500 Jahre alte Tradition

Mehr als 1.000 Osterreiter in der Lausitz

Veröffentlicht am 06.04.2026 um 09:15 Uhr – Lesedauer: 

Bautzen ‐ Hoch zu Ross die Auferstehung Jesu verkünden: Das ist seit 500 Jahren eine Tradition in der katholisch geprägten Lausitz. Oft müssen dafür von weit her Rösser ausgeliehen werden.

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Mehr als 1.000 Osterreiter haben am Sonntag in der katholisch geprägten Oberlausitz die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi verkündet. Insgesamt gab es neun Prozessionen, bei denen mit schwarzem Gehrock und Zylinder gekleidete Reiter auf festlich geschmückten Pferden singend und betend in die jeweiligen Nachbarorte ritten.

Die Routen erstreckten sich im Dreieck zwischen Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda. Mehr als 400 Kreuzreiter waren zwischen Wittichenau und Ralbitz unterwegs – es handelt sich dabei um den größten Zug, der seit 1541 ohne Unterbrechung stattfindet. Weil der Pferdebestand in der Lausitz begrenzt ist, leihen sich viele Prozessionsteilnehmer für diesen Tag ihre Rösser oft von weit her aus.

Kreuze, Fahnen und Statuen

Hoch zu Ross singen die Männer Kirchenlieder. Unter dem Läuten der Kirchenglocken und mit Gesang führt die Prozession von der Heimatkirche aus um die Felder bis ins nächste Dorf. Außerhalb der Ortschaften betet die Reiterschar den Rosenkranz und andere Gebete. In ihrer Prozession führen sie das Kreuz, Kirchenfahnen und die Statue des Auferstandenen mit.

Parallel dazu startete am Ostersonntag das Ostersaatreiten in Ostritz. Von der Kirche Mariä Himmelfahrt aus zogen die Reiter in Frack und Zylinder über die Felder zur Zisterzienserinnen-Abtei St. Marienthal, wo sie den Ostersegen überbrachten. Der Ritt fand in diesem Jahr zum 397. Mal statt, wie das Bistum Dresden-Meißen berichtete.

Nur Männer dürfen teilnehmen

Das Osterreiten ist ein fester Bestandteil der mehr als 500 Jahre alten katholisch-sorbischen Tradition. Die Teilnahme ist bis heute Männern vorbehalten. Ende des 15. Jahrhunderts fanden zwischen Hoyerswerda und Wittichenau erstmals katholische Oster- oder Kreuzreiter-Prozessionen statt.

Die Wurzeln dieses Brauchs reichen laut Bistum aber aller Wahrscheinlichkeit nach bis in vorchristliche Zeiten zurück. "Durch Feldumritte glaubte man, die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Unter dem Einfluss des Christentums wandelten sich die Ritte dann wohl in christliche Prozessionen, die heute ein öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben darstellen", so die Diözese. (KNA)