Standpunkt

Lobpreis ist nicht die einzig richtige Form – aber eine legitime

Veröffentlicht am 16.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Theresia Kamp – Lesedauer: 

Bonn ‐ Zu emotional, zu schlicht, zu unreflektiert? Mit diesen Vorwürfen sehen sich Anhänger von Lobpreismusik regelmäßig konfrontiert, kommentiert Theresia Kamp – und erklärt, warum sie dennoch eine legitime Form ist.

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Stellen Sie sich vor, ein Paar tanzt seinen Hochzeitswalzer zu "Die With A Smile" von Lady Gaga und Bruno Mars. Wenn ich nur noch kurze Zeit zu leben hätte, würde ich mit einem Lächeln sterben, solange Du bei mir wärst, heißt es im Text. Ziemlich romantisch. Ziemlich radikal. Und jetzt stellen Sie sich vor, ein Gast kommentiert: "Nein, bitte, dieses Lied? Ästhetisch ist das ja schon eher … unterkomplex! Und welches Konzept von Liebe steht eigentlich dahinter?" Ähnliches passiert Christen, die Lobpreismusik zugeneigt sind. Ihnen wird regelmäßig vorgeworfen, sie sei zu schlicht, zu emotional, zu unreflektiert

Es stimmt, bei Lobpreis wird die Gefühlsebene angesprochen. Das fühlt sich ungewohnt an. In Kontakt mit den eigenen Gefühlen zu sein, ist eine Herausforderung. Viele Menschen sind darauf getrimmt, zu funktionieren. Aber als leibseelische Wesen gehören Gefühle zum Menschsein dazu. In der Bibel oder bei Mystikerinnen wird der Glaube mit einer Liebesbeziehung verglichen. In einem Moment absoluter Verliebtheit nutzt man eine andere Sprache als bei einer nüchternen Erörterung.

Dass es kritisch gesehen wird, dass Lobpreis popmusikalisch klingt, wirkt wenig überzeugend, wenn die sogenannte "Inkulturation" des Glaubens ansonsten als Wert angesehen wird. Schließlich ist diese Musikrichtung in der Gegenwartskultur allgegenwärtig.

Die Akkordabfolgen vieler Lieder würden tatsächlich keinen Innovationspreis gewinnen. Der Vorwurf, die Texte seien frei von Ambivalenzen, lässt sich dagegen nicht aufrechterhalten. Ich denke an den katholischen Musiker Matt Maher, der den Erfahrungen der Gottferne der heiligen Mutter Teresa ein ganzes Lied gewidmet hat ("Firelight"), oder an den christlichen Singer-Songwriter Samuel Harfst, der oft tastend und suchend formuliert und in einem seiner aktuellen Lieder sogar vor dem Missbrauch von Religion warnt ("Wendepunkt").

"Wartet nur, bis die rosarote Brille weg ist", sagt man jungen Paaren wenig empathisch. Man könnte ihnen auch sagen: "Bewahrt Euch Eure Verliebtheit, pflegt die Rituale, die Euch guttun und tretet immer wieder in Verbindung miteinander". Lobpreis kann ein Weg sein, sich der Liebe Gottes immer neu bewusst zu werden. Die einzig richtige Form ist er nicht. Aber eine legitime ganz bestimmt.

Von Theresia Kamp

Die Autorin

Theresia Kamp hat Theologie und Romanistik studiert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und schreibt regelmäßig für verschiedene christliche Medien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.