Von Johannes Paul II. bis Leo XIV.

Die Lieblings-Wallfahrtsorte der Päpste

Die Lieblings-Wallfahrtsorte der Päpste
Bild: Osservatore Romano/Agenzia Romano Siciliani/KNA

Während ihres Pontifikats besuchen Päpste unzählige Wallfahrtsorte. Doch manche davon sind viel mehr als "nur" Stationen einer offiziellen Reise. Sie werden vielmehr zu persönlichen Orten des Gebets oder sind eng mit der eigenen Biografie verbunden. Von Johannes Paul II. bis zu Leo XIV. lassen sich dabei einige klare Favoriten erkennen.

Johannes Paul II. (1978–2005)

Besonders eng war die Beziehung des polnischen Pontifex zum Wallfahrtsort Jasna Góra in Tschenstochau. Die Verehrung der dortigen Schwarzen Madonna gehörte bereits lange vor seiner Papstwahl zur Frömmigkeit Karol Wojtyłas und war zugleich eng mit seiner polnischen Heimat verbunden. Als Papst kehrte Johannes Paul II. mehrfach nach Jasna Góra zurück und bezeichnete den Ort als seinem Herzen besonders teuer.

Einen weniger bekannten, dafür umso persönlicheren Marienort hatte Johannes Paul II. direkt vor den Toren Roms: die Madonna della Mentorella in den Bergen östlich der italienischen Hauptstadt. Wojtyła hatte den Wallfahrtsort bereits als Kardinal aufgesucht und reiste noch kurz vor dem Konklave von 1978 dorthin. Nur wenige Wochen nach seiner Wahl kehrte er als Papst zum Wallfahrtsort zurück. Johannes Paul II. erklärte damals selbst, dass ihn dieser Ort während seiner Aufenthalte in Rom immer wieder besonders angezogen habe. Auch später kehrte er zur Madonna della Mentorella zurück. Eng mit Johannes Paul II. verbunden ist außerdem das Santuario della Madonna del Divino Amore südlich von Rom, einer der wichtigsten Marienwallfahrtsorte der römischen Diözese. Johannes Paul II. besuchte den Ort 1979 und bezeichnete es als Herz der Marienverehrung Roms und seiner Umgebung.

Eine besondere Bedeutung bekam auch der portugiesische Wallfahrtsort Fátima. Johannes Paul II. wurde am Jahrestag der ersten Marienerscheinung von Fátima angeschossen. Dass er das Attentat überlebte, brachte der Papst mit dem Schutz der Gottesmutter in Verbindung. Schon 1982 pilgerte er nach Fátima, weitere Besuche folgten 1991 und 2000. Insgesamt kam er damit dreimal als Papst nach Fátima. Die Kugel, die ihn beim Attentat getroffen hatte, wurde später sogar in die Krone der Marienstatue eingefügt.

Bild: © ANSA/picture alliance/dpa

Eine besondere Bedeutung bekam auch der portugiesische Wallfahrtsort Fátima. Johannes Paul II. wurde am Jahrestag der ersten Marienerscheinung von Fátima angeschossen. Dass er das Attentat überlebte, brachte der Papst mit dem Schutz der Gottesmutter in Verbindung. Schon 1982 pilgerte er nach Fátima, weitere Besuche folgten 1991 und 2000.

Benedikt XVI. (2005–2013)

Benedikt XVI. pilgerte zu praktisch allen großen europäischen Marienheiligtümern. Mariazell in Österreich besuchte er 2007, Lourdes 2008 und Fátima 2010. Besonders seine Äußerungen in Fátima zeigten, dass Benedikt die Botschaft des portugiesischen Wallfahrtsortes nicht nur als historisches Phänomen betrachtete. Trotz seiner öffentlichen Wahrnehmung als Professor und Theologen-Papst nahm die traditionelle Marienfrömmigkeit damit einen großen Platz in seinem Pontifikat ein.

Auch im Umland Roms findet sich ein Marienort namens Genazzano, rund 50 Kilometer östlich von der italienischen Hauptstadt entfernt. Dort wird in der Wallfahrtskirche der Mutter vom Guten Rat ein spätmittelalterliches Marienbild verehrt. Benedikt XVI. pilgerte 2008 dorthin.  Schon vor seiner Wahl zum Papst war der bayerische Wallfahrtsort Altötting eine religiöse Heimat für Joseph Ratzinger. Als Papst besuchte er den Ort 2006 zwar nur einmal, doch seine Verbindung zu Altötting reicht weit in die Zeit vor seiner Papstwahl zurück: Ratzingers Vater spendete einst sogar für den Neubau der großen neobarocken Basilika Sankt Anna. Heute ziert eine Statue den Wallfahrtsort. Unter seinen Reisen als Papst sticht außerdem Loreto hervor. Benedikt besuchte den italienischen Wallfahrtsort zweimal, 2007 und 2012. 

