Kardinal Kasper: Papst Franziskus hat Kirche reiches Erbe hinterlassen
Nach Ansicht des emeritierten Kurienkardinals Walter Kasper (93) hat Papst Franziskus (2013–2025) der Kirche ein reiches Erbe hinterlassen. "Wir haben allen Grund, ihm ein dankbares Andenken zu bewahren", schreibt Kasper in einem Beitrag für das Portal "communio.de" (Montag). Anlass ist der erste Todestag von Franziskus an diesem Dienstag (21. April).
Mit dem Schlagwort "Evangelisierung" habe er ein Reformprogramm initiiert, das vom Geist des Evangeliums geleitet worden sei, so Kasper weiter. Franziskus habe "keine auf sich selbst bezogene Kirche" gewollt, sondern eine missionarische Kirche, die zu den Peripherien gehe, "den Schrei der Armen" höre und ihre Einheit "als Einheit in der Vielfalt versteht und für heilsame Dezentralisierung sowie für eine Neuausrichtung des Papsttums offen ist".
Auch auf menschlicher Ebene habe Franziskus große Spuren hinterlassen. "Franziskus wollte das Petrusamt in einem den Menschen nahen, außerordentlichen Stil ausüben", schreibt Kasper. "Er war ein im wahrsten Sinne des Wortes außergewöhnlicher und doch sympathischer Papst, immer wieder für spontane, überraschende Worte und Gesten gut, die ihm manche übelnahmen, die viele andere aber schätzten." Gerade bei seinem Tod hätten viele Menschen gespürt, "einen Fürsprecher der kleinen und ärmeren Leute verloren zu haben, der sich gerne unter die Leute mengte".
Prozesse in Gang bringen
Bei manchen Themen wie etwa der Debatte um Frauen in kirchlichen Ämtern habe Franziskus große Erwartungen, aber auch Befürchtungen geweckt, räumt Kasper ein. "Man kann Papst Franziskus nur dann recht verstehen, wenn man beachtet, dass es ihm darum ging, Prozesse in Gang zu bringen, statt Räume und Positionen zu besetzen. Er wollte Fenster und Türen öffnen und wusste besser als manche ihn kritisierenden Hitzköpfe um den langen Atem, der bei der Evangelisierung notwendig ist."
Dabei verteidigte Kasper Franziskus gegen Vorbehalte, die immer wieder gegen ihn geäußert wurden. Für die einen sei er im Vergleich zu Benedikt XVI. "zu wenig ein großer Theologe" gewesen, für die anderen habe er oft sehr spontane Entscheidungen getroffen, bei denen er sich zu wenig um deren institutionelle, kirchenrechtliche und auch politische Aspekte gekümert habe. Dazu Kasper: "Für Franziskus war der Glaube kein System, sondern gut biblisch ein mitunter steiler und steiniger Weg auf der eschatologischen Pilgerreise der Kirche."
Bei seinem Nachfolger sei Franziskus' Erbe in guten Händen, resümiert der Kardinal. Leo XIV. "führt es weiter, und er tut das in seiner Weise und völlig selbstverständlich mit seinen eigenen Akzenten". Franziskus, der erste Papst aus Lateinamerika, war am Ostermontag 2025 nach schwerer Krankheit verstorben. Ihm folgte mit Leo XIV., bürgerlich Robert Francis Prevost, der erste Papst aus den Vereinigten Staaten. (mal)
