Requiem für Hans Maier – Kardinal Marx würdigt Lebenswerk

Mit bewegenden Ansprachen haben am Mittwoch Vertreter aus Politik, Kirche und Wissenschaft bei einem Requiem im Münchner Liebfrauendom Abschied von dem CSU-Politiker Hans Maier genommen. Der frühere bayerische Kultusminister (1970–1986) und Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (1976–1988) war am 8. Juni in München gestorben. Maier, der als einer der führenden katholischen Intellektuellen Deutschlands galt, wäre am 18. Juni 95 Jahre alt geworden. Vor den Altarstufen stand Maiers mit einem Bukett von Sonnenblumen geschmückter Sarg. Ihn umgaben vier Kränze: von der Familie, dem Bayerischen Landtag, dem Ministerpräsidenten und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Außerdem war ein Porträtbild von ihm aufgestellt worden. Zu den Trauergästen zählten neben der Familie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Landtagspräsidentin Ilse Aigner.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sprach von einem großen Lebenszeugnis. Viele merkten erst jetzt, was sie an Personen wie Maier verlieren, die aus dem Geist des christlichen Glaubens die Welt gestalten wollten. Maier sei ein liberaler Katholik gewesen, im Sinne eines freien Menschen, aber nicht ungebunden. Hineingestellt in den Weg der Kirche habe er mit ihr gerungen. Der katholische Glaube brauche keinem Denken der Welt auszuweichen. Solch offene Katholiken, im Sinne einer katholischen Aufklärung, seien heute nötiger denn je. Es gehe darum, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, betonte der Kardinal. Der Mensch sollte nicht andere für sich denken lassen "wie die Künstliche Intelligenz und nicht politische Ideologien und nicht irgendwelche Schwätzer, die uns hereinlegen wollen". Um aber selber denken zu können, brauche es Kraft und Bildung. Deshalb sei die Bildungsfrage entscheidend für die Zukunft.
ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp erinnerte daran, dass ihr Vorgänger über viele Jahrzehnte das Gesicht des politischen Katholizismus gewesen sei. "Wie kaum ein anderer verband er universelle Gelehrtheit mit politischer Gestaltungskraft." Die katholische Soziallehre sei ihm nicht bloß Leitlinie, sondern Herzensanliegen gewesen. Stetter-Karp verwies auf Maiers Engagement bei der Gründung des Schwangerenberatungsverein "Donum Vitae". In einer schwierigen und schmerzvollen Auseinandersetzung innerhalb von Kirche und Gesellschaft habe er sich dafür eingesetzt, dass Frauen in existenziellen Konfliktsituationen nicht allein gelassen werden. Für das ZdK sei Maier kluger Ratgeber, aufmerksamer Zuhörer und eine Stimme gewesen, die gehört wurde: "Er hat Brücken gebaut – zwischen Positionen, zwischen Generationen, zwischen Kirche und Gesellschaft."
"Glücksfall für bayerische Politik"
Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) nannte Maier einen Glücksfall für die bayerische Politik, als dieser 1970 das Amt des Kultusminister übernommen habe. Mit intellektueller Brillanz sei es ihm gelungen, die umstrittene Kultur- und Schulpolitik zu gestalten, mit der Opposition fair umzugehen, mit den Lehrerverbänden zu kooperieren und die Wissenschaft in Bayern zur Blüte zu bringen. Aber auch sein Ausscheiden aus der Politik aus dem damaligen Kabinett unter Franz Josef Strauß habe Maier souverän gemeistert, betonte Waigel. Er sei demütig gewesen, aber nicht bereit, sich demütigen zu lassen. So habe sein moralischer Imperativ gelautet: "Es gilt, den Mächtigen den notwendigen Widerspruch nicht zu versagen." Widerstandsgeist habe Maier aber nicht nur in der Politik, sondern auch in der Kirche immer wieder bewiesen, so Waigel. Sein Leben und Wirken werde lebendig bleiben, in Theologie und Philosophie, Geschichte und Politik, im Herzen vieler Menschen.
Der frühere Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Heinrich Oberreuter, würdigte den Wissenschaftler Maier. Gerade in herausfordernden Zeiten habe dieser die Freiheit der Wissenschaft verteidigt. Er habe vermittelt, dass Wissenschaft, auf freiem Wissen beruhend, sich gegen Gesinnung, Ideologie und Opportunismus treu zu behaupten habe. Vor allem aber habe Maier deutlich gemacht, dass nicht nur der Politikwissenschaftler, sondern jeder Bürger Verantwortung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung trage, hob Oberreuter hervor, Denn diese gewähre ihm schließlich das Recht auf persönliche Entfaltung. "Verantwortung aber heißt Handeln, zumindest wenn Entgleisung droht oder entsprechende zeitgeschichtliche Erinnerungen aufscheinen."
Der gebürtige Freiburger Maier lehrte als Professor für Politikwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, bevor er ins bayerische Kabinett wechselte. Von 1988 bis 1999 hatte er an der LMU den Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie inne. Erst im März war Maiers Frau nach mehr als 60 Jahren Ehe gestorben. Aus ihrer Verbindung gingen sechs Töchter hervor. Auch im hohen Alter engagierte sich Maier noch lange als nebenamtlicher Organist, als Vortragsredner und Publizist. (KNA)
17.6., 13:50 Uhr: Ergänzt um weitere Stimmen.