Für mehr Brückenbauen an Brückentagen
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Hand aufs Herz: Sind Ihre Koffer schon gepackt? Fronleichnam steht vor der Tür – und in vielen Bundesländern damit auch ein weiterer Brückentag. Zahlreiche Menschen suchen in diesen Tagen Erholung und Auszeit vom Alltag. Viel zu oft aber geistern noch immer frustrierte Neiddebatten durch kirchliche Räume (und Kommentarspalten): "Es heißt Feiertag und nicht freier Tag!" oder auch "Wer nicht weiß, was Christi Himmelfahrt/Pfingsten/Fronleichnam gefeiert wird, kann ja gleich arbeiten gehen!"
Solche Dualismen werden den Menschen nicht gerecht, denn zahlreiche Katholiken wissen um ihre Konfession – und entscheiden sich dennoch für den Kurzurlaub. Kirche kann hier den mahnenden Zeigefinger heben oder in der Nachfolge Jesu konsequent da sein, wo diese Menschen sind. Nicht alle haben ein explizit spirituelles Bedürfnis, aber viele erleben im Urlaub eine neue Offenheit für die großen Fragen des Lebens.
Einfach fünf Minuten schweigend in einer Kirchenbank sitzen und die sonnendurchfluteten bunten Glasfenster genießen. Eine Kerze anzünden, wenn für ein klassisches Gebet schon lange die Worte fehlen. Ich kenne gar Ungetaufte, die der schmerzerfüllte Blick einer Pietà tief bewegt hat. Für viele sind dies die einzigen Berührungspunkte mit Kirche geworden. Manchmal bieten diese Momente auch Raum für Begegnungen, die unerwartete Früchte tragen.
Die Realität vor Ort aber sieht vielfach anders aus: verriegelte Kapellen, abschreckend-unattraktive Aushänge und mürrische Kirchenaufsichten (nomen est omen), die jeden Besucher mit Argusaugen beobachten. Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal mehr als Eindringling denn als willkommen geheißenes Kind Gottes gefühlt?
An vielen beliebten Ausflugszielen gibt es wunderschöne Kirchenbauten. Um aus diesen einladende Räume der (Gottes)Begegnung zu machen, braucht es ehrenamtliches Engagement – und Geld. Gerade in Zeiten sinkender Ressourcen sollte sich Pastoral ehrlich machen und da sein, wo Menschen wirklich sind. Eventisierung des Glaubens darf nicht länger ein Schimpfwort sein.
Die Autorin
Valerie Judith Mitwali promoviert an der Ruhr-Universität Bochum in systematischer Theologie.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
