Standpunkt

Piusbruderschaft – Dann lasst sie doch gehen!

Veröffentlicht am 22.05.2026 um 00:01 Uhr – Von Tobias Glenz – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die Piusbrüder wollen ohne päpstliches Mandat neue Bischöfe weihen. Die Konsequenz wäre die Exkommunikation. Nicht schade drum, kommentiert Tobias Glenz.

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So ein Affentheater! Die jüngsten Ereignisse rund um die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. lassen sich wohl kaum treffender umschreiben. Da hat ein kleines, ewiggestriges Grüppchen am ganz rechten Rand der Kirche bemerkt, dass ihnen die Bischöfe so langsam ausgehen. Und ohne die kann man bekanntlich nicht weiterweihen, um den eigenen Bestand zu sichern. Was also tun? Logisch: Auf Teufel komm raus – ohne römische Zustimmung – neue Bischofsweihen durchdrücken und einfach mal schauen, was passiert.

Was dann passieren wird – und muss –, hat der Vatikan kürzlich unmissverständlich deutlich gemacht: Exkommunikation, also der Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft. Man fragt sich allerdings, ob die Piusbrüder jemals innerhalb der Kirche gestanden haben. Vordergründig wird hier an der sogenannten Alten Messe festgehalten, doch die ist nur die Spitze des Eisbergs. Wes Geistes Kind die Traditionalisten sind, haben sie in ihrer jüngsten "Glaubenserklärung" an Papst Leo XIV. noch einmal selbstentlarvend bekräftigt: Sie lehnen nicht allein die reformierte Liturgie, sondern die Kirche, wie sie sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil versteht, in weiten Teilen ab – Antijudaismus inklusive. Will man solche Leute tatsächlich in den eigenen Reihen haben?

Dass der "Dialog" mit der Gemeinschaft sinnlos ist, musste der Vatikan schon unter Benedikt XVI. feststellen. Nach dessen Rücknahme der Exkommunikation der damaligen Pius-Bischöfe – gemeint als Zeichen guten Willens – scheiterten Gespräche genauso wie jüngst nach Ankündigung der neuerlichen Bischofsweihen. Klar ist: Die Bruderschaft wird von ihren Positionen nicht abrücken. Sie kann es auch gar nicht, würde sie doch sonst ihre Existenzberechtigung als Gruppe der vermeintlich "wahren Katholiken" verlieren.

Der Dogmatiker Jan-Heiner Tück warnte angesichts der geplanten Weihen kürzlich vor dem Entstehen einer Parallelkirche. Doch die gibt es schon längst – unabhängig vom kirchenrechtlichen Status. So sollte man gelassen auf den Weihetag am 1. Juli blicken in dem Bewusstsein: Diesem verlorenen Schaf nachzulaufen, lohnt nicht.

Von Tobias Glenz

Der Autor

Tobias Glenz ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.