Exorzisten haben es heutzutage nicht leicht. Werden sie für dieses Amt ernannt, geschieht das meist ohne große Öffentlichkeit. Wer sie sind und wo sie tätig sind, bleibt häufig verborgen. Hinzu kommt ein anderes Problem: das Bild, das Filme und Popkultur vom Exorzismus zeichnen. Kaum ein religiöses bzw. kirchliches Thema wurde von Hollywood so ausgiebig aufgegriffen wie das Thema rund um Dämonen und Exorzismen. Das Genre funktioniert seit Jahrzehnten sehr gut an den Kinokassen. 2023 etwa kam "The Pope’s Exorcist" in die Kinos, ein Film, der sich an den Erinnerungen des früheren Exorzisten des Bistums Rom, Gabriele Amorth, orientierte. Russell Crowe übernahm darin die Hauptrolle. Wie viele Exorzismus-Thriller zuvor sorgte auch dieser Film für mediale Resonanz.
Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt jedoch auch Stephen Rossetti, der frühere Exorzist der US-Erzdiözese Washington. Deren Erzbischof, Kardinal Robert McElroy, entzog ihm vor Kurzem die Erlaubnis, diesen Dienst im Namen der Erzdiözese auszuüben. Doch zunächst einmal die Frage, was ein Exorzist überhaupt ist, welche Aufgaben er hat und was die katholische Kirche unter einem Exorzismus versteht.
Nur mit ausdrücklicher Erlaubnis
Unter einem Exorzismus versteht die katholische Kirche laut Katechismus ein öffentliches Gebet im Namen Jesu Christi dafür, dass "eine Person oder ein Gegenstand vor der Macht des bösen Feindes beschützt und seiner Herrschaft entrissen wird". Weiter heißt es im Katechismus: "Der Exorzismus dient dazu, Dämonen auszutreiben oder vom Einfluss von Dämonen zu befreien und zwar kraft der geistigen Autorität, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat." Der feierliche oder große Exorzismus darf nur von einem Priester mit ausdrücklicher Erlaubnis des Bischofs für den Einzelfall und ausschließlich nach den dazu von der Kirche festgelegten Regeln vollzogen werden. Diese Erlaubnis darf gemäß Kirchenrecht nur Priestern erteilt werden, die sich durch "Frömmigkeit, Wissen, Klugheit und untadeligen Lebenswandel" auszeichnen. Der Ablauf eines Exorzismus ist im "Rituale Romanum" unter dem Titel "De exorcismis et supplicationibus quibusdam" (Exorzismen und bestimmte flehentliche Bitten) geregelt.
Eine einheitliche und vorgeschriebene Ausbildung für Exorzisten gibt es in der Kirche nicht. Seit 2005 aber bietet das Institut "Sacerdos" des Päpstlichen Athenaeums Regina Apostolorum in Rom eine Fortbildung für Exorzisten und andere mit dem Thema befasste Fachleute an. Der Kurs wird in Zusammenarbeit mit der Internationalen Exorzisten-Vereinigung AIE angeboten. Mehrere hunderte Exorzisten weltweit gehören der Vereinigung an. Der Verband organisiert außerdem Fortbildungen außerhalb Roms, unter anderem in Südamerika und Spanien. Zu den Aufgaben eines Exorzisten gehören neben den vorgeschriebenen Gebeten und Ritualen auch Gespräche und die seelsorgerische Begleitung der Betroffenen. Bevor ein Großer Exorzismus in Betracht gezogen wird, soll sorgfältig geprüft werden, ob sich die beobachteten Symptome medizinisch oder psychologisch erklären lassen. Die tatsächliche kirchliche Praxis unterscheidet sich damit deutlich von den häufig dramatisierten Darstellungen des Exorzismus in Filmen und anderen Medien.
Spektakulärer als vorgesehen
Doch auch Exorzisten selbst tragen oft dazu bei, dass ihr Amt öffentlich spektakulärer erscheint, als es kirchliche Vorgaben vorsehen. Das zeigt der Fall Stephen Rossetti. Hintergrund der Auseinandersetzung sind unter anderem Äußerungen Rossettis über Ufos und außerirdisches Leben. Das Thema hatte in den USA zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten, nachdem die Regierung im Mai Unterlagen zu sogenannten "nicht identifizierten Phänomenen" veröffentlicht beziehungsweise weitere Veröffentlichungen angekündigt hatte. Auch US-Präsident Donald Trump hatte seine Regierung angewiesen, Akten zu identifizieren und bereitzustellen, die sich auf außerirdisches Leben und nicht identifizierte Flugobjekte beziehen.
Russell Crowe als Gabriele Amorth in "The Pope's Exorcist".
