Kurz vor seinem 95. Geburtstag

Früherer ZdK-Präsident und Kultusminister Hans Maier gestorben

Veröffentlicht am 09.06.2026 um 09:05 Uhr – Lesedauer: 

München ‐ Gelehrter, Politiker, Katholik, Musiker und Familienmensch – Hans Maier war eine Persönlichkeit, die man als Allrounder bezeichnen konnte. Nun ist er kurz vor seinem 95. Geburtstag gestorben.

  • Teilen:

Hans Maier, einer der führenden katholischen Intellektuellen Deutschlands, ist tot. Er starb, wie seine Familie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) Dienstagfrüh bestätigte, am Montagabend in einem Münchner Krankenhaus. Am 18. Juni wäre der CSU-Politiker 95 Jahre alt geworden. Der gebürtige Freiburger Politikwissenschaftler lehrte als Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Von 1970 bis 1986 war er bayerischer Kultusminister, von 1976 bis 1988 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Das ZdK würdigte seinen früheren Präsidenten als "das Gesicht des politischen Katholizismus". Wie kaum ein anderer habe der Verstorbene "universelle Gelehrtheit mit politischer Gestaltungskraft" verbunden, so das ZdK in einer Mitteilung. "Mit Hans Maier verliert das ZdK und mit ihm die katholische Kirche in Deutschland eine herausragende Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte." Die deutschen Bischöfe würdigten Maier als "prägende Persönlichkeit weit über die Kirche hinaus". "Mit Professor Maier verlässt uns eine katholische Stimme, die unüberhörbar war und zwar Zeit seines Lebens", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer, in einem Nachruf.

"Böse Jahre, gute Jahre"

Über 60 Jahre war Maier, Vater von sechs Töchtern, mit seiner Frau Adelheid verheiratet, die erst im März dieses Jahres gestorben war. Auch im hohen Alter engagierte er sich lange noch als nebenamtlicher Kirchenmusiker, als Vortragsredner und Publizist. Aus der Feder des Gelehrten stammen weit über tausend Publikationen zu einem breiten Themenspektrum. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen kreisen um die Verbindung zwischen Politik und Religion, um revolutionäre und totalitäre Ideengebäude. Zuletzt erschien unter dem Titel "Deutschland. Wegmarken seiner Geschichte" ein Essayband im Münchner Verlag C.H. Beck, der 2010 auch seine Gesammelten Schriften herausgab. Seine Lebenserinnerungen betitelte er 2011 mit "Böse Jahre, gute Jahre". Für sein Wirken erhielt Maier viele akademische, kirchliche, staatliche und kulturelle Auszeichnungen.

1999 zählte er mit anderen prominenten Katholiken zu den Gründungsmitgliedern des Beratungsvereins Donum vitae (Geschenk des Lebens), nachdem die katholische Kirche in Deutschland auf Anordnung von Papst Johannes Paul II. das staatliche System der Schwangerschaftskonfliktberatung verlassen hatte. Maier beteiligte sich bis in die Gegenwart an öffentlichen Debatten. In der Corona-Krise demonstrierte er an der Seite von Kulturschaffenden, die um ihre Existenz bangten. Vor Ostern 2020 startete er eine Hilfsinitiative für das überfüllte Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos.

2016 rieb sich Maier an der Führung seiner Partei, der CSU, die im Streit mit der CDU um die Asyl- und Migrationspolitik die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag riskierte. Auch am Kreuz-Erlass des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder für die Landesbehörden fand er keinen Gefallen, obwohl er als Kultusminister und ZdK-Präsident für die Beibehaltung von Schulkreuzen gekämpft hatte. 2021 übergab Maier einen Gutteil seiner Privatbibliothek, mehr als 1.700 Bücher aus vielen Wissensgebieten, der Katholischen Akademie in Bayern. (tmg/KNA)

9.6., 12 Uhr: Ergänzt um Reaktionen von ZdK und DBK.