Wachsende Kluft im Katholizismus heimtückisch

Theologe: Politisch militante Katholiken hegen Überlegenheitsgefühl

Veröffentlicht am 08.07.2026 um 11:45 Uhr – Lesedauer: 

Dublin ‐ Der transatlantische Katholizismus gerät nach Ansicht von Massimo Faggioli zunehmend unter politischen und kulturellen Druck. Welche Rolle Leo XIV. dabei spielt und welche Botschaft er an die USA und Europa sendet.

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Politisch militante Katholiken auf beiden Seiten des Atlantiks hegen nach Ansicht des italienischen Theologen Massimo Faggioli häufig ein Gefühl moralischer Überlegenheit gegenüber Glaubensgeschwistern "auf der anderen Seite des Ozeans". Diese wachsende Kluft im transatlantischen Katholizismus sei "eine der para-schismatischen Situationen, die subtiler und heimtückischer sind als die formale Spaltung der Piusbruderschaft", schreibt Faggioli laut einem Bericht auf dem Portal "Domradio", der in Kooperation mit der Nachrichtenplattform "Global Catholic" veröffentlicht wurde.

Zugleich sei der Katholizismus auf beiden Kontinenten heute Prozessen der "Kulturalisierung" – etwa durch "selbsternannte kulturelle Christen" wie Elon Musk – und einer Instrumentalisierung unterworfen, die der Katholizität der Botschaft und des Zeugnisses der Kirche widersprächen.

Botschaft an Trumps Amerika

Vor diesem Hintergrund erobere Papst Leo XIV. durch sein "Amerikasein" eine katholische Vorstellung von Amerika zurück. "Es ist eine Erinnerung daran, was Amerika versprochen hat – den Amerikanern und allen", schreibt Faggioli. Besonders deutlich werde dies, wenn man die Ereignisse der vergangenen Wochen im Zusammenhang betrachte – Leos Besuch auf der Mittelmeerinsel Lampedusa am amerikanischen Unabhängigkeitstag oder etwa seine Rede bei der Verleihung der "Liberty Medal” in Philadelphia. Leo verzichte darin bewusst auf jede Rhetorik des Exzeptionalismus und würdige Amerika "nicht, weil es reicher, stärker oder mächtiger ist als alle anderen, sondern wegen der politischen Ideale, auf denen es gegründet wurde".

In diesem Zusammenhang verstehe man seinen Besuch auf Lampedusa am Unabhängigkeitstag als Signal an die Vereinigten Staaten. "Leos Wahl wurde als Botschaft an Trumps Amerika interpretiert, und dieses Element ist unbestreitbar", so Faggioli. Zugleich habe der Papst Europa an seine Verantwortung für Flüchtlinge und Migranten erinnert. Auch Leos Rede bei der Verleihung der Liberty Medal sei in diesem Zusammenhang zu verstehen. Darin würdigte der Papst die Religionsfreiheit als Grundlage des amerikanischen Gemeinwesens und äußerte die Hoffnung auf einen öffentlichen Diskurs, der von "Mäßigung, Respekt vor den Ansichten anderer" und der Suche nach einem gemeinsamen Nenner für Frieden und Versöhnung geprägt sei. (mtr)