Synodaler Weg vermische Missbrauchsaufarbeitung und kirchenpolitische Themen

Bischof Voderholzer sieht "unheilvolle Grabenkämpfe" in der Kirche

Aktualisiert am 02.12.2022  –  Lesedauer: 

Regensburg ‐ Die Auseinandersetzung habe beim Synodalen Weg "erheblich an Schärfe gewonnen", meint Bischof Voderholzer. Es werde "sowohl das Anliegen der Aufarbeitung im Interesse der Betroffenen gefährdet wie auch das Bemühen um Erneuerung der Kirche belastet".

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Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sieht in der katholischen Kirche "unnötige und unheilvolle Grabenkämpfe" stattfinden. Dadurch würden "das Zusammenrücken, das Aufeinander-Hören und die gegenseitige Bestärkung" nur "allzu oft torpediert", sagte Voderholzer in einem Interview mit der "Katholischen SonntagsZeitung für das Bistum Regensburg". Die Katholiken in Deutschland müssten sich klar werden, dass sie in der absoluten Minderheit seien. Überzeugend wirken könnten sie nur durch das Festhalten an der Lehre der Apostel und an der Gemeinschaft.

Als "das Grundproblem" des aktuellen Reformprojekts Synodaler Weg markierte der Regensburger Bischof eine "Vermischung" der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch mit kirchenpolitischen Themen. Die Auseinandersetzung habe dadurch "erheblich an Schärfe gewonnen". Zugleich werde "sowohl das Anliegen der Aufarbeitung im Interesse der Betroffenen gefährdet wie auch das Bemühen um Erneuerung der Kirche belastet". Dies habe auch Kurienkardinal Marc Ouellet beim jüngsten Besuch der deutschen Bischöfe in Rom bestätigt.

Eigene Beschäftigung mit Missbrauchsskandal

Voderholzer blickt in dem Interview anlässlich seiner Bischofsernennung am 6. Dezember vor zehn Jahren auch auf seine eigene Beschäftigung mit dem Missbrauchsskandal zurück. Von Geburt an sei er in den Glauben und das Leben der Kirche hineingewachsen. Weder damals noch später als Seminarist oder Priester sei er mit einem Fall von sexuellem Missbrauch oder körperlicher Gewalt in Berührung gekommen. "Und dann höre ich in den Gesprächen mit den Opfern davon, dass es kirchliche Orte gab, die für Kinder buchstäblich die Hölle auf Erden waren." Das Bild, das sich aus diesen Gesprächen ergeben habe, sei "zutiefst verstörend" gewesen.

Befragt nach den aktuellen globalen Krisen äußerte sich der Bischof optimistisch: "Es gibt zu viele Menschen auf der Welt, deren Maßstab nicht die Welt, sondern Gott ist. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass sich auch innerweltlich das Gute immer wieder durchsetzt." (KNA)