Voderholzer: Deutschland gilt in Weltkirche als "Problematisierer"

Die katholische Kirche in Deutschland wird nach Ansicht des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer in der Weltkirche als "Problematisierer und Alles-Infrage-Steller" wahrgenommen. Die Kirche in Deutschland könne von der Weltkirche Glaubensfreude lernen, sagte Voderholzer jetzt in einem Interview des Fernsehsenders "K-TV". Er sei kürzlich in Madagaskar gewesen und habe dort "eine arme Kirche, aber eine glaubensfrohe Kirche erleben dürfen". Er habe vor Ort gemerkt, "da gibt der Glaube eine Freude ins Herz, die einfach ansteckt und mitreißt". Aber auch in westlichen Ländern wie Frankreich, England oder Amerika sehe man eine junge Generation, in der eine Sehnsucht entstehe nach einem authentischen und unverkürzten Glauben.
Begleiterscheinung der Säkularisierung
Mit Blick auf eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem vergangenen Jahr, nach der nur noch 28 Prozent der Deutschen glauben, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, sagte Voderholzer: "Das ist eine Begleiterscheinung der Säkularisierung, und das müsste uns eigentlich sehr betroffen machen in allen kirchlichen Kreisen." Die Frage, wie man mit neuer Überzeugungskraft jenes in das Zentrum der Verkündigung stellen könne, was das Christsein ausmache, müsste "das erste und wichtigste Thema" sein. Der ehemalige Regensburger Bischof Johann Michael Sailer habe die Quintessenz des Christentums in dem Satz "Gott in Christus – das Heil für die sündige Welt" zusammengefasst. Wenn dies nicht mehr im Blick sei, dann seien auch alle anderen Ausdrucksformen des Christseins schwach begründet.
Mit Blick auf die geringe Zahl an Berufungen zeigte sich Voderholzer in dem Interview "besorgt". Der Mangel an Berufungen sei ein Symptom für nachlassende Glaubensstärke insgesamt in der Kirche. Er sei sich sicher, dass die Kirche wieder an Selbstbewusstsein, Ansehen und Glaubenssubstanz gewinnen müsse – "dann werden ihr wie von selbst Berufungen geschenkt, da bin ich ganz sicher".
"Dürfen als Katholiken stolz sein auf Papst Leo XIV."
Das bisherige Wirken von Papst Leo XIV. bewertete der Regensburger Bischof positiv. "Ich bin sehr, sehr froh um ihn." Besonders schätze er, dass Leo regelmäßig Bezug nehme auf seinen Ordensvater Augustinus. Dies komme fast in jeder Predigt und Ansprache zum Leuchten. "Das verbindet ihn wiederum mit Papst Benedikt XVI., der ja sehr stark von Augustinus, seiner eucharistischen Ekklesiologie, aber auch von der Erfahrung der Gnade herkommt." Auch Leos Ästhetik, mit der er sich ein bisschen von seinem Vorgänger Franziskus absetze, tue gut.
Voderholzer betonte zudem auch Leos jüngste politische Positionierungen, etwa in der Auseinandersetzung mit US-Präsident Donald Trump. Durch diese sei er auf der ganzen Welt als zentrale moralische Autorität wahrgenommen worden. "Wir dürfen als Katholiken stolz sein, dass wir ihn als Papst haben, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, aber ganz klar wie ein Fels in der Brandung auch den Mächtigen ins Gewissen redet." (stz)