Hostienmangel in Kuba – Kirche der Nachbarstaaten sendet Hilfe

Die katholische Kirche in Panama und in Puerto Rico hat Lieferungen von insgesamt mehreren hunderttausend Hostien nach Kuba organisiert, um Engpässe bei der Feier der Eucharistie in mehreren Diözesen der Karibikinsel zu überbrücken. Wie der Erzbischof von Panama am Dienstag in einem bei "X" veröffentlichten Schreiben mitteilte, wurden 35.000 Hostien gesendet, aus Puerto Rico kamen rund 300.000 weitere hinzu. Die Hilfsaktionen wurden von den jeweiligen Bischöfen koordiniert, als Zeichen kirchlicher Solidarität innerhalb der Karibikregion.
Hintergrund der Engpässe ist eine sich verschärfende Versorgungskrise in Kuba, die weite Teile des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens betrifft. In vielen Regionen kommt es zu stunden- oder sogar tagelangen Stromausfällen, da die staatliche Elektrizitätsgesellschaft nur eingeschränkt Strom bereitstellen kann. Auch Treibstoff und Kochgas sind nach offiziellen Angaben knapp, was den Alltag erheblich belastet.
"Konkretes Zeichen der Gemeinschaft"
Die Kirche ist von der Knappheit gleichermaßen betroffen. So ist auch die sonst in einem Kloster der Karmelitinnen vollzogene Herstellung von Hostien beeinträchtigt, da sie auf kontinuierliche Energieversorgung angewiesen ist. Eine Rationierung sei deshalb notwendig geworden, hieß es. Zudem ist vor Ort das Mehl knapp. Wie der Lateinamerikanische und Karibische Bischofsrat (CELAM) berichtet, hatten die kubanischen Bischöfe an Fronleichnam auf den Hostienmangel hingewiesen und um Unterstützung gebeten. Roberto González Nieves, Erzbischof von San Juan in Puerto Rico hatte die Pfarrgemeinden seines Bistums dazu aufgerufen, sich einer Solidaritätsaktion zugunsten der Kirche in Kuba anzuschließen. Laut CELAM wurden durch Spenden von Pfarreien rund 300.000 Hostien für die kubanischen Diözesen gesammelt – als Geste der Solidarität zwischen den Kirchen der Karibik.
Erzbischof José Domingo Ulloa Mendieta schreibt, die von den Schwestern des Klosters La Visitación in Panama hergestellten Hostien seien als "konkretes Zeichen der Gemeinschaft" gemeint, das die Kirche über Grenzen hinweg verbinde. Wenn eine Schwesterkirche Schwierigkeiten durchlebe, sei die gesamte Kirche aufgerufen, ihr nahe zu sein und "ihre Güter, ihren Glauben und ihre Hoffnung mit ihr zu teilen". Schließlich sei die Eucharistie das Sakrament der Einheit.
Krise in allen Bereichen
Kubas Versorgungskrise betrifft alle Sektoren des täglichen Lebens und führt zu einer Verschärfung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme. Neben der Strom- und Treibstoffknappheit fehlt es vielerorts auch an sauberem Trinkwasser, da Pumpanlagen ebenfalls von der instabilen Energieversorgung abhängen. Haushalte weichen zunehmend auf alternative Energiequellen wie Holz oder Holzkohle aus. Die hohe Inflation hat die Kaufkraft vieler Menschen stark reduziert, während Grundnahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs in privaten Geschäften zu deutlich höheren Preisen angeboten werden.
Die angespannte Lage führte in den vergangenen Wochen in mehreren Städten zu spontanen Protesten, bei denen Anwohner mit dem Klopfen auf Töpfe und Pfannen durch die Straßen zogen. Gleichzeitig belasten internationale Sanktionen und die Reduzierung wirtschaftlicher Aktivitäten ausländischer Unternehmen die kubanische Wirtschaft zusätzlich. Besonders der Tourismussektor verzeichnet Rückgänge. Beobachter sehen derzeit keine kurzfristige Entspannung, während die Regierung in Havanna vor einer weiteren Verschlechterung der Lage warnt und zugleich ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. (KNA)