In diesem Zusammenhang erklärte Rossetti aber: "Wahrscheinlich sind viele, wenn nicht die meisten Ufo-Sichtungen tatsächlich Dämonen." Zwar spreche grundsätzlich nichts dagegen, dass es Leben auf anderen Planeten geben könne. Er selbst glaube jedoch nicht daran. Als Exorzist müsse er davor warnen, dass Dämonen ihre Anwesenheit häufig verbärgen. "Sie wollen nicht, dass wir wissen, was sie tun. Sie sind viel effektiver, wenn wir gar nicht mitbekommen, dass sie da sind", sagte der Priester. Rossetti zog dabei Parallelen zwischen Berichten über Ufos, Sichtungen von Außerirdischen und Erfahrungen aus seiner Arbeit als Exorzist. "Manchmal sehen besessene Menschen Schattengestalten oder Lichtkugeln", erklärte er. Zudem berichtete er von einer Frau, die er als besessen bezeichnete und die auf einem Bild eines Ufos einen Dämon erkannt habe.
Die Äußerungen stießen innerhalb der Kirche auf Kritik. Kardinal McElroy entzog Rossetti schließlich die Erlaubnis, als Exorzist für die Erzdiözese Washington zu wirken. McElroy erklärte, Rossettis Aussagen, in denen er Ufos mit dämonischer Präsenz in Verbindung bringe, sowie die jüngste Nutzung sozialer Medien durch dessen Zentrum würden die "sehr präzise Lehre" der Kirche über den Teufel, Dämonen und den Exorzismus schwerwiegend untergraben. Die Abberufung dürfe nicht als Bewertung unidentifizierter Flugobjekte oder außerirdischen Lebens verstanden werden, erklärte McElroy schließlich in einem Interview. Vielmehr gehe es um das, was er als die angemessene Rolle eines Exorzisten innerhalb der katholischen Kirche betrachte, so der Kardinal. "Mein Hauptkritikpunkt ist, dass ich die traditionelle Rolle eines Exorzisten für eine sehr private halte. Sie ist eine heilige Aufgabe."
Rossetti war nicht nur als Exorzist tätig, sondern leitete auch das "St. Michael Center for Spiritual Renewal" in Washington, ein Apostolat mit dem Ziel, nach eigener Darstellung "mit Menschen zu beten, die seelisch leiden und Heilung und Befreiung brauchen". Das Zentrum arbeitete bislang mit Genehmigung der Erzdiözese Washington. Auch hier zog Kardinal McElroy den Schlussstrich und beendete die Zusammenarbeit mit Rossettis Zentrum.
Rossetti will weitermachen
Dieser aber will seinen Dienst dennoch fortsetzen. In den sozialen Medien erklärte Rossetti, weiterhin über die Befugnis zu verfügen, in mehreren US-amerikanischen Diözesen als Priester und Exorzist tätig zu sein. "Mein eigener Bischof hat mich ermutigt und unterstützt, diesen Dienst fortzusetzen", sagte er in einem Video mit Blick auf Bischof Douglas Lucia vom Bistum Syracuse. Zudem kündigte Rossetti an, die Aktivitäten seines Zentrums Ende September mit einer Online-Sitzung wieder aufzunehmen.
Die Abberufung dürfe nicht als Bewertung unidentifizierter Flugobjekte oder außerirdischen Lebens verstanden werden. Vielmehr gehe es um das, was er als die angemessene Rolle eines Exorzisten innerhalb der katholischen Kirche betrachte, so der Kardinal.
Dass die Kirche den Exorzismus trotz aller öffentlichen Kontroversen weiterhin als legitimen Bestandteil ihrer seelsorgerischen Praxis versteht, machte auch Papst Leo XIV. deutlich. Anlässlich einer Tagung der Internationalen Vereinigung der Exorzisten im vergangenen Jahr würdigte er den "heiklen und überaus notwendigen Dienst des Exorzisten". Er ermutigte damals die Teilnehmer, "dieses Amt sowohl als Amt der Befreiung als auch des Trostes zu leben" und Menschen, die nach kirchlichem Verständnis tatsächlich von bösen Mächten bedrängt oder besessen seien, durch Gebet zu begleiten.
Der Fall Rossetti zeigt damit zugleich Spannungen, in denen sich der Exorzismus heute bewegt. Für die Kirche ist er ein streng geregeltes geistliches und seelsorgerisches Instrument. In der Öffentlichkeit dagegen ist er stark von Bildern aus Filmen, sozialen Medien und spektakulären Romane, Büchern und Berichten geprägt. Wo diese Ebenen ineinander übergehen, wird es auch für die Kirche schwierig – vor allem dann, wenn ihre eigenen Exorzisten dazu beitragen.