Regens: Priesteramtskandidaten fühlen sich unverstanden

Viele Priesterkandidaten fühlen sich von den Gläubigen nicht verstanden. Die Anfrage des Synodalen Wegs nach der Begründung für die Notwendigkeit des Priestertums hat bei angehenden Priestern für Irritation gesorgt, schreibt der Vorsitzende der Regentenkonferenz Dirk Gärtner in der aktuellen Ausgabe der "Herder-Korrespondenz": "Sie fühlten sich herausgefordert und bisweilen auch unverstanden." Priester zu werden habe in der Gegenwart viel an Plausibilität verloren.
Für Priesterkandidaten sei es nicht nur wichtig, dass der Umgang mit den strukturellen Kränkungen der Anfragen an diese Lebensform gelinge, "sondern auch, ob es eigentlich aus der Kirche heraus Signale gibt, die das Priestertum in seiner sakramentalen Form befürworten und in der damit verbundenen zölibatären Lebensweise stärken", so Gärtner weiter.
Der Leiter der Priesterausbildung in der Diözese Fulda betont, dass die Lebbarkeit der Lebensentscheidung, Priester zu sein, davon abhängt, ob sie von der Gemeinschaft der Glaubenden mitgetragen wird. Die am Dienstag von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) veröffentlichte nationale Rahmenordnung für die Priesterausbildung legt daher einen Schwerpunkt auf diesen Aspekt und betont nicht nur, dass Priester eine Sensibilität für das Volk Gottes benötigen. Auch bei den Gläubigen brauche es ein Verständnis der sakramentalen Grundstruktur der Kirche und damit für das sakramentale Priestertum. Die Rahmenordnung beginnt daher in ihrem ersten Teil mit der Frage "Warum Priester?" und einer Diskussion der Anfragen der Gegenwart an das Priestertum.
Werden die richtigen Priester?
Eine weitere Anfrage an das Priestertum sieht Gärtner in der Bochumer Priesterstudie, die von der DBK beauftragt wurde, um herauszufinden, wer heute mit welcher Motivation Priester wird. Gärtner klagt über eine "Unwucht" in der Auswertung und medialen Darstellung der Studie: "Dass spirituelle Themen wie Gebet und sakramentales Leben einen zentralen Platz in der Biografie der jungen Priester einnehmen, provozierte die kritische Anfrage, ob der künftige Klerus sich nicht mehr für die Leitung und Verwaltung interessiere beziehungsweise motivieren lasse und ob sich dies noch in den Ausbildungsinhalten der Priesterausbildung widerspiegele."
Das Fazit der Studienautoren um den Bochumer Pastoraltheologen Matthias Sellmann, dass es Werbung um junge Männer brauche, die "Priester neuen Typs" werden wollen, verkenne den Unterschied zwischen Recruiting und Berufung. Der Ansatz sei zwar von der guten Absicht getragen, Berufungen in anderen Milieus als bisher zu wecken. "Aber Berufung ist eben im Kern ein gnadenhaftes Geschehen, das sich zwischen Gott und dem Gerufenen abspielt und auf das von außen zunächst einmal nicht zugegriffen werden kann", so Gärtner weiter. Die Studie und ihre Darstellung habe bei Seminaristen die Frage aufgeworfen, ob sie noch die richtigen Priester seien für die Herausforderungen, die man ihnen zumesse.
2021 hatte die Synodalversammlung des Synodalen Wegs mit knapper Mehrheit dem Forum "Priesterliche Existenz" den Arbeitsauftrag gegeben, sich mit der Frage auseinandersetzen, ob es das Priesteramt überhaupt braucht. Die Abstimmung hatte für Kontroversen und Diskussionen gesorgt. Im verabschiedeten Grundtext "Priesterliche Existenz heute" zog die Synodalversammlung den Schluss, dass die Kirche vor der Herausforderung steht, "die Theologie des Weiheamts so fortzuentwickeln, dass sein in Schrift und Tradition grundgelegter Wesenskern erhalten bleibt, zugleich aber ihre nicht mehr zeitgemäßen, Klerikalismus fördernden und Missbrauch begünstigenden Elemente überwunden werden". (fxn)