Stärke der Kirche liege heute in Gemeinschaft und Solidarität

Kohlgraf: Aufarbeitung auch in 15 bis 20 Jahren nicht abgeschlossen

Veröffentlicht am 25.02.2025 um 11:02 Uhr – Lesedauer: 5 MINUTEN

Mainz ‐ Die Missbrauchsaufarbeitung ist ein komplexer Prozess, ist Bischof Peter Kohlgraf überzeugt. In einem Interview hat er jetzt auch darüber gesprochen, wie die Kirche relevant bleiben könne – und welchen Kindheitstraum er sich im Karneval erfüllt.

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Die Missbrauchsaufarbeitung wird aus Sicht des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf noch einige Zeit beanspruchen. "Dennoch bleibt viel zu tun, und ich rechne damit, dass die Arbeit auch in 15 bis 20 Jahren noch nicht abgeschlossen sein wird", sagte Kohlgraf in einem Interview mit dem Mainzer "Sensor Magazin" (Dienstag). Die Aufarbeitung sei ein komplexer Prozess. Dazu arbeite das Bistum mit unabhängigen Kommissionen und Betroffenenbeiräten zusammen, die die Perspektive der Betroffenen einbrächten.

Auf die Frage, wie die Kirche in einer sich verändernden Gesellschaft relevant bleibe, antwortete der Mainzer Bischof: "Die Kirche muss sich fragen, wie sie in einer zunehmend individualistisch geprägten Welt Zusammenhalt und Werte vermitteln kann." Die Stärke der Kirche liege in Gemeinschaft und Solidarität. "Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen ihre Spiritualität leben und sich für größere Ziele engagieren können."

Eine "anstrengende, aber auch zukunftsweisende Zeit"

Die Kirche befinde sich derzeit in einer Phase der Umbrüche, die teils als Krise wahrgenommen würde, jedoch auch als Chance zur Veränderung diene. Im Rahmen des innerdiözesanen Prozesses "Pastoraler Weg" versuche das Bistum, neue Pfarreien zu gründen, Leitungsmodelle zu optimieren und die Kirche insgesamt stärker auf Teams auszurichten, in denen auch Laien eine Rolle übernähmen. Dies sei eine "anstrengende, aber auch zukunftsweisende Zeit, die von Trauer über Verluste, aber auch von Aufbruch und Neugestaltung geprägt ist". Ziel des Prozesses sei es, eine "flexiblere und an die Bedürfnisse der Menschen angepasste Kirche" zu gestalten.

Über seinen eigenen Alltag verriet Kohlgraf, dass dieser um 5 Uhr morgens beginne – häufig mit Sport. Ab 8 Uhr sitze er dann im Büro. In seinem Leben spiele auch die Musik eine große Rolle. "Ich spiele Klavier, Orgel und Saxophon. Gelegentlich habe ich sogar Konzerte gemeinsam mit dem Domorganisten gegeben", so der Bischof. Privat höre er zumeist Klassik, aber auch Jazz – "eher so die alten Sachen", sagte Kohlgraf.

Die Mainzer Fastnacht feiere er "natürlich" mit, betonte der gebürtige Kölner Kohlgraf. Er sei zum "Patron der Straßenfastnacht" ernannt worden, "das bin ich immer noch, insofern bete ich für ein gutes Gelingen der Fastnacht". Er bekomme viele Einladungen, an Karnevalssitzungen teilzunehmen. Er versuche, jedes Jahr an rund vier Sitzungen teilzunehmen. "An Rosenmontag fahre ich auf dem Wagen mit, das finde ich ganz schön, das war irgendwie auch immer so ein Kindheitstraum, schon in Köln." (cbr)