Kritik an scheidendem Papstbotschafter Eterović

Kirchenrechtler Schüller über Nuntien: Kein Platz für Denunziation

Veröffentlicht am 10.04.2026 um 11:47 Uhr – Lesedauer: 

Münster ‐ Nach über zwölf Jahren bekommt Deutschland bald einen neuen Apostolischen Nuntius. Kirchenrechtler Thomas Schüller erinnert aus diesem Anlass an die Aufgabe der Papstbotschafter.

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Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller hat zur Ernennung des neuen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Hubertus van Megen, an die wichtige Aufgabe von Nuntien erinnert. "Sie sind federführend bei der Suche nach neuen Bischöfen für ein Land gefordert und sollten sich um das Wohl der Gläubigen mühen. Für interessengeleitete Denunziation und Desinformation ist da kein Platz", schreibt Schüller in einem Kommentar für das Internetportal "kirche-und-leben.de" (Freitag). "Glaubensstarke, kultursensible, sprachbegabte, wohlmeinende und inkulturationsfähige Brückenbauer braucht das Land."

Am Donnerstag hatte Papst Leo XIV. den altersbedingten Rücktritt des bisherigen Nuntius, Erzbischof Nikola Eterović, angenommen und den Niederländer van Megen als neuen Nuntius ernannt. Dieser hatte in den vergangenen Jahren als Papstbotschafter in Afrika gewirkt.

Schüller hob hervor, dass van Megen – anders als sein kroatischer Vorgänger – die deutsche Sprache beherrsche. Dies sei "eine unabdingbare Voraussetzung, um die Mentalität, die Seele eines Landes zu verstehen". Zudem sei es die Aufgabe von Nuntien, in komplexen Situationen den Überblick zu bewahren und zu vermitteln. "Theologisch unterkomplexe Brandreden an die bischöflichen Mitbrüder zu Beginn einer Vollversammlung pervertieren das Amt des Nuntius und beschädigen es daher", schreibt Schüller. "Diplomatie ist eine diskrete Kunst, kein Spielplatz für eigene kirchenpolitisch-narzisstische Agenden." (cbr)