In Afrika liegt die Zukunft der Kirche
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Der Kontinent der Zukunft. Die Zukunft der Kirche. Diese Worte, die Papst Leo bei seiner großen Messfeier am Sonntag in Angolas Hauptstadt Luanda sprach, gehen mir nach: "Wenn die beiden Jünger von Emmaus Jesus erkennen, als er das Brot für sie bricht, bedeutet dies, dass auch wir ihn so erkennen müssen: nicht nur in der Eucharistie, sondern überall dort, wo ein Leben zu gebrochenem Brot wird..."
Binnen elf Tagen reiste der Papst durch vier afrikanische Länder, die allesamt einst europäischen Kolonialherren unterstanden und ausgebeutet wurden. Weder in Algerien noch in Kamerun, weder in Angola noch in Äquatorialguinea herrschen unkomplizierte demokratische Verhältnisse. Die Menschen erfahren Unfreiheit und werden heute vielfach erneut ausgebeutet, durch Oligarchen, durch Langzeitherrscher, durch Korruption.
Dann beeindrucken die Bilder dieser Tage, die großen Feiern in Stadien und auf öffentlichen Plätzen, die Begegnungen des hohen Gastes mit Gläubigen am Rande. Gut, dass sich Leo elf Tage Zeit nahm. Er kritisiert die Diktatoren und mahnt zum Zusammenhalt, zum gesellschaftlichen Engagement, zum Engagement für Frieden und Versöhnung.
Leo sprach des öfteren über notwendige politische Veränderungen, gelegentlich auch über die Zukunft der Kirche. Zu dieser Zukunft der Kirche in Afrika gehört die wachsende Bedeutung für die Weltkirche. Die kürzlich veröffentlichte, jüngste vatikanische Statistik zeigte für das Jahr 2024, dass erstmals mehr katholische Gläubige in Afrika als in Europa leben. Ganz zu schweigen von den Zahlen der Ordensleute oder der Priester.
Und wenn Papst Leo von dem Leben, das "zu gebrochenem Brot wird", als Zeichen der Gegenwart Jesu sprach, mag das auch für die vielen gebrochenen Leben in Afrika gelten, im Südsudan, wo die derzeit schlimmste humanitäre Notlage weltweit andauert, in Nigeria und einigen weiteren Ländern, in denen Christen unter Druck stehen.
Es wird gewiss nicht die letzte Afrika-Reise dieses Papstes sein. Franziskus (2013-2025) besuchte vier Mal den Kontinent. In Deutschland heben derweil die ersten Spekulationen an, ob Leo vielleicht 2027 nach Deutschland komme, vielleicht Frankreich und Deutschland gemeinsam besuche... Dann würden unsere innerkatholischen Debatten gewiss schneller wieder heißlaufen. Von mir aus darf Leo vorher ruhig noch mal nach Afrika. Und viele seiner Worte dort dürfen wir gern auch in der Ferne vernehmen und bedenken.
Der Autor
Christoph Strack ist Fachredakteur der Deutschen Welle für Religion und Religionspolitik.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
