Vizedekan des Kardinalskollegiums zur Kritik Trumps

Kardinal: Bush ignorierte Papst – redete aber keinen Unsinn

Veröffentlicht am 15.04.2026 um 11:46 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Nach Äußerungen des US-Präsidenten gegen Papst Leo reagieren viele Kirchenvertreter. Darunter auch der Vizedekan des Kardinalskollegiums, Leonardo Sandri. Appelle wurden auch früher ignoriert, aber immerhin respektiert.

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Kardinal Leonardo Sandri kritisiert die Wortwahl aus den USA und verweist darauf, dass selbst George W. Bush im Irakkrieg die Appelle von Johannes Paul II. zwar ignorierte, dabei aber zumindest "keinen Unsinn redete". Der Vizedekan des Kardinalskollegiums äußerte sich in einem Interview am Mittwoch mit der italienischen Zeitung "La Repubblica" zu jüngsten Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump gegen Papst Leo. Sandri verteidigte dabei den Pontifex und betonte, dessen Worte stünden "in einer anderen Dimension" als die politischen Äußerungen Trumps.

Der Papst werde weiterhin für den Frieden eintreten, erklärte der Kardinal. Dies sei nicht nur ein menschlicher Wert, sondern entspreche auch seinem christlichen Auftrag. Auf die Frage nach den Motiven Trumps zeigte sich der Vizedekan zurückhaltend: "Ich kann die Gedanken des Präsidenten nicht beurteilen. Ich glaube, er ist mit seinen Überlegungen und Meinungen zu weit gegangen. Natürlich hat der Heilige Vater unsere volle Solidarität und Gemeinschaft." Auch auf Kritik aus dem Umfeld der US-Politik reagierte der Kardinal: Der Papst befasse sich sehr wohl mit moralischen Fragen und Frieden sei eine solche. Zwar mische sich der Vatikan nicht in parteipolitische Angelegenheiten ein, doch betreffe das Thema Frieden unmittelbar das Zusammenleben der Menschen, so der Kardinal. 

Frühere Konflikte 

Mit Blick auf frühere Konflikte erinnerte Sandri an die Haltung von Johannes Paul II. während des Irakkriegs 2003. Damals habe der Vatikan intensiv diplomatische Initiativen gestartet, unter anderem durch die Entsendung von Kardinälen nach Bagdad und Washington. Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den Vereinigten Staaten könnten sich trotz der aktuellen Spannungen verbessern, sagte Sandri. In den USA gebe es eine starke christliche Präsenz, und "Menschen kommen und gehen, aber die Werte bleiben", sagte er.

Trump hatte am Wochenende den Papst als "schwach" gegenüber Kriminalität und eine "Katastrophe" in der Außenpolitik bezeichnet, nachdem das Oberhaupt der katholischen Kirche den Angriff der USA und Israels auf den verurteilt hatte. Leo XIV. selbst kommentierte die Äußerungen Trumps am Montag mit den Worten: "Ich fürchte weder die Trump-Regierung noch das offene Aussprechen der Botschaft des Evangeliums." (mtr)