In den USA wollen sich Tausende zu Ostern taufen lassen

Eine neue Lust auf Kirche – Erzbistum Washington vor Taufrekord

Veröffentlicht am 31.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Bernd Tenhage (KNA) – Lesedauer: 

Washington ‐ Ist es der Papst aus Chicago? Ist es der Wunsch nach Gemeinschaft oder der Heilige Geist? Die katholische Kirche in den USA verzeichnet einen so großen Zulauf wie lange nicht mehr – über die Gründe wird spekuliert.

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Kardinal Robert McElroy erlebt ein Osterwunder in seiner Hauptstadt-Diözese. Zu Ostern will das Erzbistum Washington 1.755 Neu-Katholiken aufnehmen – die höchste Zahl in den vergangenen 15 Jahren. Über die Gründe kann auch der Reformer in der US-Kirche nur spekulieren. "Natürlich glauben wir, dass es der Heilige Geist ist", sagte der Kardinal der "New York Times". "Aber wir stehen doch vor einem Rätsel."

Das tun auch seine Amtsbrüder, die überall in den USA einen Zustrom an Menschen registrieren, die zum Katholizismus übertreten. Ein paar Beispiele: Das Erzbistum Detroit nimmt an diesem Osterfest 1.428 Neu-Katholiken auf – so viele wie seit 21 Jahren nicht. Das Erzbistum Galveston-Houston verzeichnet den höchsten Wert seit 15 Jahren. Im Bistum Des Moines springt die Zahl um 51 Prozent nach oben, von 265 im Vorjahr auf 400.

Jede Diözese erfasst solche Daten auf eigene Weise. Das macht eine verlässliche Gesamterhebung in Echtzeit schwierig. Die aus zwei Dutzend Diözesen erhobenen Zahlen deuten alle auf einen deutlichen Anstieg hin – darunter einige der größten des Landes wie Los Angeles und Phoenix, aber auch ländliche und kleinere wie Gallup in New Mexico und Allentown in Pennsylvania.

"Was ist eure Zahl?"

"Was ist eure Zahl?", so schildert Kardinal McElroy die Verwunderung unter den Bischöfen, die nach Jahren der Dominanz von Traditionalisten zuletzt mehr auf den Reformkurs Roms eingeschwenkt sind. Ein Trend, der sich verstärkte, seit vor einem Jahr mit Papst Leo XIV. erstmals ein US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri Platz nahm.

Die befragten Bistümer nennen mögliche Ursachen für den Zulauf. Darunter sind eine Sehnsucht nach Gemeinschaft, soziale und politische Instabilität, eine verstärkte Ansprache junger Menschen sowie technologischer Wandel.

Erzbischof Mitchell Thomas Rozanski aus Saint Louis sieht in der allgemeinen Verunsicherung einen "Hunger nach Gott und nach Stabilität, die der Glaube in das Leben der Menschen bringt". Zwei gesellschaftliche Umbrüche hätten das Gemeinschaftsgefühl der Menschen in den vergangenen Jahren erschüttert: die Technologie und die Corona-Pandemie. Die Folgen seien Angst und Depressionen. Die einsamste Gruppe unter den Konvertiten sei die der 18- bis 35-Jährigen, so der Erzbischof.

Bild: ©stock.adobe.com/Igor

Etwa ein Fünftel der US-Amerikaner sind katholisch.

Mehrere Bistümer bestätigen ein besonderes Wachstum in dieser Altersgruppe. Während der Corona-Pandemie waren die Zahlen zunächst eingebrochen. Doch der aktuelle Anstieg geht weit über ein bloßes Aufholen hinaus. In Philadelphia hat sich die Zahl der Neuaufnahmen im Vergleich zu 2017 verdoppelt. In Newark wollen an Ostern 1.701 Menschen der Kirche beitreten; 2010 waren es etwa 1.000.

Konvertiten machen lediglich acht Prozent der Mitglieder der katholischen Kirche in den USA aus. Bekanntes Beispiel ist Vizepräsident JD Vance. Der Weg in die katholische Kirche führt für Erwachsene in der Regel über einen Kurs. Gelegentlich gibt es auch einen privateren, individuell zugeschnittenen Weg. Der genaue Ablauf und die Rituale unterscheiden sich leicht. Es kommt darauf an, welche Verbindung jemand zur Kirche hat, ob er oder sie bereits getauft ist oder aus einer anderen christlichen Kirche kommt.

In der Osternacht empfangen die Neuankömmlinge die Sakramente der Taufe, der Firmung und Eucharistie. Damit werden sie offiziell in die Kirche aufgenommen. Was auch immer den Zustrom ausgelöst haben mag: Die österliche Freude dürfte in diesem Jahr vielerorts durch die Aufnahme der Neu-Katholiken verstärkt werden.

Von Bernd Tenhage (KNA)