Zum Tod des Magdeburger Altbischofs

Leo Nowak – Die Nachricht von der Liebe Gottes zu den Menschen bringen

Veröffentlicht am 12.04.2026 um 15:37 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Magdeburg ‐ Er war der erste Bischof des Bistums Magdeburg und ein prägender Kopf der Kirche in Ostdeutschland. Jetzt ist Leo Nowak im Alter von 97 Jahren gestorben. Ein Blick zurück auf ein langes, ereignisreiches Leben.

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In einem Alter, in dem andere in Rente gehen, begann für Leo Nowak noch einmal ein neuer beruflicher Lebensabschnitt. Mit 65 Jahren wurde er am 8. Juli 1994 der erste Bischof des neu errichteten Bistums Magdeburg. In diesem Amt prägte er zehn Jahre lang – bis zu seinem altersbedingten Rücktritt im Jahr 2004 – maßgeblich die Entwicklung der Diaspora-Diözese und der katholischen Kirche in Mitteldeutschland. An diesem Sonntag nun ist Nowak im Alter von 97 Jahren nach einer Operation in Magdeburg gestorben.

Geboren wurde Nowak am 17. März 1929 in Magdeburg. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und einem zweijährigen Studium an einer Fachschule für Industrie und Handel entschied er sich 1950 für einen geistlichen Werdegang. In den folgenden Jahren studierte er in Paderborn und Erfurt Theologie und empfing am 10. Mai 1956 in seiner Heimatstadt durch den in Magdeburg residierenden Paderborner Weihbischof Friedrich Maria Rintelen die Priesterweihe.

Besondere Akzente in der Familienpastoral

In den folgenden Jahren wirkte Nowak als Vikar in Seehausen, Großkorbetha, Lützen, Merseburg, Ziesar und Stendal und lernte so die unterschiedlichen Regionen Sachsen-Anhalts kennen. Nach knapp 20 Jahren im Gemeindedienst wurde er 1975 durch den Apostolischen Administrator und Rintelen-Nachfolger Johannes Braun zum Leiter des Seelsorgeamtes in Magdeburg ernannt; in dieser Funktion setzte er besondere Akzente in der Familienpastoral.

„Wir haben einen gemeinsamen Auftrag, diese gute Nachricht von der Liebe Gottes zu den Menschen auch an diejenigen heranzubringen, die keiner Kirche angehören.“

—  Zitat: Bischof Leo Nowak

Am 12. Februar 1990 – mitten in der spannenden Übergangszeit zwischen dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung – ernannte Papst Johannes Paul II. (1978–2005) Nowak zum Bischof und Apostolischen Administrator in Magdeburg. Die Bischofsweihe spendete ihm am 24. März in der Magdeburger Kathedrale St. Sebastian sein Amtsvorgänger Johannes Braun, Mitkonsekratoren waren der Paderborner Erzbischof und spätere Kardinal Johannes Joachim Degenhardt und der Apostolische Administrator von Schwerin, Theodor Hubrich. Als bischöflichen Wahlspruch wählte sich Nowak "Instaurare omnia in Christo" ("Alles in Christus vereinen").

Vier Jahre lang war Nowak danach zunächst Apostolischer Administrator des Bischöflichen Amts Magdeburg. Dieses Amt war ein Überbleibsel der untergegangenen DDR: Eigentlich nämlich gehörte Magdeburg seit 1821 zum damalugen Bistum Paderborn. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die kirchliche Verwaltung des seither hinter dem Eisernen Vorhang liegenden Gebiets erheblich erschwert. Deshalb wurden ab 1949 Paderborner Weihbischöfe nach Magdeburg abgestellt, um dort als Leiter des neu geschaffenen Erzbischöflichen Kommissariats Magdeburg den Paderborner Erzbischof zu vertreten. Weil der Magdeburger Bistumsteil im Laufe der Zeit jedoch immer eigenständiger wurde, wertete der Vatikan das Erzbischöfliche Kommissariat 1973 zum Bischöflichen Amt mit einem Apostolischen Administrator an der Spitze auf. Doch im Zuge der Wiedervereinigung wurde auch diese Konstruktion aufgelöst und auf dem Gebiet der ehemaligen DDR entstanden 1994 eigenständige Bistümer, darunter auch das Bistum Magdeburg mit Bischof Leo Nowak.

