Trump legt nach: "Kann bitte jemand Papst Leo sagen, dass..."
US-Präsident Donald Trump lehnt eine Entschuldigung bei Papst Leo XIV. für seine verbalen Angriffe ab – und legt noch mal einen drauf. Am Mittwoch schrieb er in seinem Onlinedienst "Truth Social": "Kann bitte jemand Papst Leo sagen, dass der Iran in den vergangenen zwei Monaten mindestens 42.000 unschuldige, völlig unbewaffnete Demonstranten getötet hat – und dass es absolut inakzeptabel ist, wenn der Iran eine Atombombe besitzt?"
Wissenschaftler und USA-Experten werten Trumps Angriffe gegen Leo XIV. als einen Schritt zu viel. So sagte der Eichstätter Theologieprofessor Benjamin Dahlke dem "Münchner Merkur", es sei ein Eskalationspunkt erreicht; Trump sei vor den Midterm-Wahlen auf die Stimmen der katholischen Wähler angewiesen. "Das ist ironischerweise 'das Beste', was er machen kann, um die Wahlen zu verlieren", so Dahlke weiter. Eine vernünftige Kalkulation ließen diese Äußerungen nicht erkennen. "Das sind emotionale Ausbrüche, die keiner politischen Logik folgen." Laut Dahlke ist der Vatikan aktuell ein Sympathieträger: "Sich gegen ihn zu stellen, bringt eigentlich nichts." Katholische Demokraten wie Republikaner seien entsetzt und könnten Trumps Verhalten nicht mehr nachvollziehen. Die Distanzierung Trumps von der katholischen Kirche ohne Not komme nicht gut an. Einen Papstbesuch in den USA halte er nun, so lange Trump Präsident ist, für endgültig ausgeschlossen.
Der Journalist und Theologe Arnd Henze analysiert in den "Nürnberger Nachrichten", Leo XIV. reagiere sehr souverän und habe den Machtkampf "im Prinzip jetzt schon gewonnen". Der Papst sei ein brillanter Kommunikator: "Er kann mit einem Halbsatz die Luft aus dieser aufgeblasenen MAGA-Rhetorik lassen." Das stärke die Gegenbewegung gegen Trump. Der Präsident nehme persönlich, dass Papst Leo in seinem ersten Amtsjahr "die zuvor total gespaltene katholische Kirche in den USA" bezüglich der beiden zentralen Themen Deportationspolitik und Ablehnung von Kriegen hinter sich vereint habe: "Damit ist Trump ein wesentlicher Teil der MAGA-Bewegung weggebrochen." Durch die Angriffe gegen den Papst seien "auch die letzten Trump-Unterstützer in der katholischen Kirche gezwungen, sich in aller Schärfe zu distanzieren".
"Anfang vom Ende Trumps"
Der italienische Historiker Massimo Faggioli sieht das ähnlich: "Bischöfe und katholische Eliten im Umfeld Trumps sind jetzt gezwungen, Position zu beziehen", sagte er dem Portal "Kirche und Leben" aus Münster. Noch sei offen, ob und wie sich die Haltung der US-Bischofskonferenz gegenüber der Trump-Regierung langfristig verändere. Klar sei aber: "Die Bischöfe haben sich demonstrativ hinter Papst Leo gestellt. Paradoxerweise hat gerade diese Phase des Trumpismus das Bündnis zwischen der Mehrheit der US-Bischöfe und dem Papst gestärkt, anders als noch unter Franziskus", so Faggioli. Der Tageszeitung "Avvenire" sagte Faggioli, der verbale Angriff auf den Papst markiere "wahrscheinlich den Anfang vom politischen Ende" für den US-Präsidenten. Mit dem Angriff auf den Papst habe Trump ein letztes Tabu gebrochen. Nun verstehe die religiöse Rechte, dass sie vom Trumpismus lediglich benutzt worden sei. Die rechtsintellektuelle Elite könne nach einer Phase der Schockstarre den Weg in die Rebellion gegen Trump gehen, so die Prognose des Historikers.
Der evangelische Theologe Volker Leppin analysiert im Internetportal "domradio.de", in den zwei US-Amerikanern Trump und Leo XIV. stünden sich nun "zwei denkbar unterschiedliche Weisen von Macht in dieser Welt" entgegen: die Macht von Drohungen, Militärs und Wirtschaftsmaßnahmen stehe gegen die Macht des leisen Wortes. Die leisen Worte von Leo XIV. wirkten dabei nicht nur politisch, so Leppin. Wo das Papstamt lange als Hindernis zwischen katholischer und evangelischer Kirche gestanden habe, gelinge es Leo XIV. "durch seinen Stil, vor allem durch seine Nachdenklichkeit, in seiner Amtsführung spirituell und faktisch zu einer Stimme der Christenheit zu werden und so die christliche Botschaft für alle Christinnen und Christen vernehmbar zu machen", sagte Leppin weiter. (KNA)
