Nach Kritik an seiner Predigt: Bischof trifft Politiker
Nach dem Eklat um einen Zwischenruf bei dessen Predigt am Wochenende hat der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler ein Treffen mit dem FPÖ-Politiker Christoph Steiner angekündigt. "Das Treffen ist als vertraulicher Austausch vorgesehen und findet ohne mediale Begleitung und Berichterstattung statt. Dass es dabei um die Klärung des Vorfalls vom Gauder Fest geht, liegt auf der Hand", teilte die Diözese Innsbruck am Donnerstag mit. Auch andere "gesellschaftsrelevante Themen" würden bei der Unterredung zur Sprache kommen, die in nächster Zeit stattfinden soll. "Bischof Glettler wird sein Engagement für den sozialen Zusammenhalt und 'für ein Zuhören anstelle des Drauflos-Behauptens', wie er es in der Predigt ausgeführt hat, von Neuem bekräftigen", so die Diözese.
Zuvor hatte auch Steiner in einem Video auf seinen Social-Media-Kanälen den Bischof "auf Kaffee und Kuchen" eingeladen: "Ich glaube, wir zwei schaffen das – ganz ohne Zwischenrufe der ÖVP – ein gutes Gespräch zu führen und dann schauen wir mal, was herauskommt." Dabei könne man über unterschiedliche Vorstellungen sprechen. Hintergrund für das Treffen ist die Predigt Glettlers beim Gauder Fest in Tirol am Wochenende. Medienberichten zufolge soll der Politiker der Freiheitlichen Partei Österreichs mit einem lautstarken Zwischenruf die Predigt gestört haben. Demnach rief der Politiker, Glettler wäre "besser grüner Politiker geworden".
"Qualitätsvoller Diskurs" sei Anliegen der Kirche
Der Politiker dementierte, die Äußerungen gerufen zu haben. Er habe sie lediglich einer Sitznachbarin gesagt. Inhaltlich hielt er auf Anfrage der Zeitung aber an seiner Kritik fest. Glettler habe 20 Minuten lang die FPÖ diskreditiert. "Das war der echte Skandal bei der Messe. Für mich als gläubiger und bekennender Katholik gehört parteipolitische linke Agitation nicht in eine Eucharistiefeier, das sollte der Bischof von Innsbruck verstehen und einsehen", so Steiner. Der Vorfall hatte für Kritik unter anderem von der ÖVP gesorgt.
Die Diözese Innsbruck betonte jetzt, dass Hintergrundgespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Gesellschaft, Politik und Kultur ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit von Bischof Glettler seien. "Ein qualitätsvoller Diskurs, in den alle gesellschaftlichen Akteure eingebunden sind, ist das ausdrückliche Anliegen der österreichischen Kirche." Glettler sei es dabei aber wichtig, "dass wir uns in Österreich über politische und religiöse Grenzziehungen hinweg eine gute Kultur des Dialogs bewahren, bzw. eine solche auf allen Ebenen einüben und neu etablieren". (cbr)
