Katholizismus ist Staatsreligion im Steuerparadies

Erstmals seit fast 500 Jahren reist ein Papst ins Fürstentum Monaco

Veröffentlicht am 28.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Sabine Kleyboldt (KNA) – Lesedauer: 

Rom/Monaco ‐ Am Samstag erwartet das Yellow-Press-Paradies Monaco einen Gast ganz in Weiß: Als erster Papst der Neuzeit besucht Leo XIV. das Fürstentum, in dem der Katholizismus Staatsreligion ist. Aber reicht das als Reise-Grund?

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Welches Kleid wird Fürstin Charlène tragen? Und wie steht es überhaupt um die Ehe zwischen der ehemaligen Olympia-Schwimmerin und Fürst Albert II.? Bedeutende Fragen rund um das Fürstentum Monaco, die den bunten Blättern traditionell Auflage bescheren. Am Samstag wird nun ein Gast ganz in Weiß erwartet: Leo XIV. besucht den zweitkleinsten Staat der Welt, als erster Papst seit fast 500 Jahren. Und das wohl nicht nur, weil in Monaco der Katholizismus Staatsreligion ist.

Dass Leo die zweite Reise seiner am 8. Mai 2025 begonnenen Amtszeit an die französische Riviera unternimmt, überraschte selbst Fürst Albert II., wie er im Interview des "Corriere della Sera" gestand. "Ich hätte nie gedacht, dass er sofort die Einladung annehmen würde, die ich ihm im Januar bei einem Besuch im Vatikan gemacht habe. Ein unerwarteter Segen!", so der seit 2005 amtierende Regent.

Neun Stunden eng getaktetes Programm

So wird Leo XIV. am Tag vor Palmsonntag nach zweistündigem Helikopterflug um 9 Uhr in Monaco erwartet. Nach einem Grußwort im Fürstenpalast stehen Treffen mit der katholischen Gemeinschaft sowie mit Jugendlichen auf dem Programm, jeweils mit Predigt oder Rede des Papstes. Um 15.30 Uhr hält er eine Messe samt Predigt im Fußballstadion des AS Monaco. Nach der offiziellen Verabschiedung soll der Hubschrauber des Papstes gegen 19.45 Uhr wieder im Vatikan landen.

Den letzten Papstbesuch erhielt Monaco 1538 durch Paul III., der auf dem Rückweg von den spanisch-französischen Friedensverhandlungen in Nizza Station im Fürstentum machte. Der Grund, warum Päpste Monaco lange links liegen ließen, dürfte auch in seiner geringen Einwohnerzahl von nur rund 38.000 Menschen auf gerade einmal zwei Quadratkilometern liegen. Hinzu kommt sein heute zweifelhafter Ruf als Glücksspielparadies, Steueroase und Spielplatz für Reiche. Geschätzt jeder dritte Monegasse ist Millionär.

Versteckte Armut im Fürstentum Monaco

Doch der Erzbischof von Monaco, Dominique-Marie David, mühte sich zuletzt, das Image des Fürstentums zurechtzurücken: Es gebe hier viel versteckte Armut, nicht nur materieller Art, sondern auch in Form von Einsamkeit, Sinnkrisen und Überforderung, sagte er Vatikan-Medien. Zugleich sei die Vielfalt der Gesellschaft ein großer Schatz: In Monaco lebten und arbeiteten Menschen aus rund 150 Staaten, betonte der seit 2020 amtierende Oberhirte von etwa 29.000 Katholiken. Damit werde Leo XIV. bei seinem Besuch praktisch die ganze Welt erreichen können.

Fürst Albert hofft darauf, dass der Papst in seiner Rede vom Balkon des Palastes eine Botschaft für Frieden und Wahrung der Schöpfung aussenden werde; ein Herzensanliegen des "Grünen Prinzen", der sich mit einer eigenen Stiftung dem Thema Umwelt- und Klimaschutz widmet – einer der Berührungspunkte zwischen dem 68-jährigen Fürsten und dem 70-jährigen Papst.

Papst Leo XIV. und Albert II. von Monaco
Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

"Ich hätte nie gedacht, dass er sofort die Einladung annehmen würde", so der seit 2005 amtierende Regent.

Zudem haben US-amerikanische Mütter: Der in Chicago als Robert Francis Prevost geborene Papst habe die Filme der US-Schauspielerin Grace Kelly (1929-1982) und späteren Fürstin Gracia Patricia von Monaco gekannt, sagte Albert im Interview über seine Privataudienz im Januar. Mehr noch: Verwandte des Fürsten hätten die Villanova Universität in Pennsylvania besucht, an der der heutige Papst in den 1970ern seine Abschlüsse in Mathematik und Philosophie machte. Cousins reisten nun eigens aus den USA an, um Leo wiederzusehen, berichtete der Fürst.

Veto gegen Abtreibungsgesetz

Wie alle der seit dem 13. Jahrhundert regierenden Grimaldis herrscht Albert laut dem Familienmotto "Deo Juvante" – "mit Gottes Hilfe". Das am längsten bestehende katholische Herrscherhaus Europas pflegt seither Beziehungen mit dem Papsttum. Zugleich legt der Fürst Wert darauf, dass der Glaube nicht nur ein Lippenbekenntnis von Staats wegen sei.

Seine Entscheidung, ein Gesetz zur Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen bis zur zwölften Woche zu blockieren, dürfte das Wohlwollen des Papstes geweckt haben. "Es war mir wichtig, den Wert des Lebens zu respektieren", kommentierte Albert im Interview sein Veto vom November 2025. Doch sei ihm bewusst, wie sensibel das Thema sei.

Ein deutlich leichteres Gesprächsthema hätten die beiden in ihrer gemeinsamen Leidenschaft für Sport: Leo XIV. spielt gerne an seinem freien Tag in Castel Gandolfo Tennis, liebt Fußball und Baseball. Albert II. ist ebenfalls Tennisfan und hat fünfmal am Bobwettbewerb der Olympischen Winterspiele teilgenommen. Ob sie in Leos neun Stunden in Monaco zum sportlichen Fachsimpeln kommen werden, bleibt jedoch fraglich.

Von Sabine Kleyboldt (KNA)