Online-Pressekonferenz am Donnerstag

Missbrauch: Erste Studienergebnisse zu Kardinal Hengsbach erwartet

Veröffentlicht am 19.06.2026 um 09:40 Uhr – Lesedauer: 

Essen ‐ Jahrzehnte nach seinem Tod untersuchen Forschende Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Essener Bischof, Kardinal Franz Hengsbach. Erste Ergebnisse stellen sie kommende Woche vor.

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Forschende stellen kommende Woche erste Erkenntnisse zu Missbrauchsvorwürfen gegen den früheren Essener Kardinal Franz Hengsbach vor. Dabei wird es auch um den Umgang des Bistums Essen und des Erzbistums Paderborn mit Anschuldigungen gegen Hengsbach gehen, wie die Studienautoren ankündigten. Den Fall untersuchen seit Oktober 2024 drei Forschungseinrichtungen aus sozialwissenschaftlichem und historischem Blickwinkel.

Hengsbach war ab 1958 der erste Bischof des damals neu gegründeten Bistums Essen. Noch lange nach seinem Tod 1991 war er vor allem bei Arbeitern im Ruhrgebiet beliebt. Im Februar 2023 zeigte eine Aufarbeitungsstudie für das Ruhrbistum, dass Hengsbach unzureichend mit Missbrauchsvorwürfen gegen Priester im Bistum Essen umging.

Vorwürfe auch gegen Hengsbach selbst

Einige Monate später machten das Bistum Essen und das Erzbistum Paderborn öffentlich, dass auch dem Kardinal selbst Missbrauch angelastet wird. Zwei Vorwürfe betreffen die 1950er- und 1960er-Jahre – also sowohl seine Zeit als Weihbischof im Erzbistum Paderborn als auch seine Amtszeit in Essen. Inzwischen gibt es weitere Hinweise auf mögliche sexualisierte Gewalt durch Hengsbach.

Der Kardinal ist nicht der einzige ehemalige deutsche Bischof, der des Missbrauchs beschuldigt wird. So konnten Gutachter Vorwürfe gegen den früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) bisher weder erhärten noch entkräften. Im Erzbistum Paderborn erhob die Betroffenenvertretung auch Vorwürfe gegen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002).

Bild: ©KNA-Bild/KNA (Archivbild)

Kardinal Hengsbach ist nicht der einzige ehemalige deutsche Bischof, dem Missbrauchstaten vorgeworfen werden. Eine Studie konnte Vorwürfe gegen den ehemaligen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen weder bestätigen noch entkräften.

Die Zwischenergebnisse zu Hengsbach werden am kommenden Donnerstag präsentiert. Verantwortlich für die Studie sind das Münchner Institut IPP, das Berliner Institut Dissens und die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg.

Overbeck und Bredeck bei Pressekonferenz dabei

Die Forschenden wollen auch die Tätigkeiten des Kardinals beim katholischen Hilfswerk Adveniat, in der Militärseelsorge und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) aufarbeiten. Zudem untersuchen sie die Auswirkungen der Vorwürfe gegen Hengsbach auf das Essener Bistum und auf Kirchengemeinden. Auftraggeber der Studie sind das Bistum Essen, das Erzbistum Paderborn, Adveniat, die Militärseelsorge und das ZdK.

An der Online-Pressekonferenz werden als Gäste auch der Paderborner Generalvikar Michael Bredeck und der heutige Essener Bischof Franz-Josef Overbeck teilnehmen. Overbeck ist zugleich Militärbischof und auch für Adveniat zuständig. (KNA)