Papst Leo erlaubt Feier der Messe mit dem Rücken zum Priester
Papst Leo XIV. will mit einem Kompromiss den langjährigen Streit um die vorkonziliare Liturgie vorläufig beenden. Mit dem Motu proprio "Retrograde semper" erlaubt er künftig allen Gläubigen, bei der Feier der Messe dem Priester den Rücken zuzuwenden – unabhängig vom verwendeten Messbuch. Die neuen Regeln gelten ab dem 1. April bis zu einer umfassenden Neuregelung des Messbuchs. Sie sollen dafür sorgen, dass die Zelebrationsrichtung nicht zu weiterer Spaltung führt und stattdessen die einzelnen Gläubigen in geistlicher Autonomie die Messe in einer ihnen gemäßen Form feiern können.
Der Kompromiss sei gewählt worden, weil der Streit um die Liturgie vielfach auf die Zelebrationsrichtung des Priesters reduziert werde, heißt es in dem Schreiben weiter. Die Messe wird nach dem Messbuch von 1962 "ad orientem", also in gemeinsamer Gebetsrichtung mit dem Volk, zelebriert, während sie nach der Form der Liturgiereform in der Regel, aber nicht zwangsläufig, "versus populum", also dem Volk zugewandt, gefeiert wird. Zeitweise war statt der nun gefundenen Lösung auch eine Version im Gespräch, bei der der Priester sich regelmäßig um sich selbst dreht ("sicut sol"). Aufgrund schlechter Erfahrungen mit wechselnden Zelebrationsrichtungen bei der Reform der syro-malabarischen Liturgie wurde diese Variante aber verworfen.
Mehrere Varianten für endgültige Lösung im Gespräch
Das Motu proprio bezeichnet die nun zugelassene Form ausdrücklich als Übergangsregelung, bis ein endgültiger Umgang mit dem Messbuch von 1962 gefunden wird. Vatikanbeobachtern zufolge werden derzeit mehrere Optionen geprüft, von denen zwei in der engeren Auswahl seien. Zum einen steht der Vorschlag des Abts der französischen Benediktinerabtei Solesmes, Geoffroy Kemlin, hoch im Kurs, beide Formen in einem Messbuch aufzuführen. Zum anderen soll die Möglichkeit einer Synchronkonzelebration unter den aussichtsreichen Vorschlägen sein. Dabei feiern zwei Priester parallel die neuere und die ältere Form. Unterschiede in Geschwindigkeit und Ausführlichkeit sollen gemäß einem Vorschlag des ehemaligen Liturgiepräfekten Kardinal Robert Sarah durch zusätzlich Elemente der Stille ausgeglichen werden.
In der vergangenen Woche hatte der Papst bereits gegenüber der Französischen Bischofskonferenz mitgeteilt, dass ihm der liturgische Frieden ein großes Anliegen ist. "Dieses Thema verfolgt der Heilige Vater mit besonderer Aufmerksamkeit angesichts des Wachstums der Gemeinschaften, die der alten Liturgie verbunden sind", heißt es in einem Brief von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an die Französische Bischofskonferenz. Es sei "besorgniserregend, dass sich wegen der Feier der Messe, die doch das Sakrament der Einheit ist, eine schmerzhafte Wunde in der Kirche immer weiter auftut". (fxn)
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