Nach der Exkommunikation

Kirchenhistoriker rechnet nicht mit Umkehr der Piusbruderschaft

Veröffentlicht am 08.07.2026 um 09:20 Uhr – Lesedauer: 

Fribourg ‐ Die Exkommunikation soll zur Umkehr bewegen. Dass das bei der Piusbruderschaft gelingt, bezweifelt der Kirchenhistoriker Mariano Delgado – schon seit Jahrzehnten sei klar, dass die Hoffnung auf Rückkehr aussichtslos sei.

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Der Schweizer Kirchenhistoriker Mariano Delgado rechnet nicht damit, dass die Piusbruderschaft durch die Exkommunikation ihrer Bischöfe zur Umkehr bewegt wird. Eher werde es zu einer Verhärtung kommen bis hin zu einer völligen Abspaltung durch die Wahl eines eigenen Papstes, sagte der emeritierte Fribourger Professor in einem Interview mit "kath.ch" (Dienstag). "Die Piusbrüder haben sich gegen Vorwürfe oder Gehorsamsappelle des Papsttums autoimmunisiert, weil sie die Papstkirche seit dem Konzil praktisch für häretisch halten – vor allem aufgrund der Erklärung zur Religionsfreiheit, die sie nun als Verfassungsprinzip in den Rechtsstaaten paradoxerweise auch schützt", so der Theologe.

Die Piusbruderschaft sei überzeugt, dass die wahre Kirche nur von ihnen verkörpert werde. Es könne sein, dass angesichts der Exkommunikation einige wenige wanken und sich mit Rom aussöhnen werden. "Aber die Haupttendenz wird die dogmatische Verhärtung der Piusbrüder sein, die Festigung ihrer Überzeugung, die einzig wahre Kirche zu sein", so Delgado weiter.

Schon in den 1980ern absehbar

Das sei auch keine Überraschung und hätte seit 1985 klar sein müssen, ist der Kirchenhistoriker überzeugt. Damals hatte der Gründer der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, in einem Brief an Papst Johannes Paul II. (1978–2005) eine Kirche, die auf dem Boden des Konzils steht und die Religionsfreiheit verteidigt, "praktisch als 'häretisch' bezeichnet". Damit sei die Sache klar gewesen, betont Delgado: "Man hätte die Exkommunikation von 1988 nicht aufheben sollen, denn die Piusbrüder haben mit Rom nur 'gespielt'. Für sie war immer klar, dass sie das in diesem Brief Gesagte nicht zurückziehen würden. Nicht sie sollten sich ändern, sondern die Konzilskirche."

Erzbischof Lefebvre hatte 1988 erstmals ohne päpstliches Mandat vier Bischöfe für die Piusbruderschaft geweiht. Aufgrund der unerlaubten Weihen, die einen schismatischen Akt darstellen, wurde die Exkommunikation von Lefebvre, des Kokonsekrators António de Castro Mayer und der vier Bischöfe umgehend durch den Vatikan erklärt. Papst Benedikt XVI. (2005–2013) hob 2009 die Exkommunikation gnadenhalber auf, eine Aussöhnung scheiterte aber. Nach der Weihe von vier weiteren Bischöfen am 1. Juli durch die zwei noch lebenden von Lefebvre geweihten Bischöfe stellte der Vatikan wie 1988 umgehend die Exkommunikation der Beteiligten fest. Die Exkommunikation ist eine Beugestrafe, die bei den damit Bestraften Reue und Umkehr auslösen soll, sodass sie in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückkehren und die Strafe aufgehoben werden kann. (fxn)