Vatikan droht traditionalistischen Piusbrüdern mit Kirchenausschluss

Der Vatikan bleibt bei seinem Nein zu der angekündigten Bischofsweihe der traditonalistischen Piusbruderschaft – und droht mit Konsequenzen bei Zuwiderhandlung. Für die Weihe verfügten sie nicht über das entsprechende päpstliche Mandat, schreibt der Präfekt des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, am Mittwoch.
Daher stelle eine solche Zeremonie einen schismatischen Akt dar. Die formelle Einwilligung in eine Kirchenspaltung sei eine schwere Beleidigung Gottes und ziehe die im Kirchenrecht festgelegte Exkommunikation nach sich, heißt es in der kurzen Mitteilung. Die Strafe habe den Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft zur Folge. Den Betroffenen ist dann verboten, Dienste in liturgischen Feiern zu übernehmen, Sakramente zu spenden oder zu empfangen sowie kirchliche Ämter auszuüben.
"Der Heilige Vater bittet in seinen Gebeten weiterhin den Heiligen Geist, die Verantwortlichen der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. zu erleuchten, damit sie ihre schwerwiegende Entscheidung rückgängig machen", schreibt Fernández abschließend.
Unerlaubte Weihen und Gespräche im Vatikan
Anfang Februar hatte der Generalobere der Piusbrüder, Davide Pagliarani, die Bischofsweihen für 1. Juli angekündigt. Kurz darauf folgten überraschend Gespräche im Vatikan. Unter der Bedingung, dass die Traditionalisten auf ihre Weihen verzichten, bot Fernández ihnen einen Dialog über theologische Streitfragen sowie über einen künftigen kirchenrechtlichen Status an. Dieser ist bis heute ungeklärt. Den Vorschlägen erteilte Pagliarani eine Absage – und beharrt weiter auf den Termin der Bischofsweihe.
Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) ab und beharren auf alten Formen des Gottesdienstes. Der Gemeinschaft gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich.
Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991), sowie die Geweihten durch den Vatikan exkommuniziert worden. Benedikt XVI. (2005–2013) hob diese Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber nicht. (KNA)