Theologische Deutung keine Messlatte

Moraltheologe: Katholisches Ehe-Verständnis darf nicht überfordern

Veröffentlicht am 04.03.2026 um 11:35 Uhr – Lesedauer: 

Eichstätt ‐ In der katholischen Kirche werden Ehen auf Lebenszeit geschlossen. Ein Anspruch, der nicht in Überforderung kippen dürfe, warnt Moraltheologe Daniel Bogner. Manchmal sei eine Trennung der richtige Weg.

  • Teilen:

Der Fribourger Moraltheologe Daniel Bogner hat vor einer Überforderung durch das katholische Ehe-Verständnis gewarnt. Die Ehe sei für die Kirche "eine Zeichenhandlung, ein öffentlich vollzogenes Deutungsangebot: In der Lebensform zweier Menschen soll etwas von Gottes Treue, sein Bund mit Mensch und Schöpfung anschaulich werden", sagte Bogner in einem Interview mit der Pressestelle des Bistums Eichstätt (Dienstag). "Aber eine solche theologische Deutung darf nicht zur Messlatte werden, an der reale Lebensgeschichten permanent scheitern müssen – weil Menschen niemals in der Vollkommenheit lieben und einen Bund eingehen können, wie wir dies Gott zuschreiben."

Das kirchliche Idealbild einer lebenslangen Liebe sei daher weniger eine Leistungsanforderung als eine Vertrauenszusage. "Entscheidend ist, dass dieser Anspruch nicht in eine Überforderung kippt", so Bogner. "Der Anspruch darf inspirieren, aber er darf nicht erdrücken." Es könne durchaus Situationen geben, in der eine Trennung der richtige Weg sei. "Dass dies dann in der klassischen Ehetheologie direkt als ein Affront gegen die Bundeszusage Gottes gedeutet werden muss, ist wohl die momentan härteste theologische 'Knacknuss', wie man es Schweizerdeutsch ausdrücken würde."

Angesprochen auf die päpstliche Enzyklika "Amoris Laetitia" und die Segenserklärung "Fiducia supplicans" sagte Bogner, er erkenne hier einen wichtigen Einschnitt und eine Akzentverschiebung. "Kirchliche Entwicklungen verlaufen selten revolutionär. Sie gehen eher in behutsamen Verschiebungen von Akzenten, in neuen Sprachformen, in pastoralen Öffnungen." Ob daraus einmal substanzielle lehramtliche Entwicklungen erwüchsen, lasse sich nur schwer prognostizieren, sagte der Moraltheologe. "Aber jede Bewegung weg von einer 'Daumen-hoch-Daumen-runter'-Logik hin zu einer Ethik der Begleitung, der Gewissensachtung und der Barmherzigkeit ist ein realer Schritt – und insofern durchaus ein Grund zur Hoffnung." (cbr)