Treffen von Erzbischof Lefebvre und Kardinal Höffner

Geheimes Protokoll zeigt Ringen mit Piusbrüdern um Kirchenkurs

Veröffentlicht am 22.05.2026 um 11:55 Uhr – Lesedauer: 

Freiburg ‐ Der Kölner Kardinal Höffner und Erzbischof Lefebvre, Gründer der Piusbrüder, rangen 1977 um die Reformen des Konzils. Das Protokoll der geheimen Gespräche wurde nun erstmals öffentlich ausgewertet.

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Ein bislang unveröffentlichtes Protokoll aus dem Archiv des Erzbistums Köln gibt neue Einblicke in die theologischen Konfliktlinien zwischen der katholischen Kirche und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. Wie der Kirchenhistoriker Dominik Heringer in der am Donnerstag erschienenen Zeitschrift "Communio" berichtet, trafen sich der damalige Kölner Kardinal Joseph Höffner und Erzbischof Marcel Lefebvre (Foto oben) im Dezember 1977 zu einem knapp fünfstündigen Geheimdialog unter vier Augen.

Der französische Missionsbischof hatte 1970 als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) die Piusbruderschaft gegründet. Das Gespräch im badischen Bühl orientierte sich an sechs Thesen des damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und behandelte zentrale Streitpunkte wie den päpstlichen Primat, die Liturgiereform und die Beschlüsse des Konzils.

Streit um päpstliche Autorität

Laut dem Protokoll konfrontierte Höffner den französischen Erzbischof mit dessen früherer Forderung nach absolutem Gehorsam gegenüber dem Papst und stellte die provokante Frage, auf welche Autorität Lefebvre sich nun stütze. Höffner fragte pointiert: "Besitzt er einen Super-Primat, eine Super-Unfehlbarkeit? Oder beruft er sich gegenüber dem Primat und der Unfehlbarkeit des Papstes auf sein Gewissen? Ist er sich bewusst, dass dies der Weg aller Schismatiker und Häretiker gewesen ist?"

Lefebvre seinerseits bestritt, ein "Rebellenbischof" zu sein, und berief sich auf das Recht zu brüderlicher Zurechtweisung, auch gegenüber Oberen. Er betonte: "Keine Autorität, auch nicht die höchste in der Hierarchie der Kirche, kann uns zwingen, unseren katholischen Glauben preiszugeben oder zu schmälern." In der Liturgiefrage erklärte Lefebvre, er halte die "neue" Messe zwar weder für ungültig noch für häretisch; er kritisierte jedoch, dass "einzelne Texte des neuen Messbuchs das Geheimnisvolle der Eucharistie zurücktreten ließen". Das Konzil erkenne er nur an, "insofern es die Tradition der Kirche anerkennt". Besonders die Aussagen zu Religionsfreiheit und Ökumene bezeichnete er als "zu humanistisch und naturalistisch".

Trotz Lefebvres bekundetem Wunsch, "in vollem Frieden mit der Kirche und dem Papst zu leben", scheiterte eine Einigung an Höffners Bedingungen. Diese umfassten die vorbehaltlose Anerkennung des Konzils, den Jurisdiktionsprimat des Papstes sowie die Zelebration nach dem neuen Messbuch Pauls VI. Lefebvre sah sich außerstande, auf diese Forderungen einzugehen. Heringer verweist darauf, dass seine historische Aufarbeitung des Protokolls vor dem Hintergrund aktueller Spannungen erfolgt. Die Piusbruderschaft hat für den 1. Juli neue Bischofsweihen angekündigt, was, wie bereits 1988, zu einer Exkommunikation der Beteiligten führen würde. (KNA)