Nach Paderborner Missbrauchsstudie

Stadt Werl denkt über Konsequenzen für Kardinal-Jaeger-Gedenken nach

Veröffentlicht am 23.03.2026 um 11:49 Uhr – Lesedauer: 

Werl ‐ Nach der Paderborner Missbrauchsstudie überlegt die Wallfahrtsstadt Werl, wie sie mit den Ehrungen für Kardinal Lorenz Jaeger umgehen soll. Jaeger war einst Ehrenbürger, außerdem ist eine Straße nach ihm benannt.

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Die Wallfahrtsstadt Werl denkt nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie für das Erzbistum Paderborn über Konsequenzen für das lokale Gedenken an Kardinal Lorenz Jaeger nach. Voraussichtlich im Mai werde der Rat der Stadt über den weiteren Umgang mit Jaeger befinden, berichtete der "Soester Anzeiger" am Wochenende unter Berufung auf einen Sprecher der Stadt. Aktuell prüfe die Stadtverwaltung das weitere Vorgehen, danach werde man das Gespräch mit der Politik suchen, so der Sprecher.

"Jaeger hat sicher mehr falsch als richtig gemacht"

Die in der vorvergangenen Woche vorgestellte Studie der Universität Paderborn hatte den Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn in der Amtszeit der beiden verstorbenen Kardinäle Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt zwischen 1941 und 2002 untersucht. Die Autorinnen fanden Hinweise auf 210 beschuldigte Kleriker und 489 Betroffene und sprechen von systematischer Vertuschung und mangelnder Aufarbeitung. Betroffene hätten in einem Klima aus Schweigen, Leugnung und Feindseligkeit gelebt. Zwar gibt es in der Untersuchung keine Hinweise auf eine direkte Täterschaft Jaegers, er wird aber als Teil einer "Vertuschungsspirale" beschrieben.

Werl hatte Jaeger in der Vergangenheit doppelt geehrt: 1962 mit der Ehrenbürgerwürde für seine Verdienste um die Wallfahrt in der Stadt, später dann mit einer kleinen Straße unweit des Rathauses, die seinen Namen trägt. Ob diese Ehrungen im Lichte der Missbrauchsstudie aufrechterhalten werden sollten, sei fraglich, so die Zeitung. Der Stadtsprecher wollte laut dem Bericht einer politischen Entscheidung nicht vorgreifen. Klar sei aber: "Jaeger hat in der Sache sicher mehr falsch als richtig gemacht."

Ehrenbürgerwürde bereits bei Jaegers Tod erloschen

Aktuell beschäftigt sich den Angaben zufolge der Werler Stadtarchivar mit der Studie. Dann werde man sehen, was daraus erwachse, sagte der Sprecher. Für eine Aberkennung der Ehrenbürgerwürde brauche es grundsätzlich einen Ratsbeschluss mit einer Zweidrittelmehrheit. Allerdings sei die Ehrenbürgerwürde bei Jaeger bereits mit seinem Tod 1975 erloschen. Eine förmliche Aberkennung sei deshalb nicht mehr möglich. Gleichwohl könne sich der Rat per Beschluss von der damaligen Ernennung distanzieren. Denn auch wenn Jaeger seit seinem Tod offiziell kein Ehrenbürger mehr sei, werde er weiterhin als Träger dieser Auszeichnung wahrgenommen und auch auf dem Straßenschild als solcher geführt.

In einem zweiten Schritt will sich die Stadt dem Bericht zufolge mit der Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße auseinandersetzen. Auch dies sei letztlich eine Entscheidung der Politik, so der Stadtsprecher. Sollte der Straßenname geändert werden, habe dies allerdings direkte Auswirkungen auf die Anlieger, die etwa ihre Ausweisdokumente ändern lassen müssten. Die Rahmenbedingungen einer möglichen Namensänderung seien deshalb ebenfalls noch Gegenstand der Prüfung. Auch in Paderborn wird nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie über Konsequenzen für das Gedenken an die dort ebenfalls mit Straßennamen geehrten Kardinäle Jaeger und Degenhardt nachgedacht. (stz)