"Die Frage ist, ob es wirklich berechtigt ist..."

Soziologe wünscht sich offenere Position der Kirche zur AfD

Veröffentlicht am 20.03.2026 um 12:40 Uhr – Lesedauer: 

Berlin ‐ Wie sollte die katholische Kirche mit der AfD und ihren Wählerinnen und Wählern umgehen? Der Soziologe Hans Joas rät dazu, nicht alle und alles über einen Kamm zu scheren.

  • Teilen:

Die katholische Kirche sollte nach Ansicht des Soziologen Hans Joas ihre Haltung zur AfD überdenken. Er stimme der Position, dass völkischer Nationalismus nicht mit dem Christentum vereinbar sei, hundertprozentig zu, sagte Joas am Donnerstag bei einer Veranstaltung zur Politischen Gestaltungskraft der Religion in der Konrad-Adenauer-Stiftung. Mitveranstalter war das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

"Aber die Frage ist, ob es wirklich berechtigt ist, die ganze AfD zu völkischen Nationalisten zu erklären", führte Joas weiter aus. Dies könne zudem bei einzelnen Wählern das Gefühl verstärken, politisch ausgeschlossen zu sein. Auch die jüngste Warnung der katholischen Kirche vor der AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg habe offenbar kaum einen Effekt gehabt, gab Joas zu bedenken.

Erklärung von 2024

Der Soziologe bezog sich auf eine im Februar 2024 veröffentlichte Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) mit dem Titel "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar". Darin hatten die Bischöfe ausdrücklich die AfD genannt und somit erstmals eine im Bundestag vertretene Partei als nicht wählbar für Christen bezeichnet.

ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp verteidigte die Erklärung und auch die Warnung zur Landtagswahl, gerade in Zeiten, in denen die AfD deutliche Zuwächse verzeichne. "Ich halte es für ein starkes Zeichen der Bischöfe." (KNA)