Standpunkt

Die wissenschaftliche Theologie braucht eine Zukunftsvision

Veröffentlicht am 02.04.2026 um 00:01 Uhr – Von Thomas Arnold – Lesedauer: 

Dresden ‐ Theologie studieren? Das wollen hierzulande immer weniger junge Menschen. Umso mehr geraten die Fakultäten unter Druck. Thomas Arnold plädiert dafür, dass sich alle Akteure gemeinsam auf den Weg machen.

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Das Triduum der Ostertage ist nah und die meisten wissen, welche Bedeutung Tod und Auferstehung für Christinnen und Christen hat. Ehrenamt wird großgeschrieben – auch in der künftigen Glaubensvermittlung.

Doch wer qualifiziert in Zukunft die Ehrenamtlichen? Wo sind die Orte, wo künftig die hauptamtlichen Verkünder des Evangeliums, also Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten ihre Qualifikationen erhalten? Alle Prognosen deuten ebenso wie die sich leerenden Fakultäten und Katholischen Institute darauf hin, dass existentielle Umbrüche nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Pünktlich vorm Osterfest haben jetzt die drei Intellektuellen Hans Michael Heinig, Christoph Markschies und Stephan Schaede in einem Gastbeitrag in der FAZ darauf aufmerksam gemacht, wie sehr die wissenschaftliche Theologie angesichts des radikalen Verlusts von Studierenden in Deutschland unter Druck gerät. Fazit: "Kurzfristig hat kein beteiligter Akteur ein starkes Eigeninteresse an Veränderung." Gemeint sind damit sowohl die Fakultäten, Institute und Fakultätentage wie auch die Landeskirchen und Diözesen. Auf katholischer Seite sah man bei der Initiative zur Bündelung der Priesterausbildung, wie mühsam es ist, einen tragfähigen Kompromiss zwischen den Bischöfen umzusetzen.

Umso spannender ist der Lösungsansatz der Autoren: Es brauche eine starke dritte, unabhängige Instanz aus Wissenschaftsrat, begleitende Tagungen und die Unterstützung einer großen Wissenschaftsstiftung, "die mit den Vertretenden der Disziplinen gemeinsam das Feld evaluiert, sinnvolle Zielstellungen identifiziert und über genug fachlichen und wissenschaftspolitischen Sachverstand verfügt, um glaubwürdig zu vermitteln und anzuregen". Es wäre der wissenschaftlichen Theologie zutiefst zu wünschen, wenn sie sich gemeinsam mit den Diözesen und den Staatsregierungen gemeinsam auf den Weg begibt. Auf einen, der am Ende für alle verbindliche Ergebnisse produziert und in der Umsetzung noch so frühzeitig kommt, sodass nicht die Not treibt, sondern der klügste Ansatz für eine in die Zukunft gerichtete wissenschaftliche Theologie. Denn am Ende sollte nicht sola structura stehen, sondern sola fide.

Von Thomas Arnold

Der Autor

Dr. Thomas Arnold baut im Leitungsstab des Sächsischen Staatsministeriums des Innern den Bereich strategische Planung, Organisationsentwicklung und Controlling auf. Zuvor leitete er von 2016 bis 2024 die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.