit wir sie nicht vergessen. Sondern damit hörbar wird: Wir gehören zusammen. Mein Glaube steht nicht allein im Regal. Er steht im selben Buch wie viele andere. Dieses Buch heißt Kirche.
"Kennt der Papst unseren Helmut"?
Meine Tochter denkt kurz nach. "Also kennt der Papst unseren Helmut?" "Ja", sage ich. "Und er hat ihn sogar ausgesucht." Sie runzelt die Stirn. "Warum kommt er dann nie zu uns? Die anderen müssen doch auch arbeiten." Mit ”den anderen” meint sie die Erwachsenen aus unserer Gemeinde. Wenn die trotz Arbeit in die Kirche kommen, dann – so ihre Logik – müsste ein Bischof das doch erst recht schaffen. Ihr Gerechtigkeitssinn spricht.
"Ein Bischof hat viele Gemeinden. Sehr viele. Er kann nicht überall sein", erkläre ich. Und seine Aufgabe ist auch nicht, jede Kirchenbank persönlich abzustauben, füge ich in Gedanken hinzu. Als wir das nächste Mal im Gottesdienst sitzen, stupst mich meine Tochter an, als der Name fällt. "Helmut. Da!", flüstert sie zufrieden. Ich lächle.