Ökumene und der Dialog mit Nicht-Christen als wichtige Anliegen

Als Bischof in der Diaspora – im Bistum Magdeburg sind nur rund drei Prozent der Bevölkerung katholisch – waren Nowak die Ökumene und der Dialog mit Nicht-Christen stets wichtige Anliegen. Mit Blick auf die evangelische Kirche und die Situation beider Kirchen in Sachsen-Anhalt sagte er kurz vor seinem Abschied vom Bischofsamt: "Wir haben einen gemeinsamen Auftrag, diese gute Nachricht von der Liebe Gottes zu den Menschen auch an diejenigen heranzubringen, die keiner Kirche angehören." Ein Beispiel für dieses Engagement waren die drei katholischen Gymnasien und vier Grundschulen, die während Nowaks Amtszeit gegründet wurden und die auch bei konfessionslosen Schülern beliebt sind.

Eine Herzensangelegenheit war Nowak auch die Wiederbesiedlung des mittelalterlichen Zisterzienserinnenklosters Helfta in der Lutherstadt Eisleben. "Wir können für unser Bistum nur froh sein, dass wir eine solche Quelle des geistlichen Lebens in dieser Region haben", sagte er 2004. Dass der Wiederaufbau des Klosters gelungen sei, sei ein "Zeichen wider die Hoffnungslosigkeit". Und ein Erfolg war der Neuanfang auch: Seit 1999 hat sich Helfta zu einer spirituellen Stätte mit bundesweiter Ausstrahlung entwickelt.

Bild: ©KNA-Bild (Archivbild)

Mit einem Dankgottesdienst verabschiedete sich Bischof Leo Nowak (M.) am 20. März 2004 von seinem Amt als Bischof von Magdeburg. An dem Gottesdienst nahmen auch heutige Magdeburger Bischof Gerhard Feige, Kardinal Karl Lehmann, Nuntius Erwin Josef Ender und Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker (v.l.) teil.

Ein weiteres Projekt, das mit Nowaks Namen verbunden bleiben wird, ist das von ihm aufgebaute "Netzwerk Leben". Das Netzwerk war die Antwort des Bischofs auf den Ausstieg der katholischen Kirche aus dem System der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung im Jahr 1999. In Notfällen erhalten werdende Eltern durch die Stiftung bis heute schnelle und unbürokratische Hilfe, etwa durch Rechtsberatung oder finanzielle Beihilfen. Für Nowak konnte durch das Netzwerk "der Glaube stärker zum Leuchten gebracht werden".

Schatten auf Nowaks Bischofsjahre fielen dagegen durch Immobilien- und Finanzgeschäfte der inzwischen abgewickelten Gero AG. Mit dem Unternehmen wollte das Diaspora-Bistum rund um die Jahrtausendwende seine schwierige finanzielle Situation verbessern und unabhängiger von Zuwendungen der westdeutschen Bistümer werden. Doch das ging gründlich schief, und die verlustreichen wirtschaftlichen Aktivitäten belasteten die Bilanz der Diözese.

"Ich glaube fest daran, dass alles gut werden wird"

Nach seinem Rücktritt vom Bischofsamt ließ sich Nowak noch regelmäßig von "seinem" Bistum in die Pflicht nehmen. So hielt er weiter Gottesdienste und repräsentierte die katholische Kirche bei öffentlichen Anlässen. Einem schon früher mehrfach geäußerten Motto blieb er dabei stets treu: "Wir müssen uns weg von der Mentalität einer Diaspora-Kirche hin zu einer im guten Sinne missionierenden Kirche entwickeln." Dazu passte auch seine Leidenschaft zum Dialog mit Menschen, die selbst nicht an Gott glauben. "Mit solchen Menschen über die großen Fragen des Lebens zu sprechen, macht mir Freude", sagte er 2024 in einem katholisch.de-Interview zu seinem 95. Geburtstag. Darin erzählte er auch, trotz seines hohen Alters nicht an Einsamkeit zu leiden: "Ich habe Gott sei Dank immer noch viele Kontakte, die mir guttun. Und ich bin immer noch gerne unter Menschen."

In dem Interview sprach Nowak ebenso über das eigene Lebensende. Damals sagte er, dass er keine Angst vor dem Sterben habe. "Aber die Unsicherheit mit Blick auf das eigene Lebensende ist mit zunehmendem Alter größer geworden. Ich versuche trotzdem, dem Tod mit großem Vertrauen entgegenzugehen", so der Bischof. Und weiter: "Ich weiß zwar nicht, was mich auf der anderen Seite, die wir meist Himmel nennen, erwartet. Aber ich glaube fest daran, dass alles gut werden wird."

Von Steffen Zimmermann