Zu Besuch bei den Piusbrüdern: Exkommunikation? "Da bin ich glücklich"

Zunächst mag niemand reden. Vom Papst verbotene Bischofsweihen? Schisma, Bruch mit Rom? Ein Mann schüttelt den Kopf. Und eine von zwei Frauen sagt entschuldigend: "Wir sind müde." Die andere ergänzt: "Gehen Sie rein in die Kirche, bald ist Messe."
Bald ist in einer Dreiviertelstunde. Dennoch herrscht hier schon reger Betrieb. Hier in einem Gewerbegebiet in Königsbrunn bei Augsburg, an der Kapelle "Mutter vom großen Sieg", einem Gotteshaus der Piusbruderschaft. Jener traditionalistischen Vereinigung, die dieser Tage wegen unerlaubter Bischofsweihen exkommuniziert worden ist. Aussetzung des Allerheiligsten, Rosenkranz, Gebet um Berufungen und eben eine Messe stehen an diesem Freitagnachmittag und -abend auf dem Programm. Rund 30 Menschen sind anwesend.
Zwischen Elektrobetrieb und Reifenzentrale
Zumindest auf den früheren Papst Franziskus scheint die Bruderschaft gehört zu haben, wenn man sich hier umschaut. Die Kirche möge an die Ränder gehen, hatte Franziskus gefordert. Nun, die Pius-Kapelle in Königsbrunn steht abseits des Zentrums in einer Seitenstraße, zwischen Elektrobetrieb und "Reifenzentrale". Sie trägt zwar ein kleines Kreuz, erinnert äußerlich ansonsten aber an eine Lagerhalle. Gestrichen ist sie in Weiß und Gelb – den Farben des Vatikans.
Wie hält man's hier denn nun mit Papst und Kirche von heute? Wenige Tage nach den verbotenen Bischofsweihen und der daraufhin erfolgten Exkommunikation?
Es brauche die Piusbruderschaft, "um die alte Messe fortzusetzen, um den Glauben fortzusetzen", sagt Günther Viertel. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren hätten "die Auswüchse in der katholischen Kirche überhandgenommen".
Exkommunikation? "Da bin ich glücklich!", ruft die zweite der beiden Frauen, die erst nicht reden wollten, jetzt im Vorbeigehen. Warum? "Weil wir römisch-katholisch sind." Die Um-die-70-Jährige führt das auf Nachfrage nicht aus, betont aber: "Wir müssen beten, weil die Welt im Argen liegt." Ihren Namen? Mag die Dame nicht nennen. "Gott behüte Sie!", wünscht sie in die Kapelle gehend.
Günther Viertel, 77, aus dem benachbarten Mering, gibt seinen Namen gerne preis, und noch mehr: Die Weihen seien notwendig gewesen, um die Bruderschaft weiterleben zu lassen, meint er. "Und die Exkommunikation interessiert eigentlich nicht." Denn es brauche die Bruderschaft, "um die alte Messe fortzusetzen, um den Glauben fortzusetzen". Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren hätten "die Auswüchse in der katholischen Kirche überhandgenommen".
Keine Zweifel am rechten Weg
Auswüchse? "Interkommunion. Der Bischof steht neben einer evangelischen Bischöfin, obwohl es nach dem Kirchenrecht nicht erlaubt ist, Nichtkatholischen die Kommunion zu überreichen." Seit 60 Jahren besuche er Gottesdienste der Piusbrüder, fügt Viertel hinzu. Seinen Eltern habe er das zu verdanken. "Ich kenn nix anderes." Jemals an diesem Weg gezweifelt? "Nein. Wer das Kirchenrecht kennt, der weiß: Es geht nicht anders."
In diese Richtung äußert sich auch Maria Pögl, 45, aus dem nicht weit entfernten Affing. "Die Ereignisse in der Schweiz sind für uns sehr, sehr positiv, weil wir dringend Bischöfe gebraucht haben", sagt sie. "Die Reaktion von Rom ist sehr schade. Zumal Rom immer offen für alle ist, aber nicht bereit ist, das, was früher ganz normal in der Kirche war, anzuerkennen." Bringt sie das in einen Zwiespalt? "Nein. Ich bin mir sicher, auf der richtigen Seite zu sein." Denn: "Es kann nicht plötzlich was falsch sein, was immer richtig war."
Ähnlich wie Günther Viertel ist Maria Pögl über die Familie in die Piusbruderschaft hineingewachsen, wie sie erzählt. "Es war bei uns nie was anderes da." Ihre Kinder folgen nun. Sohn Georg, 11, der neben ihr steht, ist seit fast sechs Jahren Messdiener.
"Ich bin mir sicher, auf der richtigen Seite zu sein", sagt Maria Pögl. Denn: "Es kann nicht plötzlich was falsch sein, was immer richtig war." Sie besucht die Messe mit ihrem 11-jährigen Sohn Georg.
Wie es weitergehen mag zwischen Papst und Piusbrüdern? Ist eine Annäherung in Zukunft denkbar? "Nein", findet Günther Viertel. "Es geht um einen Grundsatz. Einen Grundsatz kann man nicht ändern." Maria Pögl hingegen antwortet: "Ich hoffe es, weil die Piusbruderschaft sehr zum Papst steht, und auch möchte, dass wir ganz normal vom Papst anerkannt werden."
Der Papst sei wichtig, betont Pögl. "Der Papst ist der Papst der katholischen Kirche." Aber der hat ja jetzt nun mal gesagt: Leute, so nicht! "Ist schwierig, ja, tatsächlich." Vor allem, da der Papst andere Konfessionen achte, die ihn doch ablehnten, und wiederum den Piusbrüdern, "die den Papst anerkennen, sagt: Nö, will ich nicht".
"Wir haben keine Geheimnisse"
Günther Viertel, Maria Pögl, ihr Sohn Georg – sie alle feiern jetzt die Messe. Von innen schaut die Kapelle festlicher aus als von außen, wenn auch nicht gerade barocktrunken. Ein Gebets- und Gesangbuch von 1948 liegt aus. Eine Frau trägt Schleier, ansonsten sind T-Shirts und Sneaker ebenso zu sehen wie Hemden und Sandalen. Zur Kommunion knien die Gläubigen vorn in langer Reihe nebeneinander nieder und empfangen sie direkt in den Mund. Ständig ist Latein zu hören.
Später, wieder draußen, spricht der Priester natürlich Deutsch. "Wir haben keine Geheimnisse", sagt er. "Drum steht unsere Tür auch immer offen. Na ja", scherzt er, "außer im Winter." Der nächste Winter wird kommen, so viel ist sicher. Zwischen Papst und Piusbrüdern scheint er schon da.