Er verliere damit auch die sehr Konservativen

Strack-Zimmermann: Trump schadet sich und USA mit Papst-Kritik

Veröffentlicht am 15.04.2026 um 11:12 Uhr – Lesedauer: 

Brüssel ‐ Ein US-Präsident geht ein Kirchenoberhaupt an, und die Welt schaut von der Seitenlinie zu. Die FDP-Abgeordnete Strack-Zimmermann sieht in Trumps Handeln eine Respektlosigkeit, die Folgen haben wird.

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Die Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf Papst Leo XIV. schaden nach Ansicht der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ihm selbst. Seinem Land und vor allem seiner Administration im Weißen Haus habe er einen Bärendienst erwiesen, sagte die Europaabgeordnete der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Brüssel. "Er verliert damit auch diejenigen, die sehr konservativ und eigentlich an seiner Seite sind."

Trump habe offenbar nicht verstanden, welche Dimension ein solcher Frontalangriff auf das Oberhaupt der katholischen Kirche habe, sagte Strack-Zimmermann. Christen in aller Welt, aber auch andere Religionsgemeinschaften reagierten "hochempfindlich, weil er sich gegen etwas Sakrosanktes richtet", gegen etwas Heiliges. Das betreffe nicht nur Katholiken, sondern sei eine generelle Frage des Respekts auch Menschen jüdischen und muslimischen Glaubens gegenüber. "Denn wenn der US-Präsident so unterirdisch mit dem Papst umgeht, wie verhält er sich dann demnächst anderen Religionen gegenüber?"

Kritisch äußerte sich die Verteidigungspolitikerin und Katholikin auch zu einem inzwischen gelöschten KI-Bild Trumps. Es zeigte ihn als Jesus-ähnliche, lichtumstrahlte Figur, die einem kranken Mann die Hand auflegt. Das Bild hatte vielfach für Empörung gesorgt. Laut Strack-Zimmermann lässt sich der Schaden nicht mehr rückgängig machen: "Den Geist, den er aus der Flasche gelassen hat, wird er nicht mehr einfangen."

Grünen-Chefin: Leo XIV. zeigt Haltung und Mut

Unterdessen lobte Grünen-Chefin Franziska Brantner die Haltung Papst Leos mit Blick auf dessen Trump-Kritik. "Papst Leo XIV. zeigt Haltung und Mut, wenn er sagt: Ich habe keine Angst'", sagte Brantner der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Berlin. "Das ist die Stimme, die wir in dieser Zeit brauchen", so die Parteivorsitzende der Grünen.

Es sei bezeichnend, dass der US-Präsident ausgerechnet mit dem Papst im Streit liege, weil dieser Frieden fordere. Trumps Reaktion spreche für sich. Sie zeige die Ohnmacht eines Mannes, der keine moralischen Argumente mehr habe. Für Europa bedeute das, die eigene Sicherheit selbst in die Hand zu nehmen. Eine europäische Verteidigungsunion sei eine Notwendigkeit und die Bundesregierung müsse die Aufgabe mutig angehen, so Brantner.

Lob für Leo kam auch vom früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse. "Ich freue mich darüber, mit welcher Souveränität der Papst auf die widerlich-absurden Angriffe von Trump reagiert", sagte Thierse der KNA am Mittwoch in Berlin. Er begrüße es, dass Leo XIV. dem Missbrauch von Religion widerspreche und das Evangelium gegen fatale politische Funktionalisierung verteidige. – Am Wochenende hatte Trump den Papst auf seiner Social-Media-Plattform "Truth Social" unter anderem als "schwach" gegenüber Kriminalität und eine "Katastrophe" in der Außenpolitik bezeichnet, nachdem das Kirchenoberhaupt den Angriff der USA und Israels auf den Iran als "wahrlich inakzeptabel" verurteilt hatte. Auch in den vergangenen Tagen folgten Spannungen zwischen Trump und dem aus den USA stammenden Papst Leo XIV. (tmg/KNA)

15.4., 12:58 Uhr: Ergänzt um Brantner. 14:31 Uhr: Ergänzt um Thierse.