Warum noch immer dieser Pflichtzölibat?

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Es ist eines der "heißen Eisen", die seit langem diskutiert werden, wenn es um Kirchenreformen geht: die verpflichtende Ehelosigkeit für Priester. "Das ist doch ein alter Hut!", könnte man nun einwerfen. Doch vom Tisch ist die Frage lange nicht. Jüngst stellte sie der künftige Eichstätter Bischof Christian Würtz: "Was geben wir auf, wenn wir den Pflichtzölibat aufgeben, und was gewinnen wir? Das wird sicherlich eine Frage sein, die uns auch in nächster Zeit noch mal stark beschäftigen wird." Was also würde die Kirche tatsächlich verlieren – und was könnte sie stattdessen gewinnen?
Kein Zweifel: Wer sich bewusst für den Zölibat entscheidet, verdient Respekt. Der bekannte Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler bezeichnete ihn kürzlich als "prophetische" Lebensweise, "weil sie über diese Welt hinausreicht". Zugleich aber warnt der Priester – der selbst mit einer "Lebenspartnerin" zusammenlebt – vor einem "lieblosen" Leben in Einsamkeit. Und er stellt fest, dass es viele Berufene gebe und es nicht primär darum gehen könne, ob sie unverheiratet sind.
Das ist der Punkt: Der Zölibat ist eben nur für die wenigsten Menschen eine passende Lebensform, die sie ein Leben lang durchhalten wollen und können. Hält die Kirche starr daran fest, gehen zahlreiche Berufungen verloren. Mit Blick auf immer größere Seelsorgeeinheiten und damit einhergehende Manager- statt Seelsorgeaufgaben hat der Priesterberuf ohnehin massiv an Attraktivität eingebüßt. Nur noch wenige lassen sich weihen. Kann man sich den "Zwang" zur Ehelosigkeit da noch leisten?
Es sei daran erinnert, dass der Zölibat nicht "ur-kirchlich" ist; verpflichtend ist er erst seit 1139. In den katholischen Ostkirchen gibt es sehr wohl verheiratete Priester. Und auch wenn sich sicherlich Gründe für eine priesterliche Ehelosigkeit anführen lassen, leitet sich davon noch lange keine Pflicht ab. Um es klarzustellen: Die Kirche muss den Zölibat gar nicht vollständig aufgeben – sie kann an ihm als Ideal "um des Himmelreiches willen" festhalten. Nur sollte sie es ihren Geistlichen freistellen, ob sie diese Lebensform wählen möchten. Damit wäre nichts für die Kirche verloren, aber sie könnte sehr viel – nämlich gute potenzielle Priester – gewinnen. Es macht Mut, dass sich auch ein neuer deutscher Bischof damit auseinandersetzt.
Der Autor
Tobias Glenz ist Redakteur bei katholisch.de.Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.