Menschenbild der Partei sei ein Problem

Erzbischof Koch in Sorge um AfD-Erfolg in Mecklenburg-Vorpommern

Veröffentlicht am 13.05.2026 um 15:08 Uhr – Lesedauer: 

Berlin ‐ AfD stark, andere Parteien schwach vor Ort: Erzbischof Koch blickt nach Gesprächen in Vorpommern besorgt auf die anstehende Landtagswahl. Was er an der AfD kritisiert und was er von den christlichen Gemeinden erwartet.

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Erzbischof Heiner Koch blickt nach eigenen Worten mit großer Sorge auf den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. "Ich war gerade zur Visitation in der Region Greifswald und merke, wie diese Wahl schon wie eine dicke, belastende Wolke über allem liegt", sagte der Berliner Erzbischof im Interview mit dem "Tagesspiegel" (Mittwoch). "Obwohl es im Land eine profilierte Ministerpräsidentin gibt, die schon lange im Amt ist und Vertrauen genießt, sind die Prognosen für die AfD dort sehr hoch." Am 20. September wird ein neuer Landtag gewählt. In der neuesten Wahlumfrage liegt die AfD bei 36 Prozent, gefolgt von SPD (27 Prozent), Linken (13 Prozent) und der CDU (10 Prozent).

Koch berichtete, ein CDU-Bürgermeister habe ihm gesagt, die AfD-Politiker seien vor Ort bekannt und nahe bei den Menschen. Andere Parteien hätten dagegen kaum noch Mitglieder vor Ort. "Wenn aber das politische Interesse so gering ist, wenn die Lust, das Leben vor Ort zu gestalten, so gering ist, beschädigt das die Demokratie." Koch sagte: "Ich weiß, dass unsere Pfarreien in Brandenburg und Vorpommern klein sind. Aber ich möchte, dass sie sich für politische Debatten öffnen. Ich möchte, dass sich die Katholiken vor Ort einmischen. Dass sie zu Veranstaltungen gehen und sich mit den Positionen, die sie aus ihrem Glauben heraus entwickelt haben, vor Ort einbringen."

Zu wenig das Gespräch gesucht?

Gefragt, warum sich die AfD so schnell radikalisiert habe, antwortete Koch: "Vielleicht haben wir zu wenig das Gespräch gesucht. Wenn ich mit Einzelnen rede, ist es oft einfacher, als wenn man eine Gruppe vor sich hat." Bei vielen AfD-Anhängern merke man: "Man kann sagen, was man will – es kommt entweder nicht an oder wird nicht verstanden." Die Kirche lasse sich aber nicht entmutigen und arbeite weiterhin an einem "Gegenentwurf zu Untergangserzählungen rechtsextremer Akteure". Die Kirche setze sich mit Herz und Haltung für Demokratie und Nächstenliebe ein.

Der Erzbischof erklärte, dass er AfD-Politikern, die ihr Christsein betonen, nicht ihren Glauben abspreche, aber eine Reihe ihrer Äußerungen nicht mit seinem Glauben in Einklang bringen könne: "Mir ist etwa nicht klar, wie man Nächstenliebe nur für eine bestimmte Gruppe von Menschen aufbringen kann. Wer hier Menschen bevorzugt und sagt, für andere Menschen gelte die Nächstenliebe nicht mehr, kann sich nicht mehr auf die christliche Botschaft berufen."

Mit Blick auf die AfD insgesamt sagte er: "Mein Problem ist das grundsätzliche Menschenbild dieser Partei. Fremdenfeindliche und menschenverachtende Positionen sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Die AfD will einen anderen Staat, viele ihrer Mitglieder orientieren sich an Orban, an Putin, an Trump – und das gleichzeitig." (KNA)