Nicht alle Kurienmitarbeiter stünden hinter Synodalitätsidee des Papstes

Kohlgraf über Ad-limina-Besuch: "Mehr Ernüchterung als Hoffnung"

Aktualisiert am 01.12.2022  –  Lesedauer: 

Mainz ‐ Knapp zwei Wochen nach dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom hat der Mainzer Oberhirte Peter Kohlgraf ein Fazit des Treffens gezogen: Die Verstetigung des Synodalen Wegs werde nicht ohne den Vatikan möglich sein.

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Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat sich nach dem Ad-limina-Besuch der deutschen Bischöfe im Vatikan resigniert gezeigt. "Bei mir herrscht mehr Ernüchterung als Hoffnung auf kleine Schritte der Veränderung", schreibt Kohlgraf in seiner Kolumne "Wort des Bischofs" in der aktuellen Ausgabe der Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben". Er habe den Ton bei den Gesprächen mit den Präfekten der unterschiedlichen Dikasterien "nicht in jedem Beitrag als wertschätzend erlebt", so der Mainzer Bischof. Die Ergebnisse vieler Länder nach der ersten Phase des von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozesses, die mit zentralen Forderungen des Synodalen Wegs in Deutschland nach kirchlichen Reformen übereinstimmten, seien bei den Treffen des Ad-limina-Besuchs nicht erwähnt worden.

Zudem sei erkennbar gewesen, dass nicht alle Kurienmitarbeiter die Idee einer synodalen Kirche, wie sie Papst Franziskus vorschwebe, teilten, schreibt Kohlgraf weiter. Das habe man etwa daran ablesen können, wer bei den Diskussionen auf Seiten des Vatikan das Wort geführt habe: "Kardinal Grech als Verantwortlicher für die Weltsynode spielte keine entscheidende Rolle." Dieses Verhalten zeige, dass die Kurialen wie die deutschen Bischöfe in bestimmten Fragen unterschiedlicher Auffassung seien. "Natürlich kamen auch die kritischen Themen zur Sprache, aber bei über 70 Teilnehmern kann man nur schwer von einem echten Gespräch reden."

Brief von Parolin zu Abschluss des Synodalen Wegs angekündigt

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin habe einen Brief aus dem Vatikan angekündigt, der vor der Abschlusssitzung des Synodalen Wegs im Frühjahr kommenden Jahres verfasst werde. "Mir ist klargeworden: Wir werden die Konstruktion einer Verstetigung der Synodalität in Deutschland in Form eines Synodalen Rates nicht angehen können, ohne die römischen Beteiligten am weltweiten synodalen Prozess einzubeziehen." Das bedeute jedoch nicht, einfach nur die römischen Vorgaben zu übernehmen. Ohne Ringen werde dieser Prozess nicht vonstattengehen. In der Kurie sei aber nicht verstanden worden, dass die Texte des Synodalen Wegs keine neue Lehre formulieren, sondern Fragen zur weiteren Öffnung der Diskussion in der Weltkirche stellen wollten. "Wir sind und bleiben katholisch, und warten wir weiter den Verlauf der Weltsynode ab, die sicher manche Überraschung bieten kann."

Papst Franziskus habe er beim Treffen mit den deutschen Bischöfen ambivalent erlebt, so Kohlgraf: "Von der menschlichen Seite aus gesehen ist er sehr präsent, und er ist gut informiert." Wie bereits seit längerer Zeit bekannt, bewerte das Kirchenoberhaupt die Situation der Kirche in Deutschland und den Synodalen Weg kritisch. Vom 14. bis zum 18. November waren die deutschen Bischöfe zu Gesprächen mit den Vatikanbehörden und dem Papst in Rom. Diözesanbischöfe sind verpflichtet, in der Regel alle fünf Jahre gegenüber dem Papst einen Bericht über die Situation in ihrem Bistum abzugeben. (rom)