Papst Franziskus besuchte am ersten Tag nach seiner Wahl (am 14. März 2013) die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom.
Bild: © KNA

Papst Franziskus besuchte am ersten Tag nach seiner Wahl die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom.

Franziskus (2013–2025)

Der wichtigste persönliche Marienort für Franziskus war ohne Zweifel Santa Maria Maggiore in Rom. Genauer gesagt die dort verehrte Ikone Salus Populi Romani. Schon am Morgen nach seiner Wahl fuhr der neue Pontifex zur Basilika und betete vor der Ikone. Daraus entwickelte sich ein Ritual seines gesamten Pontifikats: Vor Auslandsreisen kam Franziskus zu ihr, um für die bevorstehende Reise zu beten, und nach seiner Rückkehr erschien er erneut, um zu danken. Wie wichtig ihm die Basilika war, zeigte schließlich seine Entscheidung über den eigenen Tod hinaus: Franziskus wollte nicht im Petersdom bestattet werden, sondern in Santa Maria Maggiore. Seit April 2025 befindet sich dort sein Grab.

Doch auch außerhalb der Stadtmauern Roms gab es wichtig Orte für das Kirchenoberhaupt: Anfang Mai 2018 etwa pilgerte er zum Santuario della Madonna del Divino Amore südlich von Rom. Dort betete er zum Beginn des Marienmonats den Rosenkranz. Damit knüpfte er zugleich an Johannes Paul II. an, der das Heiligtum bereits 1979 besucht und 1999 das neue Gotteshaus geweiht hatte. International nahm dagegen Fátima eine herausragende Stellung ein: Franziskus fuhr zweimal als Papst dorthin, 2017 zum 100. Jahrestag der Erscheinungen und 2023 während seiner Portugalreise zum Weltjugendtag. Ebenfalls sehr persönlich war seine Beziehung zu Aparecida in Brasilien. Als Papst besuchte er den Ort 2013 einmal, kannte es aber bereits aus seiner Zeit als Kardinal. 2007 hatte Jorge Mario Bergoglio dort an der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe teilgenommen. Die dort entwickelten Gedanken über eine missionarische Kirche prägten später auch sein Pontifikat.

Papst Leo XIV. betet am Grab von Franziskus
Bild: © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Francesco Sforza

Neben Genazzano besuchte Leo XIV. mehrfach Santa Maria Maggiore, wo er am Grab seines Vorgängers und vor der Salus Populi Romani betete.

Leo XIV. (seit 2025)

Eine seiner ersten privaten Fahrten führte Leo XIV. nach Genazzano, nur zwei Tage nach seiner Wahl. Der rund 60 Kilometer von Rom entfernte Ort ist ein traditionsreicher italienischer Marienwallfahrtsort. Im dortigen Santuario della Madre del Buon Consiglio, dem Heiligtum der Mutter vom Guten Rat, wird ein spätmittelalterliches Gnadenbild verehrt. Der Überlieferung nach erschien das Bild im 15. Jahrhundert auf wundersame Weise in Genazzano.

Für Leo XIV. besitzt der Ort noch eine weitere persönliche Dimension: Der Wallfahrtsort wird von Augustinern betreut. Robert Francis Prevost gehört selbst dem Augustinerorden an. Bei seinem Besuch als Papst betete er vor dem Gnadenbild und griff dabei auf ein Gebet Johannes Pauls II. zur Mutter vom Guten Rat zurück. Auch Benedikt XVI. hatte den Wallfahrtsort 2008 besucht. Damit verbindet Genazzano inzwischen gleich mehrere der jüngsten Pontifikate.

Neben Genazzano besuchte Leo XIV. mehrfach Santa Maria Maggiore, wo er am Grab seines Vorgängers und vor der Salus Populi Romani betete. Auch die Mentorella, der einstige Lieblingsort Johannes Pauls II. in den Bergen östlich von Rom, hat Leo XIV. In seinem noch kurzen Pontifikat aufgesucht. Damit fällt auf, dass der neue Papst gleich zu Beginn seines Pontifikats mehrere Marienheiligtümer in Rom und seiner Umgebung besuchte, die bereits mit seinen Vorgängern verbunden waren.

Mario Trifunovic